Sechzig als 16. Klub: So tickt der neue Löwen-Stürmer Pusic

Der österreichische Neuzugang der Löwen hat seine wahre Bestimmung im Sturmzentrum erst spät gefunden – und ist eine Art Handlungsreisender in Sachen Fußball. "Sechzig hat einen großen Namen", sagt Pusic über seinen neuen Klub.
von  Matthias Eicher
War bereits für 16 (!) Vereine in seiner Karriere aktiv: Löwen-Neuzugang Martin Pusic.
War bereits für 16 (!) Vereine in seiner Karriere aktiv: Löwen-Neuzugang Martin Pusic. © sampics/Augenklick

München - Ob Sechzigs neuer Torjäger Martin Pusic das Wort "Vereinstreue" kennt? Der 32-jährige Neulöwe zählt, blickt man rein auf seine Karriere-Stationen, zur Gattung des Wandervogels.

Der TSV 1860 ist sage und schreibe Pusics 16. Verein. "Das ganze Paket 1860 hat mich überzeugt. Ich habe schon viel gesehen, deshalb kann mich nichts mehr überraschen", sagt der Österreicher lachend bei seiner Vorstellung (per Internet), drei Tage vor dem Auswärtsspiel am Samstag beim FSV Zwickau.

Pusic: Ich bin kein Wandervogel

Momente, die der Angreifer zur Genüge kennt: Vertragsunterschriften. Umzüge. Fotos im neuen Trikot. "Die Sache ist die: Durch die ganzen Transfers meint jeder, ich wäre so ein Wandervogel, der dauernd wechseln will", erklärt Pusic, um klarzustellen: "Aber das bin ich nicht. Es wünscht sich doch keiner, jedes Jahr den Wohnsitz oder das Land zu ändern." Jetzt wohnt er (vorerst) im "Limmerhof" in Taufkirchen.

Sechzigs neue Nummer 19 ist quasi von Kindesbeinen an international geprägt. "Ich bin in Wien geboren und aufgewachsen", erzählt er, "aber meine Eltern sind beide aus Kroatien. Ich fühle mich als Österreicher und Kroate." Wien sei "ziemlich international, dort gibt es alles", sagt Pusic über den Schmelztiegel der Alpen-Metropole.

Von den "Tigers" bis zu den Löwen

Seine ersten Fußball-Schritte hat er in der Jugend von Vienna und Austria Wien getätigt, bevor 2011 das Mutterland des Fußballs rief: Es ging - aufgepasst, Löwen - zu den "Tigers" nach Hull. "Eine komische Geschichte", erinnert er sich: "Ich war verletzt und vereinslos. Da war so ein Testspiel für vereinslose Spieler in England, da hat mich Hull City gesehen, die waren gerade aus der Premier League abgestiegen." Trainer Nigel Pearson habe Pusic geholt - und war nach zwei Spieltagen weg: "Neuer Trainer, neue Gesetze", sagt er schulterzuckend.

Die Hauptursache für die meisten Transfers war aber etwas anderes: seine Position. "Ich kam damals nach Norwegen, da begann das ganze Theater: Ich war auf der linken Außenbahn, aber wollte immer Stürmer spielen. Der erste Wechsel 2012 von Valerenga zu Fredrikstad war wegen der Position. Danach sind wir abgestiegen und es kam das Angebot von Brann Bergen. Da habe ich meine Position gefunden als Stürmer."

Sein erklärtes Ziel sei schon damals Deutschland gewesen, wie er lachend verrät: "Dann kam ein Angebot aus Dänemark - das war ja schon mal näher dran an Deutschland." Beim FC Midtjylland hatte Pusic seine erfolgreichste Zeit, wurde Torschützenkönig und Meister. Es folgte der Abschwung: "Die wollten mich für großes Geld nach China verkaufen." Pusic dagegen wollte in Europas Top-Ligen Fuß fassen. Vergeblich: Es folgte 2017 eine Leihe zu Sparta Rotterdam und drei weitere dänische Stationen beim FC Kopenhagen, Arhus GF und dem AC Horsens.

Darum blieb Pusic nur vier Tage bei einem Klub

Kurios: Nach vier Tagen (!) bei Horsen löste er den Vertrag wieder auf, da der Klub auf 40-Meter-Einwürfe und Standards gesetzt habe. Nach der Österreich-Rückkehr zum SV Mattersburg und dessen Konkurs hat es nun geklappt mit seinem Traum. Pusic: "Ich habe mich nicht für Dritte Liga entschieden, ich habe mich für 1860 entschieden. Das ist ein großer Verein in Europa, Sechzig hat einen großen Namen." 2018 habe der TSV schon mal bei ihm angeklopft. Damals war 1860 als Regionalligist wohl eine Nummer zu klein. Und jetzt? Er könne 1860 "auch im höheren Fußballer-Alter helfen", denn: "Man sieht ja auch bei Zlatan Ibrahimovic, dass er mit 39 Jahren noch die Serie A zerstört." Die Torjäger Sascha Mölders und Stefan Lex sehe er nicht als Konkurrenz: "Warum sollen wir nicht alle drei spielen können?"

Während bei Sechzig viele drum herum reden, zeigt sich der neue Knipser erfrischend ehrlich: "Vor Corona stand 1860 gut da, leider ist der Aufstieg nicht gelungen. Vielleicht wird es ja jetzt was: Ich bin zwar Meister geworden, aber aufgestiegen bin ich noch nie. Das ist doch ein gutes Zeichen."