EM in der Arena: Münchens großer Fußball-Feldversuch

Das EM-Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am Dienstag gegen Frankreich ist die erste Begegnung seit langem mit Publikum in der Arena. Es wird aber auch ein Testlauf für künftige Partien. Geht das Experiment gut?
von  Hüseyin Ince
Ortstermin in Fröttmaning: Rainer Koch, Interims-Chef des DFB, Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek, Philipp Lahm, Geschäftsführer der DFB Euro GmbH, Innenminister Joachim Herrmann, Ministerpräsident Markus Söder und Oberbürgermeister Dieter Reiter  (von links) in der Allianz Arena.
Ortstermin in Fröttmaning: Rainer Koch, Interims-Chef des DFB, Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek, Philipp Lahm, Geschäftsführer der DFB Euro GmbH, Innenminister Joachim Herrmann, Ministerpräsident Markus Söder und Oberbürgermeister Dieter Reiter (von links) in der Allianz Arena. © Alexander Hassenstein/Getty/dpa

München - Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) war voller Vorfreude, als er am Montagnachmittag gemeinsam mit sportlicher sowie politischer Prominenz an der Seitenlinie stand. 

OB Dieter Reiter über einen Kindheitstraum

Die sechs Männer konnten schließlich verkünden, dass in der Fröttmaninger Arena nach mehr als einem Jahr Durststrecke wieder ein Fußballspiel mit echtem Publikum ansteht: das heutige EM-Spiel Deutschland gegen Frankreich.

So schaut die Münchner "Euro 2020"-Arena aus: Das gewohnte Bayern-Rot samt Namens-Logo sind zur EM 2021 restlos getilgt.
So schaut die Münchner "Euro 2020"-Arena aus: Das gewohnte Bayern-Rot samt Namens-Logo sind zur EM 2021 restlos getilgt. © imago images/Sven Simon

Reiter lachte, erwähnte, dass es für ihn schon immer ein Kindheitstraum gewesen sei, eine Pressekonferenz im Stadion des FC Bayern zu geben. Er fachsimpelte, sogar mit seinem politischen Widersacher, dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU). Es ging um Mats Hummels. "Er ist nicht mehr der Schnellste", frotzelte Bayern-Fan Reiter gegen einen Lieblingsspieler von Markus Söder, der ein Selfie mit Philipp Lahm schoss.

EM-Spiel gegen Frankreich in München: Viele Ver- und Gebote 

Im offiziellen Teil des Pressetermins setzte sich die gute Laune fort. Auch Innenminister Joachim Herrmann (CSU) wollte sich das alles nicht entgehen lassen, trotz einer Verletzung, die ihn zeitweise zum Gang mit Krücke zwingt.

Lange habe man diskutiert, ob das alles in dieser Form möglich und sinnvoll sei, und alle hoben hervor, dass das keine einfache Entscheidung gewesen sei. 14.500 Zuschauer dürfen sich am Dienstagabend in das Stadion setzen.

"Aber nur die drei G's", betonte Reiter: nachweislich Geimpfte, Genesene oder Getestete. Viele Ver- und Gebote gelten im Stadion vor dem Spiel, während der Partie und nach dem Schlusspfiff - unter anderem Abstandsgebot, Maskenpflicht sowie Alkoholverbot.

EM in der Arena: Zuschauer müssen einzeln auf Abstand voneinander sitzen

Haushalte dürfen nicht nah zusammensitzen. Nicht einmal Eltern dürfen theoretisch bei ihren Kindern sitzen. Sie müssen einzeln auf den freien Sitzschalen Platz nehmen, die etwa zwei bis drei Meter voneinander entfernt sind. Alle anderen Sitze sind mit farbigen Planen überdeckt. Ob das alles nicht übertrieben sei, fragt ein Reporter den Ministerpräsidenten. Schließlich sei das Bild in der Stadt ein ganz anderes, deutlich lockereres. Es habe nicht allzu viel mit den strengen Regeln im Stadion zu tun.

Und nun folgte ein Satz von Söder, den Reiter sicher als grobes politisches Foul eingestuft hat: "Ich könnte jetzt sagen, wie Regeln in München eingehalten werden, ist Angelegenheit des Oberbürgermeisters", stichelte Söder, relativierte danach aber, um wieder zur Agenda zurückzukehren. Man habe nun mal ein Konzept aufstellen wollen, das großen Infektionsschutz biete. Von Reiter erntete er dafür einen stählern-kalten Blick über die Schulter.

Holetschek: "Wir werden Corona die Rote Karte zeigen"

Das EM-Spiel am Dienstagabend wird auch ein Experiment für künftige Partien - auch wenn alle das Wort "Experiment" gezielt meiden. Von "wichtigen Erfahrungswerten", spricht der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU), die man auch wissenschaftlich analysieren und bewerten wolle.

Holetschek betont: "Im Stadion sind alle sicher. Wir werden Corona die Rote Karte zeigen." Die Gefahr lauere außerhalb. Hier müssten alle Vorsicht walten lassen, sagen die Männer im Einklang.

Die ersten Erfahrungswerte nach einem EM-Spiel sind gut. Am Ende der Partie Türkei gegen Italien am vergangenen Freitag gab es auf der Leopoldstraße laut Polizei keine nennenswerten Zwischenfälle.


Das sind die Stadion-Regeln in München

  • Zum Einlass in das Stadion brauchen alle Personen ab sechs Jahren neben einem gültigen Ticket ein digitales, negatives Covid-19-Testergebnis (Antigen-Schnelltest oder PCR), das in den letzten 24 Stunden in Deutschland durchgeführt wurde. Das Testergebnis muss in einer von zwei Apps hochgeladen werden (Corona-App oder Luca-App).

  • Ein "Covid-19-Armband" reicht auch für den Einlass aus. Es kann am Stadion mit gültigem Ticket abgeholt werden und bezeugt, dass sich der Träger von Covid-19 erholt hat oder vollständig geimpft ist.

  • Wer zu mehreren Spielen geht, braucht für jedes Spiel ein eigenes Testergebnis, außer bei einer vollständigen Impfung oder Genesung.

  • Im Stadion gilt permanente Maskenpflicht, egal ob an der frischen Luft oder nicht. Dabei spielt keine Rolle, ob man genesen oder geimpft ist.

  • Im Stadion gibt's keine alkoholischen Getränke zu kaufen. Es ist verboten, Alkohol mitzubringen oder zu konsumieren.

  • Des Weiteren: 1,5 Meter Abstand zum Nächsten; Sitzmöglichkeit besteht nur auf der Sitznummer, die auf dem Ticket steht; keine Umarmungen; kein Händeschütteln; auch keine "High Fives"; in der Halbzeitpause auf den Sitzen bleiben.