Franck Ribéry will beim FC Bayern München mehr Einsatzzeit von Trainer Ancelotti

Bayerns Superstar ist "mit der vergangenen Saison persönlich nicht komplett glücklich" – und fordert mehr Einsatzzeit. "Wenn ich weiß, dass ich nach 45 oder 60 Minuten raus muss, bin ich eher gehemmt."
von  az
Franck Ribéry (links) im Testspiel der Asien-Reise gegen den FC Arsenal.
Franck Ribéry (links) im Testspiel der Asien-Reise gegen den FC Arsenal. © firo/Augenklick

Bayerns Superstar ist "mit der vergangenen Saison persönlich nicht komplett glücklich" – und fordert mehr Einsatzzeit. "Wenn ich weiß, dass ich nach 45 oder 60 Minuten raus muss, bin ich eher gehemmt".

Shanghai - Franck Ribéry genießt die Vorbereitung – auch mit 34 und trotz der schwülen Bedingungen in Shanghai mit 35 Grad und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit. "Ich mache das jetzt schon 14 Jahre", sagte der Franzose am Mittwoch. "Für mich ist das immer wichtig, um eine gute Saison zu spielen." Ribéry denkt da ganz pragmatisch. Eine gute Grundlage ermöglicht es ihm, Top-Leistungen zu zeigen.

Umso bitterer war es für den Außenstürmer, dass er kürzlich wegen einer Adduktorenverletzung kürzertreten musste. "Aber das ist nicht so schlimm", sagte er. Jetzt greift Ribéry wieder an, im Trainingslager ist er voll da. Wie sehr Ribéry dem Saisonstart entgegenfiebert, offenbarte er kürzlich auch Carlo Ancelotti. In einem Vier-Augen-Gespräch habe er seinem Trainer mitgeteilt, dass er trotz seines fortschrittlichen Fußballeralters keine Sonderbehandlung brauche.

Und erst recht keine vorzeitigen Auswechslungen. Davon hatte es in der Vorsaison einige gegeben. "Vielleicht hat er ein bisschen Angst, dass ich mich verletze", erklärte Ribéry. "Ich habe ihm (Carlo, Anm. d. Red.) gesagt: Du musst keine Angst haben, lass mich spielen!" In der Sport Bild formulierte Ribéry seine Forderungen ebenfalls deutlich. Er sei "mit der vergangenen Saison persönlich nicht komplett glücklich", so Ribéry: "Eine Auswechslung ist immer schwer zu akzeptieren, kein Spieler mag das."

Großer Konkurrenzkampf

Bei ihm sei es eben so, sagte der Franzose weiter: "Wenn ich weiß, dass ich nach 45 oder 60 Minuten raus muss, bin ich eher gehemmt." Ancelotti hatte Ribéry zuletzt mit einem Ferrari verglichen, den man nur an besonderen Tagen ausfahre, aber so sieht sich der Superstar noch längst nicht. "Wenn ich fit bin, möchte ich immer über 90 Minuten auf dem Platz stehen." Und dann gebe er "immer hundert Prozent".

Die Bayern wissen das, zehn Jahre streift Ribéry nun schon das rote Leiberl über, wurde zum Publikumsliebling. "Das ist Wahnsinn", sagte der Jubilar kürzlich. "Inzwischen ist aus Ribéry und Bayern ein Ehepaar geworden." Und aus Ribéry und Ancelotti? Neuzugang James, laut Ribéry ein "guter Junge", könnte auch auf der linken Offensivseite spielen, in Ribérys Wirkungsgebiet. Genauso im Zentrum oder rechts.

Harter Konkurrenzkampf bei den Bayern. "James spricht nicht so viel", verriet Ribéry. Die Mannschaft habe den Kolumbianer trotzdem schon gut aufgenommen. Und da gibt es natürlich einen Pluspunkt für James: "Er kann ein bisschen Französisch", so Ribéry. Keine verbale Kampfansage also an den Neuzugang – und auch beim Thema Ancelotti äußerte sich Ribéry milde, fast schon liebevoll. Der Coach habe "fast die gleiche Mentalität wie Jupp Heynckes", sagte Ribéry auf AZ-Nachfrage.

Ribéry "ein Straßenfußballer"

"Beide haben fast das gleiche Alter. Sie sind zwei gute Trainer mit einem guten Herz. Beide sind sehr positiv mit ihren Spielern, richtig locker." Heynckes hatte Ribéry zuletzt im AZ-Interview geadelt und als "Glücksfall" für den FC Bayern bezeichnet. "Franck macht das, was er tut, mit Leidenschaft. Er ist ein Straßenfußballer, ein Spaßfußballer. Das lieben die Fans." Zwei Jahre "auf Topniveau", so der Triple-Trainer von 2013, könne Ribéry noch spielen.

Dann wäre er 36. Ein väterliches Alter, doch Vatergefühle – zumindest Großer-Bruder-Gefühle – hat Ribéry ja ohnehin schön länger: für David Alaba. Der Österreicher, der mit 17 bei den Bayern debütierte, habe sich verändert, sagte Ribéry: "sein Charakter, seine Persönlichkeit, auch sein Name." Alaba sei nun nicht mehr der von damals. "Da war er noch ein Baby, jetzt ist er 25, ein Mann, hat schon viel gewonnen mit Bayern", so Ribéry. "Auf seiner Seite ist er einer der besten Spieler der Welt. Er spielt jedes Jahr fast jedes Spiel." Genau das sollen die Leute in Zukunft auch wieder von Ribéry sagen.

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