Der Löwen-Effe: Warum Bekiroglu für den TSV 1860 immer wichtiger wird

Efkan Bekiroglu glänzt mit seinem Traumfreistoß und Doppelpack beim 3:0 gegen Zwickau. Die AZ erklärt, was den Spielmacher des TSV 1860 plötzlich so stark macht – und seinen Spitznamen.
von  Matthias Eicher
Der wahre Effe: Bayerns Ex-Kapitän Stefan Effenberg.
Der wahre Effe: Bayerns Ex-Kapitän Stefan Effenberg. © dpa

MünchenStefan Effenberg? Die meisten Löwen-Fans dürften nur zähneknirschend an den langjährigen Star-Spielmacher und ehemaligen Kapitän des FC Bayern denken: Der "Tiger" ist bei den Löwen eher verhasst denn beliebt, wenngleich er erst vor wenigen Jahren 1860-Trainer werden wollte. Dieser Tage zeigt sich angesichts der jüngsten Leistung des jungen Efkan Bekiroglu eine Gemeinsamkeit: Sechzig hat jetzt auch einen "Ef(f)e".

Der wahre Effe: Bayerns Ex-Kapitän Stefan Effenberg.
Der wahre Effe: Bayerns Ex-Kapitän Stefan Effenberg. © dpa

Bekiroglu, der 24 Jahre alte Spielmacher, führte den TSV 1860 am Mittwoch fast im Alleingang zum 3:0 gegen den FSV Zwickau. Erst traf der Mittelfeld-Mann aus gut 20 Metern per Traum-Freistoß (33.), später besorgte er die Vorentscheidung (61.) Effektiv wie nie, dieser "Effe" – oder auch "Efe", wie die Sechzger den Spitznamen Bekiroglus in trauter Uneinigkeit niederzuschreiben pflegen. "Ich bin mein zweites Jahr hier. Dass ich so gefeiert werde, das gab es echt noch nie", freute sich Sechzigs Matchwinner nach seiner Show. Doppeltorschütze, Spielentscheider – der "Löwen-Ef(f)e" war zweifellos der Mann des Abends.

Efkan Bekiroglu wird von den Fans gefeiert

Mit zwei Geniestreichen sorgte er dafür, dass Sechzig (drei Spiele, vier Punkte und Platz sieben) ein Fehlstart erspart blieb. "Freistöße übe ich, das war die optimale Situation. Das haben wir in der Früh noch geübt. Dann habe ich ihn reingehauen", erklärte der athletisch gebaute Spielgestalter lapidar. Sein zweiter Treffer sei "nicht so schwer" gewesen, da Kollege Sascha Mölders "perfekt abgelegt" habe und "dann mache ich ihn eiskalt rein – endlich einmal!" Zum Lohn gab es "Bekiroglu"-Sprechchöre und eine Zaunparty in der Westkurve. Gänsehaut-Feeling, Herr Bekiroglu? "Voll. Voll! Ich bin ja ein Münchner Junge und hier so gefeiert zu werden, ist super", schwärmte der Protagonist des Abends.

Dabei profitierte der zentrale Mittelfeldspieler auch davon, dass ihn Trainer Daniel Bierofka ein Stückchen weiter in die Offensive beorderte. "Wir haben eine Systemumstellung gemacht, dann habe ich weiter vorne auf der Zehn gespielt", erklärt Bekiroglu: "Vielleicht war ich auch vor dem Freistoß deswegen weiter vorne." Diesen hatte der Ex-Augsburger durch sein Dribbling, das Zwickau nur mit unfairen Mitteln stoppen konnte, quasi selbst vorbereitet.

Daniel Bierofka: Löwen waren "defensiv ausbaufähig"

Übrigens: Nach dem 1:0 rannte er zu Timo Gebhart, den er nicht als Konkurrent, sondern als Kumpel betrachtet. "Wir verstehen uns sehr gut", so Bekiroglu über Gebhart: "Er meinte, ich soll zu ihm kommen, wenn ich ein Tor schieße. Das hab ich gemacht."

Während Fans und Kollegen nicht mit Lob für den doppelten Vollstrecker geizten, tat dies allerdings der Trainer. "Offensiv war es gut, sehr gut – defensiv ausbaufähig", knurrte Bierofka. Denn: Bekiroglus Abwehrarbeit ließ etwas zu wünschen übrig, was den Übungsleiter wohl auch künftig vor die Herausforderung stellt, das richtige Maß zwischen Freiheiten für die Kreativität des Technikers und den notwendigen Defensiv-Pflichten zu finden.

Bierofka weiter über die Torausbeute von Bekiroglu, die auch als Ansage für einige Offensiv-Kollegen gelten kann: "Im Profifußball musst du dir Ziele setzen. Als Offensivspieler musst du fünf Tore schießen – Minimum. Als Neuner oder Elfer zehn bis fünfzehn." Verstanden, Herr Mölders?

Das Schlusswort gehört aber Bekiroglu, dem "Ef(f)e" der Löwen. Der sagte auf die Frage nach seiner Lieblingsposition: "Ich würde nicht Nein sagen, wenn ich öfter als Zehner spielen dürfte." Wie einst der echte "Effe" eben.

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