Bierofka: „Wir waren zu brav“

Daniel Bierofka glaubt noch an den Aufstieg – wegen der Neuen. Sascha Rösler erinnert ihn sogar an Kahn.
von  Abendzeitung
Löwen-Kapitän Daniel Bierofka im Gespräch mit AZ-Reporter Thorsten Klein.
Löwen-Kapitän Daniel Bierofka im Gespräch mit AZ-Reporter Thorsten Klein. © az

Daniel Bierofka glaubt noch an den Aufstieg – wegen der Neuen. Sascha Rösler erinnert ihn sogar an Kahn.

Herr Bierofka, Sie waren bis Dezember zwei Monate wegen einer Bandscheiben-Operation außer Gefecht. Wie fit sind Sie?

DANIEL BIEROFKA: Ich habe die Winterpause genutzt, um Defizite aufzuholen. Ich habe keine Schmerzen mehr, es gibt keine Überbleibsel von der OP und ich bin kurz davor, wieder 90 Minuten marschieren zu können.

Wie lautet also Ihr Ziel für die Rückrunde?

Wichtig ist der Start. Erst müssen wir das Pokalspiel beim HSV so genießen wie das Pokalspiel gegen Bayern. Wir sind Außenseiter – und das ist immer gut. Wenn wir anders als in der Hinrunde starten (drei Niederlagen zum Auftakt, d.Red.) , dann ist vieles möglich. Acht Punkte (Rückstand auf Platz 3, d. Red.) sind nicht viel. Wenn wir starten wie in der Hinrunde, müssen wir uns aber nach unten orientieren.

Der Präsident hat für 2010 den Aufstieg als Ziel ausgegeben. Wie stehen Sie dazu?

Ich wäre dabei! Aber das ist ein schwerer Weg, zumal 2010 noch sehr weit weg ist. Jeder Spieler muss sich an der Ehre gekratzt fühlen, dass wir bloß im Mittelmaß stehen.

Wie bewerten Sie die jüngsten Transfers?

Sehr positiv. Marvin Pourie, der gefällt mir. Der zeigt im Training keinen Respekt, der hat schon seine Duftnote hinterlassen. Solche Typen brauchen wir. Genauso wie den Sascha Rösler. Der polarisiert, der ist auf dem Platz ein Drecksack. Ein Spieler, den wir so noch nicht hatten. Wir waren zu brav. Sascha kann Zeichen setzen, die Mannschaft wach rütteln. Er polarisiert wie einst Oliver Kahn, er ist auch so ein Verrückter auf dem Platz. Und Stefan Aigner ist ein Flügelspieler, den wir länger nicht gehabt haben.

Aber mit Timo Gebhart hat der Verein einen wertvollen Spieler verloren.

Das hat sich doch abgezeichnet. Das war klar. Aber wir sind damit unberechenbarer geworden. Vorher hatte sich jeder Gegner auf Timo konzentriert, jetzt haben wir mit Sascha Rösler und Stefan Aigner an Qualität dazu gewonnen.

Es sieht danach aus, dass bald die nächsten Talente gehen, die Bender-Zwillinge.

Der Lars kam direkt zu mir und hat mir gesagt, dass an den Wechselgerüchten nichts dran sei. Beide Benders sind bodenständig und vom Typ absolut in Ordnung. Jeder weiß, dass sie begehrt sind. Und man muss auch die Jungs selbst verstehen. Ist doch klar, dass sie in die Bundesliga wollen.

Aber die finanzielle Situation wird wohl immer wieder Spielerverkäufe nötig machen.

Wir als Mannschaft wissen, dass der Aufstieg enorm wichtig ist. Aber wir sind ja nicht die Einzigen, die hoch wollen. Wir müssen unsere Tugenden Kampf und Leidenschaft abrufen, dann verzeihen uns die Fans auch mal Fehler. Die haben dafür ein feines Gespür. Ich würde Platz 3 in der Rückrunde auch nicht ausschließen, es sind bloß acht Punkte.

Stichwort Fans: Die wollen raus aus der Allianz Arena. Die Spieler auch?

Die Arena ist europaweit eines der schönsten Stadien. Wenn du dort jedes zweite Wochenende spielen darfst, hat das schon einen großen Reiz für einen Spieler. Davon abgesehen: Wo sollen wir denn hin? Das Grünwalder ist ja nicht zweitligatauglich. Ich kann nur sagen: Wir spielen gerne in der Arena.

Der eigene Traum vom Aufstieg mit 1860 – lebt er noch?

Abgehakt ist der Traum erst, wenn ich nicht mehr spiele. Bis dahin ist mein Ziel, meinen Vater einzuholen. Der ist mir einen Aufstieg voraus. Es gibt zwar keine Wette, aber das hält er mir immer noch vor.

Interview: Thorsten Klein

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