FC Bayern Basketball: Alex King - Wir müssen uns jetzt zusammenrappeln

Im AZ-Interview spricht Routinier Alex King vom FC Bayern Basketball über Probleme, Ziele und Hoffnungen der Bayern beim BBL-Finalturnier in München: "Es liegt alles an uns."
von  Julian Buhl
Nach der zweiten Vorrunden-Niederlage bedient: Die Bayern-Basketballer.
Nach der zweiten Vorrunden-Niederlage bedient: Die Bayern-Basketballer. © Rauchensteiner/Augenklick

München - AZ-Interview mit Alex King: Der 35-Jährige ist in München aufgewachsen und spielt seit 2016 wieder für seinen Jugendverein, den FC Bayern Basketball.

AZ: Herr King, nach der Niederlage gegen Oldenburg treffen Sie mit den Bayern-Basketballern als Gruppendritter am Mittwochabend (17.Juni, 20.30 Uhr/Magenta Sport) im Viertelfinalhinspiel auf Ludwigsburg. Warum konnte Ihr Team die Erwartungen bislang nicht erfüllen?
ALEX KING: Dritter zu sein, ist schon eine Enttäuschung. Zumal die meisten unsere Gruppe noch als die schwächere gesehen haben. Positiv stimmt uns, dass wir nach einer Niederlage immer eine gute Reaktion zeigen. Es ist wichtig, dass wir jetzt nicht die Köpfe in den Sand stecken und aufgeben. Und das wird bei uns auch nicht passieren, dafür haben wir zu viel Stolz. Wir werden uns jetzt als Team zusammenrappeln und gut auf das Viertelfinale gegen Ludwigsburg vorbereiten.

Sie haben nun den wohl schwersten Weg zur Titelverteidigung vor sich, oder?
Ja, wir haben jetzt einen schweren Weg gewählt. Aber einen leichten Weg zum Titel hatten wir auch in der Vergangenheit nie. Ludwigsburg ist in guter Form und spielt guten Basketball. Wenn wir ihre Energie nicht matchen werden, wird es uns wieder so ergehen wie gegen Oldenburg und Ulm. Wir haben aber in der Vergangenheit auch schon gezeigt, dass wir es können.

King über BBL-Finalturnier: "Ganz andere Situation"

Zum Duell mit Alba Berlin kommt es noch nicht. Das Traumfinale ist noch möglich.
Viele haben im Vorfeld gesagt, dass das das wahrscheinliche Finale ist, weil es das in den letzten beiden Jahren auch war. Es ist aber jetzt eine ganz andere Situation: ein Turnier, keine normalen Playoffs. Und ohne den Playoff-Heimvorteil, den wir uns eigentlich verdient hatten. Wir müssen jetzt auf uns selbst schauen, auf unsere Probleme, aber auch unsere Stärken. Es liegt alles an uns, mit welcher Einstellung wir in die Spiele gehen. Wir müssen mit 100 Prozent Herz reingehen. Dann werden wir auch gegen Ludwigsburg gewinnen.

Was ist zuletzt gegen Oldenburg (81:89) falsch gelaufen?
Eigentlich war es ein Spiel auf Augenhöhe, das wir lange kontrollierten. Wir haben Oldenburg aber zu viele Punkte erlaubt und zu viele Offensivrebounds zugelassen. Das gibt dem Gegner sehr viel Energie und Selbstvertrauen.

Nach der zweiten Vorrunden-Niederlage bedient: Die Bayern-Basketballer.
Nach der zweiten Vorrunden-Niederlage bedient: Die Bayern-Basketballer. © Rauchensteiner/Augenklick

Sie waren mit Bayern schon 56:47 vorne, mussten dann einen 0:14-Lauf hinnehmen.
Da haben wir einfach zu viele Einzelaktionen gehabt und nicht mehr an unserem Gameplan festgehalten. Wir haben das Spiel mit vielen dummen Ballverlusten und Entscheidungen einfach selbst aus der Hand gegeben.

King: "Fans fehlen uns"

Man hatte zwischendurch den Eindruck, dass das Team sich aufgegeben hatte.
Wir waren eher ein bisschen sprachlos, was da gerade passiert. Das war eine ähnliche Situation wie gegen Ulm: eine Schockstarre, in der wir nicht wussten, was wir machen sollen. Da ist es dann eigentlich unsere Aufgabe, uns gegenseitig zu pushen. Das darf uns nicht mehr passieren. Aber wir sind eine Mannschaft, die niemals aufgibt und schon viele Situationen noch gedreht hat.

Fehlen gerade in solchen Situationen die Zuschauer?
Auf jeden Fall. Ohne Fans zu spielen, die Spielroutine, all das ist natürlich anders. Aber das kann keine Ausrede dafür sein, Offensivrebounds abzugeben, nicht auszuboxen, sich unnötige Turnovers zu leisten oder nicht fokussiert in ein Spiel reinzugehen.

War es da auch auf der Bayern-Bank zuletzt zu ruhig?
Sicher. Wenn du die Fans hinter dir hast, kannst du auf der Bank auch mal ein paar Minuten still sein. In dieser Situation ist es jetzt ein bisschen wie früher bei Jugendspielen, wo alle auf der Bank mitgeklatscht haben. Da sitzen wir jetzt alle in einem Boot und müssen uns gegenseitig anfeuern und pushen. Es ist wichtig, dass die Jungs auf dem Feld auch die Energie von der Bank spüren.

King: Djedovic und Monroe fehlen uns

Wie sehr fehlen Nihad Djedovic und Greg Monroe bei dem Turnier, gerade jetzt mit Blick auf die Playoffs?
Man sieht jetzt, wie groß ihr Wert ist. Sie waren zwei wichtige Puzzleteile unserer Mannschaft, die wir natürlich gerne dabei hätten. Mit Greg fehlt uns unser Topscorer und größter Fokus unterm Korb. Viele Spielzüge sind über ihn gelaufen. Und über Djedo, seine Qualitäten und seinen Stellenwert für die Mannschaft müssen wir gar nicht sprechen. Natürlich fehlen uns da zwei sehr wichtige Spieler. Man muss aber mit der Situation umgehen. Und wir versuchen trotzdem, so gut wie möglich ohne sie zu spielen.

Die Koffer fürs Quarantäne-Hotel haben Sie ja eigentlich bis zum Finaltag am 28. Juni gepackt, oder?
Das war unser Plan und ist nach wie vor unser Ziel. Wir haben noch genügend Klamotten dafür im Schrank. Und unsere Koffer wollen wir auch erst nach dem 28. wieder packen.

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