Neulöwe Erik Tallig setzt sich ambitionierte Tormarke

Erik Tallig ist bisher der einzige Neuzugang der Löwen. Im Trainingslager erklärt er, warum er zum TSV 1860 gewechselt ist und welche Tormarke er sich zum Ziel gesetzt hat: "Schon zweistellig".
von  Matthias Eicher
Will viele Tore für die Löwen schießen: Erik Tallig.
Will viele Tore für die Löwen schießen: Erik Tallig. © Rauchensteiner/Augenklick

München/Windischgarsten - Mit dem einstigen DDR-Nationalspieler und Kult-Trainer Eduard "Ede" Geyer hat er einen, gerade durch seine Zeit im Osten bei Energie Cottbus, berühmten Spitznamensvetter.

Wie Weltstar Michael Ballack will er vom Chemnitzer FC aus den Sprung auf die große Bühne schaffen. Erik "Ede" Tallig ist der einzige Neuzugang beim TSV 1860. Und er ist ein Mann mit hohen Zielen.

Etwas schüchtern, fast unscheinbar saß der Neuzugang des TSV 1860 auf der Dachterrasse des "Dilly Resorts", wo der Drittligist sein sechstägiges Trainingscamp abhält.

Tallig soll die erhoffte Löwenverstärkung werden

"An einen so schönen Ort ins Trainingslager zu fahren, ist etwas Besonderes. In Chemnitz gab es so etwas nicht. Da sind wir im Sommer immer nach Polen und im Winter in die Türkei", sagte Tallig bei seiner ersten Presserunde. Er war offensichtlich beeindruckt von der tollen Bergkulisse des "Großen Priel" im Hintergrund, dessen Silhouette sich am Himmel hinter dem Hotel abzeichnete. Lediglich mit seinen Eltern sei er mal in Südtirol gewesen. Beim Wandern.

Schwitzen im Trainingslager: Erik Tallig.
Schwitzen im Trainingslager: Erik Tallig. © sampics/Augenklick

Doch die Ehrfurcht ist schnell abgelegt. 20 Jahre jung ist er erst. Und doch schon eine verheißungsvolle Verstärkung. "Ich fühle mich sehr wohl, die Mannschaft hat mich sehr gut aufgenommen. Sascha Mölders, Quirin Moll und Dennis Erdmann kümmern sich gut um mich. Alles gut", bilanziert der zentrale Mittelfeldspieler, der eigenen Aussagen zufolge "auf der Sechs, auf der Acht und auf der Zehn" spielen könne: "Ich hab’ aber auch schon Stürmer gespielt."

Erik Tallig: Zweistellige Tore als Zielmarke

Will heißen: Tallig spielt dort, wo Köllner ihn hinstellt. Und es soll auch ein Fingerzeig sein: Der Youngster sucht sein Glück in der Offensive. Etwas vollmundig kommt folgende Aussage des sechsfachen Torschützen im Trikot des CFC daher, welche Tor-Marke er sich vorgenommen habe: "Schon zweistellig. Jetzt habe ich sechs Tore geschossen, aber kam zu Saisonbeginn nur immer als Joker."

Könnte 1860 gut gebrauchen, einen torgefährlichen Mann – und Tallig würde Spielmacher Efkan Bekiroglu (exakt zehn Saisontreffer) dann auch in dieser Hinsicht gleichwertig ersetzen. Bekiroglus Aufstieg und/oder ein Aufstiegstraum mit Sechzig könnten ebenfalls als Vorbild dienen, wie Tallig erklärt: "Ich denke, wir wollen gut mitspielen. Wenn es gut läuft, dann auch aufsteigen."

Sechzig sei auf jeden Fall "ein ambitionierter Verein", mit dem es hochgehen soll ins Fußball-Unterhaus – oder vielleicht auch andernorts: "Ich habe schon den Traum oder Wunsch, irgendwann Bundesligaspieler zu sein. Mal schauen, wie schnell das geht. Ich möchte hier meinen nächsten Schritt gehen und dann – mal schauen!" Bei Sechzig hat er gleich mal einen ersten Mini-Titel geholt – und das Lattenschießen für sich entschieden.

Erik Tallig: "Es gab einige andere Angebote"

Bleibt zu klären, weshalb Tallig, der den Chemnitzer Abstieg in die Regionalliga nicht verhindern konnte, nicht schon jetzt in die Zweite Liga wechselte. "Es gab schon einige andere Angebote", so Tallig über mehrere Interessenten, darunter wohl Zweitligist Erzgebirge Aue.

Warum also 1860? "Der Traditionsverein, die Fans, das Stadion, die Weltstadt München", schwärmt Tallig, der "drei, vier Wochen vor dem Trainingsstart" mit Köllner, Gorenzel und seinem Berater ein Frühstücks-Date gehabt habe: "Ich habe mir gedacht: Ich bin ein junger Spieler und brauche Spielzeit. Hier kann ich auf jeden Fall den nächsten Schritt gehen."

Erik Tallig lobt 1860-Coach Michael Köllner

Nicht zuletzt, weil der Talententwickler Köllner eigenen Aussagen zufolge zu hundert Prozent von Tallig überzeugt gewesen sei, verließ dieser seine Chemnitzer Wohlfühloase. Der Gelobte über den Absender des Kompliments: "Der Trainer hat eine große Rolle gespielt, weil er junge Spieler weiterentwickeln möchte."

Zurück zu Talligs Herkunft: Ein Löwe kann es nicht lassen, darüber seine Späße zu machen. "Sascha nimmt mich auch öfter hoch wegen meines sächsischen Dialekts", sagte Tallig lachend. Es wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen, ob die Karriere von "Ossi-Ede" in Richtung der Herren Geyer oder Ballack heranreicht.

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