Der Wiesn-Countdown

In zwei Wochen beginnt das Jubiläums-Fest: Der Oktoberfest-Wahnsinn ist in der Stadt, keiner entkommt ihm. Was Sie jetzt erledigen sollten – und wie Sie sogar noch einen Tisch ergattern
von  Abendzeitung
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Illustration © Bernd Lindenthaler

In zwei Wochen beginnt das Jubiläums-Fest: Der Oktoberfest-Wahnsinn ist in der Stadt, keiner entkommt ihm. Was Sie jetzt erledigen sollten – und wie Sie sogar noch einen Tisch ergattern

MünchenEs gibt kein Entkommen mehr: Der Wiesn-Wahnsinn ist seit gestern in der Stadt. Vorglühen, Feiern, Verkosten, Pilgern – all das beherrscht für die nächsten zwei Wochen die Brauereien, Wirte und Modehersteller – und damit auch die Münchner. Denn ein Eckerl ohne weiß-blaue Fahne, ohne Herzl oder Dirndl gibt es nicht mehr.

Das Vorglühen vor dem eigentlichen Oktoberfest hat schon Tradition – und weckt die Münchner aus dem Trachtenschlaf. Denn wenn das erste Wiesnbier in den Wirtschaften fließt, Willy Heide zur Wallfahrt aufbricht und Angermaier die Dirndl fliegen lässt, dann ist es höchste Zeit, sich auf den Oktoberfest-Rummel vorzubereiten. So gibt es jetzt noch einige wenige Wiesntische: Die Reservierungen, die bislang nicht bezahlt wurden, wandern zurück in den Topf – und damit auf den freien Markt. Auch für die Tribünen beim Einzug der Wiesnwirte am 18. September gibt es noch Restkarten. Tickets gibt es über den Festring unter: 54 81 81 81.

Und wer es gar nimmer erwarten kann: Im Löwenbräukeller wird bereits am 17. September, einen Tag vor Anstich, vorgeglüht (www.daswiesnzelt.de): mit Wiesn-Kapelle, Hendl und natürlich einer zünftigen Maß.

Ein friedliches Fest mit gutem Wetter

Auch das schönste Fest leidet, wenn der Wettergott nicht mitspielt. Da kann es nicht schaden, ein gutes Wort bei ihm einzulegen. Gestern machte sich Wiesn-Urgestein Willy Heide auch deshalb wieder auf zur Wallfahrt nach Maria Eich. Eine Tradition: Schon seit 1986 stiftet der ehemalige Wiesn-Wirtesprecher alljährlich vor Beginn des Fests eine große Kerze in der Wallfahrtskapelle nahe des S-Bahnhofs Planegg. Damit bittet er natürlich vor allem um eine „friedliche Wiesn“, aber auch um gutes Wetter.

Begleitet wurde Willy Heide bei seiner Wallfahrt auch heuer wieder von der Oktoberfest-Chefin Gabriele Weishäupl. Anschließend gab es noch eine Brotzeit in der Gaststätte.

Hier tobt der Dirndl-Punk

Ob Totenkopf, Jackson-Konterfei oder einfach nur Blümchen: die Trachten-Nacht von Angermaier sorgte im vergangenen Jahr für Aufsehen in der Stadt. An diesem Samstag ist es wieder in der Schrannenhalle soweit: Mit der getanzten Modenschau des Trachtenladens wird offiziell das Vorglühen bis zur Wiesn eingeläutet.

Während bei der Show schon „Miss Transparent“ Davorka für unzüchtige Einblicke sorgte, wird es heuer etwas zahmer: Die knallbunten Dirndl wirken auch mit normalen Wiesn-Dekolleté. Los geht es um 20 Uhr, der Eintritt ist für alle Besucher frei.

Während die Frauen eher auf die neuesten Trachtentrends schauen, gibt es für alle Männer ein besonderes Schmankerl: Es ist der erste öffentliche Auftritt des Wiesn-Playmates – und ein Fassl Wiesnbier wird obendrein noch angestochen. Zwischendurch sorgen die Schuhplattler „Pusca Bavaria“ und die Bachhausener Blasmusik für Stimmung, ehe sich in der Nacht die Schranne in eine fesche Partyzone wandelt.

Zwei Leben zwischen Bier und Bibel

Auf die große Liebe folgte der Absturz. Eigentlich behalten Wiesnwirte sowas lieber für sich. Nicht so Margot und Günter Steinberg: Die Hofbräu-Wirte erzählen in ihrem Buch „Maßvoll“ von den Tiefen ihrer Ehe – und geben ehrliche Einblicke. „Wir wollen allen Menschen, die Eheprobleme haben, die auf der Suche sind oder noch am Zweifeln, mit unserem Buch Mut machen“, sagte Günter Steinberg gestern im Hofbräukeller. Ihm und seiner Frau habe der Glaube Halt gegeben. „Das ist ein wichtiger Teil in unserem Leben. Wir beten jeden Morgen zusammen“, sagt Gattin Margot. Das ungewöhnliche Wiesnbuch zwischen Bier und Bibel von Autor Peter A. Machac ist bei SCM Hänssler erschienen und kostet 15,95 Euro.

Wirtsfamilien beim Vorglühen

Der Himmel weiß-blau, die Sonne strahlt – perfekt, wenn’s so auch auf der Wiesn wäre. Gestern probierten die Wirtsfamilien Roiderer und Heide als Erste das Oktoberfestbier von Hacker-Pschorr (links). Der Test-Trunk fand Gefallen: Goldene Farbe, fein-herbe Note, süffig. Ein wenig Geduld müssen die Münchner noch haben, bevor sie sich selbst von dem Bier überzeugen können. „Ein bisserl liegt’s noch im Keller und muss noch ruhen“, sagt Brauerei-Geschäftsführer Andreas Steinfatt. Mindestens acht Wochen wird es kühl gelagert, bevor es auf die Wiesn kommt. akk, l