Traumziel Mailand: Bayerns Basketballer wollen Spiel fünf erzwingen

Bayerns Basketballer wenden das Playoff-Aus ab und wollen nun das fünfte Spiel in Italien erzwingen. Hoeneß lobt "Charakter" des Teams.
von  Julian Buhl
"Er hat das Spiel im Alleingang gewonnen", sagt Hoeneß über Bayerns Topscorer Lucic (l.).
"Er hat das Spiel im Alleingang gewonnen", sagt Hoeneß über Bayerns Topscorer Lucic (l.). © imago images/Jan Huebner

München - Auf den ansonsten leeren Zuschauerrängen beglückwünschten sich die Bayern-Bosse gegenseitig - Faust an Faust und damit freilich vollkommen coronaregelkonform. Klub-Präsident Herbert Hainer und sein Vorgänger Uli Hoeneß strahlten um die Wette.

Begeisterung in der Geschäftsführung

FCBB-Geschäftsführer Marko Pesic musste sich am Spielfeldrand erst mal ein wenig sammeln, nach dem Coup, der den Basketballern des FC Bayern mit dem 85:79-Erfolg am Mittwochabend gegen Olimpia Mailand gelungen war.

"Ich freue mich für die Mannschaft und die Trainer, dass sie über diese Brücke gegangen sind, ein Spiel gegen Mailand zu gewinnen. Wir hatten bisher alle Spiele gegen Mailand verloren, von daher war das sehr wichtig", sagte Pesic schließlich, nachdem der drohende 0:3-Sweep in der Best-of-five-Viertelfinalserie abgewendet und im insgesamt fünften Anlauf in dieser Saison endlich der erste Erfolg gegen das Topteam aus Italien gelungen war:

"Das war heute eindrucksvoll. Dieses erste Playoff-Sieg in der Euroleague ist schon ein großer Erfolg und er steht ganz, ganz weit vorne in unserer Klubhistorie."

Das erste deutsche Team in der Meisterrunde

Als erstes deutsches Team überhaupt hat Bayern es in die Meisterrunde der europäischen Königsklasse geschafft. Und darf nun sogar wieder von mehr träumen. Verdient haben sich die Münchner zunächst ein viertes Spiel, das am Freitagabend (20.45 Uhr) erneut im heimischen Audi Dome ausgetragen wird.

Gelingt ihnen dabei ein weiterer Sieg, würden sie ein entscheidendes fünftes Spiel am kommenden Dienstag in Mailand erzwingen.

Die Bayern fanden den Weg zurück in die Serie

Davon träumte Hoeneß insgeheim bereits beim Halbzeitstand von 39:35 für die Bayern. "Es geht ja um alles oder nix heute", sagte er da der AZ, "wenn wir das heute schaffen, dann haben wir gute Chancen." Die könnten eigentlich sogar noch deutlich besser sein und das Erreichen des Final-Four-Turniers, das dieses Jahr in Köln ausgetragen wird, vom Fern- zum realistischen Nahziel werden können.

"Das spricht für den Charakter der Mannschaft", sagt Hoeneß über den Bayern-Sieg gegen Mailand.
"Das spricht für den Charakter der Mannschaft", sagt Hoeneß über den Bayern-Sieg gegen Mailand. © imago images/Passion2Press

"Wenn wir im ersten Spiel in Mailand nicht noch in der letzten Sekunde verloren hätten, würde ich ihnen das dieses Jahr schon sagen. Das war natürlich ein Knackpunkt", sagte Hoeneß. Dass Bayern nun trotzdem einen Weg zurück in die Serie gefunden habe, "das spricht für den Charakter der Mannschaft", befand der Vereinspatron.

Hoeneß beeindruckt von Lucic

Angeführt wurde das Team dabei von seinem Co-Kapitän Vladimir Lucic, der 20 seiner insgesamt 27 Punkten in der entscheidenden zweiten Halbzeit erzielte. Lucic hatte auch Hoeneß "am meisten beeindruckt. Er hat das Spiel im Alleingang gewonnen." Auch Paul Zipser sagte über seinen überragenden Teamkollegen: "Vladimir Lucic hatte heute sehr wenig Lust, dass wir das verlieren."

Der Topscorer selbst erklärte seine besondere Motivation so: "Wir hätten den Sweep nicht verdient gehabt. Jetzt haben wir die Möglichkeit, die Serie am Freitag nach Mailand zurückzubringen." Den Unterschied habe "unsere Energie" gemacht: "Wir haben nicht aufgegeben und wenn wir so spielen, sind wir schwer zu schlagen."

Regenerieren, Frische finden und auf die Schlacht vorbereiten

Zu Beginn der zweiten Hälfte ließ Bayerns Defensive erst nach fast fünf Minuten wieder die ersten Punkte der Gäste zu. "Heute haben wir als Team gespielt und sind jetzt drin in der Serie", sagte FCBB-Coach Andrea Trinchieri:

"Nun müssen wir das vergessen, regenerieren und Frische finden, um am Freitag für die nächste Schlacht bereit zu sein." Der Italiener verglich die Viertelfinalserie mit einer Schach-Partie. Trinchieri und seine Bayern haben ihre Figuren dabei nun in Angriffsposition gebracht.