Diese Wahlplakate sind eine Gefahr für Radler

Die Parteien pflastern München mit Plakaten zu - und gefährden dabei oftmals Fahrradfahrer. Die AZ zeigt, wo es für Radler eng wird. München - 30 Zentimeter sind nicht die Welt. Es ist etwas weniger als eine Computer-Tastatur, etwas mehr als ein normaler Schuh für Erwachsene. Man mö Die Münchner Parteien sehen das offenbar anders: Für sie sind 30 Zentimeter 30 Zentimeter zu viel.
von  Thomas Gautier
So wäre es richtig: Dieses Plakat am Stiglmaierplatz hält ausreichend Abstand.
So wäre es richtig: Dieses Plakat am Stiglmaierplatz hält ausreichend Abstand. © Thomas Gautier

Die Parteien pflastern München mit Plakaten zu - und gefährden dabei oftmals Fahrradfahrer. Die AZ zeigt, wo es für Radler eng wird.

München - 30 Zentimeter sind nicht die Welt. Etwas weniger als eine Computer-Tastatur, etwas mehr als ein Schuh.

Keine große Sache. Oder?

Die Münchner Parteien sehen das offenbar anders, wenn es um den Wahlkampf geht. Seit Wochen pflastern sie die Stadt mit ihren Wahlplakaten zu – 68000 Stück sind es laut Kreisverwaltungsreferat (KVR) derzeit. Besonders begehrt sind Standorte an Kreuzungen oder entlang von Straßen. Hier laufen, radeln und fahren schließlich die Wähler jeden Tag vorbei.

Zur Sicherheit müssen die Aufsteller aber einiges beachten – Verkehrsinseln, Unterführungen oder Brücken sind etwa tabu. Eine der wichtigsten Regeln aber lautet: „Zwischen den Plakatständern und der Fahrbahn beziehungsweise dem Radweg (muss) ein Freiraum von mindestens 30 Zentimeter verbleiben.“

Eine klare Ansage, die die Parteien an vielen Stellen komplett ignorieren. Ob SPD, CSU, Freie Wähler, FDP, Rosa Liste oder ÖDP – sie weichen oftmals keinen Fußbreit vom Radweg.

Einige Beispiele:

Ludwigstraße: Sabine Nalliner macht sich vorm Siegestor breit. Ein Fuß des Ständers ragt zehn Zentimeter in der Radweg hinein – direkt vor einer Kurve. Das Gleiche zeigt sich auf der anderen Seite am Odeonsplatz. Radlerfreundlich geht definitiv anders.

Leopoldstraße, Beispiel 1: Josef Schmid grüßt lächelnd in Richtung stadtauswärts. Sein Plakat küsst die Radwegkante – viel zu nah!

Leopoldstraße, Beispiel 2: An der Münchner Freiheit Richtung Stadt hat ein Plakatständer der Rosa Liste einen Teil des Radlwegs für sich vereinnahmt.

Leopoldstraße, Beispiel 3: Hunderte Meter weiter ahmt die CSU der Rosa Liste nach – gegenüber fordert ein ÖDP-Poster zwar „Freie Radwege“, ignoriert aber auch hier die 30-Zentimeter-Regel.

Sonnenstraße: „4 fürs Rathaus“ präsentiert die SPD hier auf einem Plakat – die dadurch entstandene Engstelle ist eher ein Fall fürs Krankenhaus.

Stachus: Die ÖDP weist auf eine Veranstaltung zu „Risiken und Folgen des Freihandelsabkommens“ hin – an die Risiken und Folgen ihres schlecht aufgestellten Pressspan-Ständers hat sie nicht gedacht.

Wer das kleinlich findet, sollte sich folgende Situation vorstellen: Eine alte Frau radelt auf dem Radweg. Ein anderer überholt sie, sie weicht leicht nach rechts aus,  bleibt an einem Wahlplakat hängen, das zu nah daneben steht und knallt auf die Straße.

Mit  30 Zentimeter Abstand wäre nichts passiert. Die Seniorin hätte einen schönen Tag gehabt –  und keinen Schädelbasisbruch.