Der Flaschengeist von Belek: AZ-Bilanz zum 1860-Trainingslager

Trainer Köllner zeigt sich nach der Rückkehr der Löwen aus dem Trainingscamp gut gelaunt: "Wir haben alles erreicht". Test-Triumph, Teambuilding, System, Verletzte - die AZ zeigt die Lager-Lehren des TSV 1860.
von  Matthias Eicher
Ziehen alle an einem Strang: Trainer Michel Köllner (hinten) und Erik Tallig.
Ziehen alle an einem Strang: Trainer Michel Köllner (hinten) und Erik Tallig. © sampics/Augenklick

München - Verflixt nochmal, dieses vermaledeite Fließband am Flughafen. "Solche Momente braucht echt keiner. Verschwendete Lebenszeit", grantelte Michael Köllner nach der Rückkehr aus Belek im kurzen Gepäckerwartungs-Gespräch mit der AZ. 

"Der Geist von Belek ist eingepackt"

Als die Löwen ihre Taschen und über 20 sperrige Kisten endlich eingesammelt hatten, stand fest: Außer dem Fließband lief bei den Blauen alles rund. "Der Geist von Belek ist eingepackt. Wir füllen die Geister immer in Flaschen ab, zum Glück hatte ich ein paar davon dabei", scherzte der Trainer des TSV 1860 über die Beschwörung der vielzitierten, spirituellen Unterstützung jeder Fußballmannschaft im Traingscamp.

Selbstbewusst in die Rückrunde: Löwen-Trainer Michael Köllner.
Selbstbewusst in die Rückrunde: Löwen-Trainer Michael Köllner. © sampics/Augenklick

Köllner und der Flaschengeist von Belek. Die AZ zeigt Sechzigs Lager-Lehren:

Test-Triumph als Zuckerl für 1860

Das 3:1 nach 0:1-Rückstand gegen Zweitligist Hansa Rostock ließ Köllner nach anfänglicher Kritik von seinen Sechzgern schwärmen: "Was nutzt eine gute Trainingslagerwoche, wenn wir hier verlieren? Das 0:1 hat trotz des harten Trainings unsere Lebensgeister geweckt." Der Härtetest für Sechzigs physisch ähnlich starken Auftakt-Gegner Wehen Wiesbaden (15. Januar) ist gelungen.

Systemverfeinerung bei den Löwen läuft

Mehr Wert auf die Defensive, Kontertaktik, schnelle Löwen-Bisse: Die neue Marschroute der Blauen gegen Dortmund II (2:0) und Würzburg (3:0) stand auch an der türkischen Riviera zur Genüge auf dem Programm. Köllner: "Für uns war wichtig, dass wir das neue System verinnerlicht haben."

Sechzigs Teamgeist beschworen

Kapitän Stefan Lex als sympathische, integrative, Führungsfigur, Abwehrchef Stephan Salger als Stellvertreter, die Sechzger endlich als Team und kein Stinkstiefel-Alarm: Es herrschte konzentrierte Wohlfühl-Atmosphäre.

"Ich bin ein Befürworter flacher Hierarchien", sagte Leit-Löwe Lex: "Ich werde Einfluss darauf nehmen, dass sich jeder Spieler am Mannschaftserfolg beteiligen darf, Verantwortung übernimmt und am Platz Präsenz zeigt." Das ist es, was den Belek-Spirit ausmacht: In den Gesichtern waren neben Schweißperlen (und Fokus) viel Freude und Spaß zu sehen.

Leeres Verletzten-Lager bei 1860

Merveille Biankadi hat seine muskulären Probleme zwar nicht überwunden, aber: Doc Monika Mrosek, in Personal-Union Corona-Beauftragte, musste weder einen (neuen) Verletzten, nur einen Corona-Fall beklagen. Rekordverdächtig wenig.

Köllners General-Fazit: "Alles was wir machen wollten, haben wir erreicht: Wir wollten als Gruppe noch mehr zusammenwachsen, ein neues System einspielen und die Mannschaft nochmal mehr in Schwung zu bringen." Fehlt nur noch, dass Köllner seinen eingefangenen Geist zur Entfaltung bringt.