"Junge, wir müssen heute noch ran": Bayern-Joker verhindern nächstes DFB-Debakel

Die deutsche Nationalmannschaft kann gegen Ungarn die zweite Turnier-Blamage in Serie verhindern - vor allem, weil die Bayern-Joker stechen. "Wenn du von außen drauf schaust und merkst, es wird eng, nimmst du dir viel vor", sagt Matchwinner Goretzka.
von  Bernhard Lackner
Die Bayern-Stars Leon Goretzka und Thomas Müller wurden gegen Ungarn eingewechselt.
Die Bayern-Stars Leon Goretzka und Thomas Müller wurden gegen Ungarn eingewechselt. © Federico Gambarini/dpa

München - Das war richtig eng! Dank eines späten Ausgleichstreffers von Leon Goretzka schrammt die deutsche Nationalmannschaft im letzten EM-Gruppenspiel gegen Ungarn (2:2) gerade noch am zweiten Vorrunden-Aus in Folge vorbei. Gegen die extrem kompakt stehenden Gäste tat sich die DFB-Elf über die komplette Spielzeit schwer und erarbeitete sich nur wenige nennenswerte Torchancen.

Dass die Amtszeit von Joachim Löw, der den Bundestrainerjob nach der EM aufgeben wird, mindestens bis zum Achtelfinale in England am kommenden Dienstag (18 Uhr/MagentaTV, ARD und im AZ-Liveticker) andauern wird, lag auch und vor allem an seinen Bayern-Jokern.

Als die sich abzeichnende Blamage im Laufe der zweiten Halbzeit immer bedrohlichere Formen annahm, brachte Löw nacheinander Thomas Müller (58. Minute), Leon Goretzka (67.) und Jamal Musiala (82.). Das rekordmeisterliche Trio brach die Starre im deutschen System auf, die fast zum nächsten historischen Vorrunden-Aus nach dem WM-Desaster 2018 geführt hätte.

Bayern-Trio bringt Schwung und Offensivdrang

In der 84. Minute wuselte sich schließlich der agile Musiala, der das Spiel der DFB-Elf nach seiner Einwechslung merklich belebte, von der linken Seite in den Strafraum und legte in den Rückraum zum freistehenden Goretzka, der Fußball-Deutschland mit einem satten Rechtsschuss ins Herz der Ungarn erlöste.

"Wenn man sich das Spiel von außen anschaut, dann will man natürlich helfen. Ich habe auf der Bank zu Thomas (Müller, d. Red.) schon gesagt: 'Junge, wir müssen heute noch ran und irgendwas bewegen'", sagte Goretzka, der ebenso wie Müller überraschend zunächst auf der Bank saß. Letzterer hatte in den Tagen vor dem Spiel mit einer Kapselverletzung zu kämpfen - ein Ausfall schien so gut wie sicher.

Bei Goretzka, der gegen Portugal nach überstandenem Muskelfaserriss zu seinem ersten EM-Einsatz gekommen war, hatten hingegen viele mit einem Startelf-Einsatz gerechnet. Löw vertraute stattdessen auch gegen die Ungarn auf Ilkay Gündogan und Toni Kroos im Zentrum. Das Mittelfeld-Duo tat sich gegen die tiefstehenden Ungarn allerdings lange schwer im Spielaufbau und offenbarte auch Probleme in der Rückwärtsbewegung.

DFB-Team: Rückt Leon Goretzka gegen England in die Startelf?

Mit seiner Entscheidung, Goretzka zu bringen, bewies der Bundestrainer schlussendlich dann doch noch ein goldenes Händchen. "Er war klasse. Der hat viel Tempo reingebracht und die tiefen Wege gemacht", lobte Löw. Für das Achtelfinale am Dienstag darf sich der 26-Jährige wohl deutlich größere Chancen auf einen Startelf-Einsatz ausrechnen.

Auch bei Musiala hatte Löw ein gutes Näschen, obwohl er sich zu der Einwechslung erst acht Minuten vor Spielschluss entschloss. Der Bayern-Jungstar musste zuvor die Gruppenspiele gegen Frankreich (0:1) und Portugal (4:2) aus der Tribünenperspektive betrachten. "Er hatte einige gute Situationen, wenn es eng ist, das ist genau seine Stärke: Er war frech, hat Bälle gesichert. Es war eine sehr ansprechende Leistung für einen Spieler in seinem Alter", sagte Löw: "Musiala war in einigen Aktionen wirklich gut. Da hat man seine Klasse gesehen."

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