Kurswechsel im Kasten?

Wieso sich Torwart-Idol Petar Radenkovic für die Rückkehr von Routinier Michael Hofmann als Nummer eins im Tor der Löwen stark macht.
von  Abendzeitung
Am Boden in der Allianz Arena: Löwen-Profi Philipp Tschauner
Am Boden in der Allianz Arena: Löwen-Profi Philipp Tschauner © M.i.S./Bernd Feil

MÜNCHEN - Wieso sich Torwart-Idol Petar Radenkovic für die Rückkehr von Routinier Michael Hofmann als Nummer eins im Tor der Löwen stark macht.

Am Freitagabend stand 1860-Reservist Michael Hofmann mal wieder im Tor des Zweitliga-Letzten – allerdings lediglich beim Test in Schrobenhausen gegen den Bezirksoberligisten BC Aichach. Cheftrainer Marco Kurz will, dass der 35-Jährige etwas Spielpraxis bekommt – und zugleich will Kurz den Einsatz als kleines Dankeschön verstanden wissen. Schließlich hält der ehrgeizige Hofmann nach seiner – laut Trainer altersbedingten – Degradierung in der Sommerpause still.

Überraschend still. Denn die aktuelle Nummer zwei im Tor des TSV 1860 hätte es leicht, für sich Werbung zu machen. Ein Blick in die Statistik würde genügen. Philipp Tschauner, der 13 Jahre jüngeren Stammkeeper der Löwen hat nämlich eine traurige Bilanz. In 24 Zweitliga-Einsätzen für den TSV 1860 gab es mit dem 22-jährigen Talent im Kasten nur vier Siege, das letzte am 17. April beim 2:1 gegen Wehen Wiesbaden. Eine erschreckende Quote (1,71 Gegentore und 0,79 Punkte pro Spiel) für einen, der stets als „großes Torwart-Talent“ (Stefan Reuter) gepriesen wird.

Grund genug für einen Kurswechsel im Kasten? „Man kann Statistiken so oder so lesen – für mich sind sie aber nicht ausschlaggebend", wehrt Trainer Marco Kurz ab. Ex-Torwart Petar Radenkovic, 1966 der Rückhalt der MeisterLöwen, würde sich auch nie nur auf pure Zahlen stützen. Dennoch glaubt er, dass der Wechsel im Tor mit Schuld am Absturz der Löwen auf den letzten Platz ist. „Was für die Bayern Oliver Kahn war, ist für 1860 Michael Hofmann“, sagt Radenkovic der AZ – und meint damit nicht, dass Hofmann das sportliche Niveau des zurückgetretenen Ex-Welttorhüters habe. Aber: „Hofmann hat eine absolut positive Ausstrahlung, ist ein Sieggarant. Wenn man gewinnen will, sind solche Charaktertypen wie Hofmann sehr wichtig für eine Mannschaft. Nicht nur, weil sie die Bälle halten. Der Torwart ist das Abziehbild einer Mannschaft."

Deswegen ist für Radenkovic die Zeit reif für einen neuerlichen Torwart-Tausch. „Natürlich ist Tschauner ein Talent", sagt die 73-jährige Torwart-Legende, „aber jetzt ist nicht die Zeit zum Experimentieren. Hofmann ist der bessere Torwart, deshalb muss er auch spielen." Cheftrainer Kurz jedoch ist von Tschauner, seinem Keeper, weiter überzeugt: „Es gibt keinen Grund, Philipp das Vertrauen aufzukündigen. Er spielt eine ordentliche Saison. Kein Tor, das wir in dieser Saison bisher gekriegt haben, ist ihm anzulasten."

Hofmann wittert dennoch seine Chance. „Natürlich hoffe ich weiter auf meine Einsatzchance“, sagte der 35-jährige Rekord-Löwe (seit 13 Jahren im Verein), „ich kann bei 1860 immer noch ohne Weiteres spielen.“ Und er macht schon mal Eigenwerbung für sich: „Wer ist beim letzten Auswärtssieg im Tor gestanden? Ich! Das war im Februar das 2:1 in Kaiserslautern.“ Hofmann wurde damals auf dem Betzenberg als Held gefeiert. Kurz vor Schluss hielt er einen Elfmeter. Und auch die Quote spricht klar für den Torwart-Routinier. In 70 Zweitligaspielen kassierte Hofmann nur 1,36 Gegentore pro Spiel, 1860 machte mit Hofmann im Tor 1,4 Punkte. Also fast doppelt so viele Zähler wie mit Rivale Philipp Tschauner.

Sollte Hofmann trotz neuer Torwart-Diskussion weiter Bankdrücker bleiben, will er sich mit offensiven Aussagen zurückhalten: "Ich bin jetzt 13 Jahre hier. Wenn es meine letzte Saison sein sollte, dann soll es positiv zu Ende gehen."

Oliver Griss, Reinhard Franke