Uli Hoeneß auf Freigang: Bemerkenswert offensiv

AZ-Chefredakteur Michael Schilling über den Freigänger Uli Hoeneß, sein vorgezeichnetes Comeback beim FC Bayern und seinen Weg, seine Taten zu bewältigen: "Das verdient Respekt"
von  Michael Schilling
"Hoeneß verdient Respekt und Resozialisierung": AZ-Chefredakteur Michael Schilling über den Freigänger Uli Hoeneß.
"Hoeneß verdient Respekt und Resozialisierung": AZ-Chefredakteur Michael Schilling über den Freigänger Uli Hoeneß. © dpa/Daniel von Loeper

Eigentlich dürfte die Abendzeitung über Uli Hoeneß und seine Hafterleichterung gar nicht berichten – und auch kein anderes Medium. Ein verurteilter Straftäter hat das Recht auf Resozialisierungsschutz. Das heißt, dass ab dem Zeitpunkt seiner Verurteilung nichts mehr geschrieben werden darf darüber, was er angestellt hat. Schließlich hat er seine Strafe bekommen und soll nach ihrer Verbüßung wieder einen Weg zurück finden in die Gesellschaft und ins Arbeitsleben. Letzteres dürfte Uli Hoeneß gelingen: Sein Comeback beim FC Bayern ist vorgezeichnet, wenn auch zunächst im Kleinen.

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Es gibt Straftäter – Mörder, Vergewaltiger, Bombenleger –, die schicken Anwälte los, um eine Berichterstattung zu verhindern oder zu bestrafen, gar um Schmerzensgeld einzufordern. Hoeneß macht das nicht. Es ist vielmehr bemerkenswert, wie er sich auch und gerade in der Öffentlichkeit zu seinen Vergehen bekannt hat, auch nach seiner Verurteilung. Er nimmt seinen eigenen Weg, um seine Taten zu bewältigen, nicht zu beschönigen. Um fertig zu werden mit einer Angelegenheit, die zwar inzwischen zu den Akten gelegt ist, mit der er aber vermutlich nie wirklich fertig sein kann. Hoeneß, einst beim FC Bayern die Abteilung Attacke, geht mit seinem eigenen Makel genauso offensiv um, wie es zu ihm passt. Das verdient Respekt. Und Hoeneß verdient Resozialisierung. Wie jeder andere auch.