Das hält Gerhard Meir von den EM-Frisuren 2016

Schrill, schriller, EM: Beim Turnier in Frankreich buhlen die Stars auch optisch um Aufmerksamkeit. Ein Mittel dabei: Frisuren. Für die AZ übt Münchens Starfriseur Gerhard Meir Stilkritik.
von  Florian Auburger
Leroy Sané (Deutschland): „Sein Wuschelkopf schaut lustig aus. Hätte sein Mannschaftskollege Jérôme Boetang längere Haare, würde er wohl genau so aussehen. Auch die Kopfform ist nicht unnatürlich. Sané legt schon wert auf sein Äußeres, das sieht man. Seine Frisur: optimal. Den würde ich wirklich mal gern kennenlernen. Er ist in der deutschen Mannschaft der Einzige, der eine etwas auffälligere Frisur trägt.“
Leroy Sané (Deutschland): „Sein Wuschelkopf schaut lustig aus. Hätte sein Mannschaftskollege Jérôme Boetang längere Haare, würde er wohl genau so aussehen. Auch die Kopfform ist nicht unnatürlich. Sané legt schon wert auf sein Äußeres, das sieht man. Seine Frisur: optimal. Den würde ich wirklich mal gern kennenlernen. Er ist in der deutschen Mannschaft der Einzige, der eine etwas auffälligere Frisur trägt.“ © dpa

München - Ob der Irokese von David Beckham, Wuschelkopf von Rudi Völler oder Bastian Schweinsteigers Undercut - was Fußballer auf dem Kopf tragen, wird Trend. In seinem Salon im Ludwigpalais bewertet Starfriseur Gerhard Meir (60) für die AZ die Frisuren dieser EM.

AZ: Herr Meir, brauchen Fußballprofis denn auffällige Frisuren?

Gerhard Meir: Wenn ich an die Fußballer aus den 70er und 80er Jahren denke, war da keine Frisur auffällig. Vielleicht die von Berti Vogts, Gerd Müller oder Paul Breitner. Ansonsten waren alle sehr brav. Erst vor zehn Jahren hat das mit den ausgefallenen Frisuren angefangen, als das Geschäft mit dem Fußball so aufkam.

Den Trend gibt es also auch bei dieser EM?

Wenn ich mir alle Mannschaften anschaue, ja. Das deutsche Team ist da eine Ausnahme. Außer Leroy Sané hat da keiner auffällige Haare. Mario Götze zum Beispiel schaut nett aus. Er verkörpert den netten Jungen von nebenan. Oder Mario Gomez. Ihn durfte ich einmal kennenlernen. Das Markante steht ihm richtig gut. Unsere Jungs sind sehr professionell, ihnen ist der Titel wichtiger als die Haartracht.

Welche Mannschaften haben denn besonders ausgefallene Haarschnitte?

Die Franzosen oder die Engländer hatten schon immer ein paar wilde Frisuren. Die gehören einfach dazu. Nach großen Turnieren gehen die Spieler in die Ewigkeit ein – auch mit ihren Frisuren. Viele Fans wollen den gleichen Haarschnitt haben. Die Spieler suchen ja auch die Aufmerksamkeit. Aber dass Menschen einer Frisur gnadenlos nachrennen, das gibt es nicht mehr. Früher war das vielleicht so. Günter Netzer ist ein Beispiel. Der war ein Vorreiter mit seinen langen Haaren, der Netzer-Matte.

Welche Frisur bei dieser EM geht denn so gar nicht?

Paul Pogba. Der trägt ja den gallischen Hahn an der Kopfseite. Da muss ich schon sagen, das ist grotesk. (lacht) Dazu kommen bei vielen Profis noch auffällige Tattoos. Ich frage mich, was diese Jungs in 20 Jahren machen. Die meisten Profis sehen sich als Gesamtkunstwerk. Die wollen ein Signal setzen. Mein Geschmack ist es nicht.

Welchen Haarschnitt empfehlen sie Fußballern?

Mit so einer Haartracht, wie sie jetzt Manuel Neuer hat, kann man am besten Fußball spielen. Da hängt nichts rum. Aber Torhüter haben sowieso eher klassische Frisuren, die weniger ausgefallen sind.

Sehen Sie die EM-Spiele durch die Brille eines Friseurs oder durch die eines Fans?

Wenn ich einen Neuling sehe, dann schaue ich schon genauer hin. Aber sonst nicht. Da bin ich weniger Friseur. Ich kann gut abschalten. Und auch mal zum Public Viewing gehen.

Welche Mannschaft ist Ihr Frisuren-Europameister?

Ich bin schon lange Anhänger der deutschen Nationalmannschaft. Daher finde ich auch, dass unsere Jungs die besten Frisuren haben. Da haben sie meinen Titel bereits gewonnen.