Duell mit dem FC Bayern: FC Barcelona – von der Wundertüte zum beinahe hoffnungslosen Krisenfall

Aus dem fußballerischen Leckerbissen gegen den FC Barcelona ist für den FC Bayern eine fast schon lästige Pflichtübung geworden.
von  Thomas Becker
In die Knie gegangen: Ronald Araujo, der Uruguayer in Diensten des FC Barcelona, symbolisiert die aktuelle Lage beim fünfmaligen Champions-League-Sieger.
In die Knie gegangen: Ronald Araujo, der Uruguayer in Diensten des FC Barcelona, symbolisiert die aktuelle Lage beim fünfmaligen Champions-League-Sieger. © imago images/AFLOSPORT

München – Bayern gegen Barça: Lange ist es noch nicht her, da hätten Fußball-Fans aus aller Welt alles stehen und liegen gelassen für diese Partie, ohne zu zögern das Sparschwein geköpft und ein Ticket oder den Bezahlsender geordert.

Tempi passati: Wenn am Mittwochabend (21 Uhr, DAZN und im AZ-Liveticker) der längst für die nächste Runde qualifizierte FC Bayern vor pandemieleeren Rängen gegen den Tabellensiebten der spanischen Liga empfängt, wird so mancher daheim überlegen, ob "Aktenzeichen XY. . .ungelöst" oder "TV total" nicht doch spannender respektive lustiger ist.

Barcelona kämpft gegen das Vorrunden-Aus

Es war einmal: Wenn Väter ihren Kindern von diesem einst so märchenhaften FC Barcelona vorschwärmen, müssen sie heutzutage zwingend genau diese drei Worte vorweg schicken. Denn spätestens seit dem monumentalen 8:2-Sieg der Bayern im Champions-League-Viertelfinale gegen längst schon in Auflösung begriffene Katalanen im August vergangenen Jahres hat sich die fußballerische Wundertüte von einst zum beinahe hoffnungslosen Krisenfall entwickelt.

Während das arg gebeutelte Barcelona verzweifelt gegen das erste Vorrunden-Aus seit 21 Jahren kämpft, sind die stolzen Bayern längst als unangefochtener Staffelsieger für die Achtelfinal-Auslosung am kommenden Montag gesetzt.

Der FC Barcelona mit dem deutschen Nationaltorwart Marc-Andre ter Stegen steht massiv unter Druck: Gelingt im sechsten Anlauf nicht endlich der erste Sieg in München, reicht Konkurrent Benfica Lissabon am Mittwochabend ein Sieg gegen Dynamo Kiew zum Weiterkommen. Und der fünfmalige Champions-League-Sieger würde in die Europa League absteigen. "Wir müssen kämpfen wie die Tiere", sagt Trainer Xavi.

Schulden in Höhe von 1,35 Milliarden Euro 

Nach der ernüchternden 0:1-Heimniederlage am vergangenen Wochenende gegen Betis Sevilla - und nurmehr Platz sieben in der spanischen Liga noch hinter dem No-Name-Team Rayo Vallecano ist die Anfangseuphorie um den früheren Mittelfeld-Maestro und Nachfolger des Niederländers Ronald Koeman schon längst wieder verflogen. Für Barça stehen in der Allianz Arena mehr als 20 Millionen Euro auf dem Spiel - viel Geld, erst recht angesichts von schwer fassbaren 1,35 Milliarden Euro Schulden. "Unser Ziel ist es, zu gewinnen", sagte Xavi, "wir haben keine andere Wahl."

Der letzte Barça-Sieg gegen den deutschen Rekordmeister liegt jedoch schon ziemlich lange zurück: Am 6. Mai 2015 siegten Messi & Co. im Halbfinal-Hinspiel der Königsklasse mit 3:0. Bei den Münchnern standen heute längst Vergessene wie Benatia, Bernat und Alonso sowie Lahm und Schweinsteiger auf dem Platz, für die Spanier trafen Messi (2) und Neymar.

Zeigt Coutinho seine Klasse gegen Bayern?

Die beiden Super-Stars spielen heute immer noch zusammen, allerdings in einem ganz anderen Kosmos: dem von Paris St.- Germain. Und so schmerzhaft der Abschied von seinem Herzensklub für den argentinischen Dauer-Weltfußballer sicherlich gewesen sein dürfte: Er wird wohl ganz froh sein, ausreichend Kilometer zwischen sich und diesen Chaos-Klub gelegt zu haben.

Aber wer weiß: Vielleicht lässt sich der wahrlich nicht unsentimentale Fußballgott mal wieder zu einem märchenhaften Comeback hinreißen. Womöglich zeigt ausgerechnet ein Ex-Bayer, warum er mal mehr als 100 Millionen Euro teuer war: In Barcas Start-Elf wird ein Spieler namens Coutinho erwartet.