Digital und analog: So läuft der Wahlkampf der Münchner Kandidaten

Die Corona-Pandemie bestimmt auch den Wahlkampf der Münchner Direktkandidaten. Direkte Kontakte beim Haustürwahlkampf sind schwierig. Dennoch ist die Stimmung gut.
von  Lukas Schauer
München entsendet vier Direktkandidaten nach Berlin.
München entsendet vier Direktkandidaten nach Berlin. © pixabay.com @ flyupmike (CC0 Creative Commons)

München - Es ist eine besondere Wahl, diese Bundestagswahl am 26. September: Zum ersten Mal seit 16 Jahren wird die Kanzlerin nicht Angela Merkel heißen. Und natürlich spielt auch Corona eine Rolle bei der Wahl, denn es geht einerseits um die richtige Strategie aus der Pandemie - aber auch darum, unter den gegebenen Umständen einen erfolgreichen Wahlkampf zu machen.

So läuft der Wahlkampf in München

Das merken auch die Münchner Parteibasen und -direktkandidaten: Egal ob Nord, Ost, Süd oder West, überall wird mittlerweile fleißig Wahlkampf gemacht: Die heiße Phase hat begonnen.

Und die Kandidatinnen und Kandidaten, egal welcher Coleur, sind durchaus kreativ, was ihren persönlichen Wahlkampf betrifft: Die Grüne Bundestagskandidatin für München-Ost, Vanessa Rashid, etwa hat einen Videopodcast gestartet, bei dem sie über aktuelle Themen wie Pflege, Wohnen aber auch Jugend und Corona spricht. Aber natürlich wird auch "klassischer" Straßenwahlkampf gemacht.

Vaniessa Rashid.
Vaniessa Rashid. © Grüne

Wahlkampf 2021: Videopodcast, Lastenrad, Online-Diskussion

"Das ist anstrengend und macht zugleich enorm viel Spaß. Vor allem meine Biergartentour oder die Stammtische kamen gut an und es wurde öfter erwähnt, dass es toll ist, dass man mit mir ins Gespräch kommt", sagt sie der AZ.

Ihre Kollegin Doris Wagner (58) aus dem Wahlkreis München-Nord hat - genau wie Dieter Janecek - ein eigenes gebrandetes Lastenradl, mit dem sie im Wahlkreise auf Tour ist. Auch sie setzen auf den unmittelbaren Austausch mit den Menschen - so gut das eben geht in Coronazeiten.

Der direkte Kontakt ist wichtig, sagen alle Kandidaten

Im Münchner Süden kandidiert Sebastian Roloff für die SPD um das Direktmandat.  Er sagt der AZ "Wahlkampf in Zeiten von Corona fühlt sich völlig anders an als üblich, weil das zentrale Element, der direkte Austausch mit Bürgerinnen und Bürgern, nur mit Abstand, Maske und sonstigen Auflagen möglich ist. Infostände, Besuch von Wochenmärkten und Tür-zu -Tür-Wahlkampf findet trotzdem statt und wird von den Menschen auch gut angenommen. Bei Online-Formaten gilt das nur teilweise."

Sebastian Roloff (38).
Sebastian Roloff (38). © Knoll

Und auch wenn die digitalen Wahlkampfveranstaltungen nicht so gut besucht sind, wie Bierzelt-Reden: Auch Roloff setzt auf hybride Angebote, diskutierte etwa digital mit SPD-Chefin Saskia Esken.

Für Seija Knorr-Köning, die ebenfalls für die SPD ebenfalls in den Bundestag will, ist der direkte Kontakt hingegen nach wie vor relevant. "Das persönliche Gespräch ist unverändert wichtig und ich bekomme viele positive Rückmeldungen", sagt die Krankenschwester der AZ. Sie will das Ticket für München-West gewinnen.

Loos: "Die nächsten Wochen werden nochmals intensiv"

Im Münchner Norden kandidiert Amtsinhaber Bernhard Loos (CSU). Auch er ist hybrid unterwegs, da es wegen Corona "natürlich viel weniger Veranstaltungen in Präsenz gibt".

Armdrücken im Atzinger: Bernhard Loos (CSU, li.) und Florian Post (SPD) kämpfen im Münchner Norden um den direkten Einzug in den Bundestag.
Armdrücken im Atzinger: Bernhard Loos (CSU, li.) und Florian Post (SPD) kämpfen im Münchner Norden um den direkten Einzug in den Bundestag.

Loos zur AZ: "Der Haustürwahlkampf sowie die Verteilaktionen werden trotz der Hygienemaßnahmen sehr positiv aufgenommen, da die Bürgerinnen und Bürger die persönlichen Ansprachen sehr wertschätzen. Bei den Online-Veranstaltungen stelle ich hingegen ein schwindendes Interesse fest."

Noch haben alle Kandidatinnen und Kandidaten gut einen Monat, um den Wähler zu überzeugen. "Die nächsten Wochen werden nochmals intensiver", weiß CSU-Mann Loos. Der Wahlkampf in München, er hat gerade erst begonnen.