TSV 1860: Noch keine Zeit für neue Helden

„Das ist Druck, den man verspürt“, kommentierte 1860-Kapitän Benjamin Lauth das streckenweise fehlerhafte Auftreten zum Saisonauftakt gegen Regensburg.
von  dpa

„Das ist Druck, den man verspürt“, kommentierte 1860-Kapitän Benjamin Lauth das streckenweise fehlerhafte Auftreten zum Saisonauftakt gegen Regensburg.

München – Sechzig-Sportchef Florian Hinterberger sah nach dem Elfmeterpfiff in der Schlussphase schon wieder den typischen „Löwen“-Habitus über sich hereinbrechen. „Verdammte Kacke, jetzt kommt auch noch der Ausgleich“, habe er gedacht, dann aber all sein Vertrauen in Keeper Gabor Kiraly gesteckt. Und tatsächlich brach kurz darauf beim TSV 1860 München ein selten dagewesener Jubelsturm los.

Lesen Sie hier die Einzelkritik zum Spiel gegen Regensburg

Mit dem gehaltenen Strafstoß vier Minuten vor Schluss sicherte der ungarische Schlussmann den Sechzigern zum Saisonauftakt in der 2. Fußball-Bundesliga gegen Aufsteiger Jahn Regensburg ein 1:0 (1:0), drei Punkte und sich die Sprechchöre der vielen Fans, die erleichtert Kiralys Namen skandierten. 45 300 Zuschauer waren gekommen – „die Kulisse war supergeil, die Stimmung überragend“, meinte Hinterberger.

Trotz aller Glanztaten am Samstag in einem sonst schmucklosen Bayern-Derby blickte Kiraly später ziemlich nachdenklich drein. Als „Held“ sehe er sich trotz seiner Paraden nicht, murmelte er. Statt im Siegestaumel den ersten Starterfolg seit drei Spielzeiten zu genießen, war der 36 Jahre alte Routinier gedanklich beim kürzlich gestorbenen Bernd Meier, der jahrelang das „Löwen“-Tor hütete.

Gabor Kiraly nach dem Spiel im VIdeo-Interview

„Nach so einer tragischen Nachricht war es für mich eine wichtige Aufgabe, zu null zu spielen.“ Kiraly erfüllte sie mit Bravour. Er entschärfte nicht nur Abdenour Amachaibous Elfmeter. Der Routinier parierte auch dessen Nachschuss rücklings mit der rechten Wade. Mit den Glanztaten erwies er Meier auf seine ganz eigene Weise die Ehre.

Als Kiraly und seine Mitspieler noch gar nicht auf dem Rasen standen, erinnerten sich die Zuschauer in der Münchner Arena in einer Schweigeminute an Meier. „Sein Tod hat überall in der "Löwen"-Familie tiefe Bestürzung ausgelöst“, sagte Stadionsprecher Stefan Schneider.

Lauth: Ich wusste, dass Gabor den Elfer hält

Die Heimspielkulisse war so prachtvoll wie seit gut dreieinhalb Jahren nicht mehr – ein wenig wegen Meier und sicher auch wegen der hohen Erwartungshaltung im Umfeld. Denn wenn alles glatt läuft, wollen die „Löwen“ bereits kommende Saison wieder erstklassigen Fußball spielen. Auch wenn gegen Regensburg spielerisch noch nicht alles rund lief. „Das ist Druck, den man verspürt“, kommentierte 1860-Kapitän Benjamin Lauth.

Sportchef Hinterberger hofft bei der Mission Aufstieg auf weitere Begeisterung: „Die Fans müssen uns auf dem steinigen Weg unterstützen, denn von selber geht in der zweiten Liga gar nichts.“ Erst recht nicht, wenn es gegen keine couragierten, vor dem Tor aber nachlässigen Neulinge wie Jahn Regensburg geht, sondern gegen zweitligaerprobte Mitaufstiegsaspiranten.

Kiraly rettet den Zittersieg

An der schlechten Chancenverwertung der Gäste haderte vor allem Jahn-Tormann Michael Hofmann. „Wenn Gabor drei-, viermal die Bratzen dran hat, ist das einfach schade“, bemängelte der frühere Sechziger, der einen weitgehend beschäftigungslosen Nachmittag hatte. Obwohl das neu formierte 1860-Team mit allen Verstärkungen nur wenig investierte, musste Regensburg bereits nach acht Minuten den entscheidenden Gegentreffer hinnehmen – Philipp Ziereis hatte einen Kopfball von Grzegorz Wojtkowiak ins eigene Tor abgefälscht.

„Ich kann es nicht hören, dass wir als Aufsteiger gut gespielt haben. Das werden wir öfter, aber das bringt uns nicht weiter“, klagte Hofmann. 14 Jahre streifte er sich das 1860-Trikot über. Nun trägt der Keeper den „Löwen“ zwar nicht mehr auf der Brust, aber immer noch im Herzen. Das verriet auch seine Geste, als er wie sonst nur die Sechziger mit Trauerflor auflief, um Meier zu gedenken. Seinem Nachfolger Kiraly und dessen Kollegen spricht er Mut zu: „Jeder Spieler hat mehr Qualität als viele in der zweiten Liga. Und in zwei bis drei Wochen ist 1860 noch eine Klasse besser.“