Will, Illner und Co.: Gepflegte Langeweile am Sonntag

Medienfreaks hatten einen „irren Polittalk-Dreikampf“ angekündigt für den Sonntagabend. Das, was dann nach der Wahlberichterstattung über den Bildschirm flimmerte, war weder irr noch ein Kampf, sondern vor allem: gepflegte Langeweile.
von  Abendzeitung
Maybrit Illner, Sabine Christiansen, Anne Will
Maybrit Illner, Sabine Christiansen, Anne Will © dpa

Medienfreaks hatten einen „irren Polittalk-Dreikampf“ angekündigt für den Sonntagabend. Das, was dann nach der Wahlberichterstattung über den Bildschirm flimmerte, war weder irr noch ein Kampf, sondern vor allem: gepflegte Langeweile.

Bei Anne Will im Ersten beharkten sich drei Herren im dunklen Anzug. Sigmar Gabriel (rot-weiß gestreifte Krawatte, betont rauflustig), Guido Westerwelle (gelb-blau gestreifte Krawatte, bemüht staatstragend) und Günther Oettinger (schwäbelnd, starre Miene) tauschten die üblichen Wahlkampf-Mätzchen aus. Die Grünen, strategisch als Partner derzeit ja nicht ganz unwichtig, waren gar nicht erst geladen worden, und Wahlgewinner Oskar Lafontaine wurde lediglich kurz aus dem Saarland zugeschaltet. Für die Debatte war das nicht gerade förderlich.

Also umschalten zum ZDF. Die Runde, die Maybrit Illner dort versammelt hatte, war etwas weniger hochkarätig. Gekommen waren von den Grünen Jürgen Trittin, vom Altenteil Hans-Dietrich Genscher (FDP) und Friedrich Nowottny (TV) sowie aus der zweiten Garde der Parteien Katja Kipping (Linke) und Thomas Oppermann (SPD). Da Illner aber diesmal auf ihre Marotte verzichtete, alle paar Minuten ein ach so lustiges Einspielfilmchen zu zeigen, entwickelte sich eine recht muntere, ja sogar ernsthafte Diskussion. Als sich die Runde aber erdreistete, eine Debatte über den Lissabon-Vertrag und die deutsche Europapolitik vom Zaun zu brechen, zog die Moderatorin in der ihr eigenen nassforsch-altklugen Art die Notbremse und würgte das Thema ab: „Sie nehmen es mir nicht krumm, wenn wir die Europa-Diskussion nicht zu sehr prolongieren!“

Also nochmal umschalten, diesmal zu Sat1, wo eigentlich Sabine Christiansen und Stefan Aust plaudern sollten. Doch oh weh: Wir landen mitten in einem quälend langen Werbeblock. Nach „Abnehmen mit der Super-Trennkost“ und der „Partnervermittlung für Akademiker und Singles mit Niveau“ kommt schließlich eine adrett geföhnte, marianisch lächelnde Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen ins Bild, die von Christiansen „Ih-Mähls“ der Zuschauer vorgelesen bekommt. Als Sparringspartner sitzt ein „Jörg Maiwald“ mit am Tisch, der als „engagierter Verfechter für die Rechte der Kinder“ vorgestellt wird. Wo ist der Ausknopf?

PS: Die Quoten waren entsprechend mau: Gerade mal 2,6 Millionen schauten „Anne Will“, 1,84 Millionen interessierte das„Maybrit Illner spezial“ – und bei der Sat1-Wahlarena blieben nur 590 000 Zuschauer hängen.

Markus Jox