Hansi Flick und Julian Nagelsmann: Duell der Fußball-Superhirne

Der FC Bayern muss bei RB Leipzig ran. Es ist das Kräftemessen Erster gegen Zweiter, Abo-Meister gegen Herausforderer - aber auch der Showdown der Trainer-Stars Hansi Flick und Julian Nagelsmann.
von  Patrick Strasser
Bayern-Trainer Hansi Flick (re.) und Leipzigs Coach Julian Nagelsmann.
Bayern-Trainer Hansi Flick (re.) und Leipzigs Coach Julian Nagelsmann. © Matthias Balk/dpa

München - Lediglich fünf Jahre ist es her, da posierte Hansi Flick neben Julian Nagelsmann auf der DFB-Trainergala 2016 in Frankfurt. Nagelsmann, seit Mitte Februar jenen Jahres neuer Trainer des Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim und Nachfolger des zurückgetretenen Huub Stevens, erhielt bei diesem Festakt seine Urkunde zum Abschluss des Fußball-Lehrer-Lehrgangs 2015/16 - und das aus den Händen des designierten DFB-Präsidenten Reinhard Grindel. Kinder, wie die Zeit vergeht.

Nagelsmann war jüngster Bundesliga-Chefcoach aller Zeiten 

Sieht man auch an Nagelsmann, damals von einigen Medien "Babyface" getauft. Mit der Ehrung, auf der Flick als DFB-Sportdirektor (2014 bis 2017) auftrat, endete die Doppelbelastung des damals 28-Jährigen. Noch während seiner Ausbildung wurde er zum jüngsten Bundesliga-Chefcoach aller Zeiten und rettete die Kraichgauer vor dem Abstieg. Am Samstag (18.30 Uhr auf Sky und im AZ-Liveticker) fordert der Bayer, ein gebürtiger Landsberger, mit RB Leipzig den FC Bayern mit Coach Flick, den gebürtigen Baden-Württemberger, heraus.

Herausforderer gegen Abo-Meister

Es ist das Duell um den Titel, Zweiter gegen Erster, Herausforderer gegen Abo-Meister. An den Seitenlinien stehen sich die zwei begehrtesten Trainer des Landes gegenüber. "Der Kribbelfaktor ist hoch", verriet der 33-jährige Nagelsmann, der am Karfreitag schon um 9.30 Uhr auf dem Rasen war, um das Abschlusstraining vorzubereiten. Beginn: 14.30 Uhr. Vor dem Titel-Showdown am 27. Spieltag sagte Nagelsmann angesichts von vier Punkten Rückstand: "Wenn wir nicht gewinnen oder unentschieden spielen, ist die Saison zwar nicht vorbei, aber der Meisterkampf."

Flick bedient sich aus Mia-san-mia-Schublade

So will er seine Spieler heißmachen. Flick (56) dagegen bediente sich einer Message aus der Mia-san-mia-Schublade: "Wir haben jetzt den Endspurt. Jeder Spieler weiß, dass das jetzt die Wochen sind, wo sich vieles entscheidet. Wir müssen noch einen Tick enger zusammenstehen und in jedem Spiel alles reinlegen. Es ist eine Qualität von unseren Spielern, dass sie auf den Punkt da sind und wissen, worum es geht." Vor allem gegen die neue zweite Kraft im deutschen Fußball. Die letzten vier Vergleiche endeten alle Remis, in der Hinrunde gab es ein sehenswertes 3:3 mit wechselnden Führungen, das den Bayern alles abverlangte.

Nagelsmann und Flick kennen sich gut

Auch, weil sich die Trainer so gut kennen. Als Flick vom 1. Juli 2017 an acht Monate lang als Geschäftsführer in Hoffenheim arbeitete, war Nagelsmann dort in seiner zweiten Saison Cheftrainer. Oft trafen sich die beiden in Flicks Heimatort Bammental bei Heidelberg in einem Café. Im Sommer 2019 wechselte Nagelsmann zu Leipzig. Zur selben Zeit heuerte Flick als Co-Trainer unter Niko Kovac an der Säbener Straße an. Hätte Leipzig letzten August nicht das Champions-League-Halbfinale gegen Paris St.-Germain verloren, hätten sich beide um die Krone im europäischen Fußball duelliert.

Schließlich wurde Flick Sextuple-Champion. Nagelsmann dagegen, mit Hoffenheim A-Jugend-Meister 2014, wartet auf seinen ersten Titel bei den Profis.

Duell um die Zukunft: Flick zum DFB, Nagelsmann zu Bayern?

Flick gegen Nagelsmann es ist nicht nur das wohl vorentscheidende Spiel ihrer Teams um die Meisterschaft, sondern auch: das Duell um ihre Zukunft. Flick, der die deutsche Nationalelf als Assistent von Joachim Löw 2014 in Brasilien zum WM-Titel führte, gilt weiterhin als heißer Kandidat für Löws Nachfolge in diesem Sommer - trotz Vertrages bis 2023. Beerbt Flick Löw auf eigenen, dringenden Wunsch (den die Bayern dann kaum ausschlagen könnten) beim DFB, käme Nagelsmann auf dem Radar der Münchner ins zentrale Visier.

Sportvorstand Hasan Salihamidzic, der mit Flick einige Sträuße ausgefochten hat, soll schon mal vorgefühlt haben in Sachsen. Nagelsmann hat wie Flick keine Ausstiegsklausel und vermied zuletzt ein klares Bekenntnis zu RB. Angesprochen auf eine vorzeitige Vertragsverlängerung sagte er: "Ich habe einen Vertrag bis 2023, das sind die Parameter, die gelten. Alles andere brauchen wir nicht zu besprechen." RB-Boss Oliver Mintzlaff sagte zu einer möglichen Ablöseforderung für Nagelsmann: "Julian hat kein Preisschild." Aber Ziele und Träume.