Bundesliga-Fortsetzung: Brot und Spiele - das wussten schon die Römer

Der stellvertretende Chefredakteur Thomas Müller über die mögliche Saisonfortführung.
von  Thomas Müller
Vize Chefredakteur Thomas Müller ordnet die Absichten zur Fortführung der Bundesliga ein.
Vize Chefredakteur Thomas Müller ordnet die Absichten zur Fortführung der Bundesliga ein. © Arne Dedert/dpa Pool/dpa, AZ

Vorweg: Dass DFL und Vereine sich um ihre Bundesliga sorgen und für einen Fortbetrieb des Spielbetriebs kämpfen, ist legitim. So wie alle andere Branchen Staatszuschüsse, Bei- und Soforthilfen, Rettungsschirme oder Kredite erhoffen, würde die Bundesliga das Fließen der restlichen TV-Gelder willkommen heißen.

Knackpunkte freilich gibt’s einige – vor allem die von der DFL veranschlagten 20.000 Corona-Tests. In Zeiten, in denen nicht mal fürs systemrelevante Pflege- und Helferpersonal genügend Tests zur Verfügung stehen, klingt das wie Hohn. Wie Hohn würde eine geisterhafte Fortsetzung des Spielbetriebs auch auf Millionen von Breitensportlern wirken, die derzeit und weiterhin pausieren müssen. Und ungeklärt bliebe auch, was passiert, wenn in einer Mannschaft dennoch ein Coronafall auftreten würde. Unwahrscheinlich ist das nicht.

Der Verweis auf andere Ligen taugt übrigens nicht zur Blaupause für den Profi-Fußball in Corona-Zeiten. Handball, Eishockey oder Basketball sind extrem von Zuschauereinnahmen abhängig – Geisterspiele hätten hier ökonomisch wenig Sinn ergeben.

Der Fußball ist überzüchtet, aber...

Völlig gespenstisch wird die Debatte freilich, wenn jetzt Generalangriffe auf den Profifußball geritten werden. Ja, er ist in Teilen dekadent und überzüchtet. Und ein wenig Selbstbesinnung täte ihm gut. Nach einem Saison-Abbruch aber würden vor allen eben diese Millionario-Vereine überleben. Viele andere, vor allem in Liga 2 und 3, nicht. Das sollte man wissen.

Und – es gibt viele Millionen von Fans, die genau diesen Fußball (trotz allem) so lieben. Und die ihn, in dieser historisch krisenhaften Zeit, deren Ende nicht absehbar ist, als willkommene Zerstreuung sehen würden.

Panem et circenses, haben schon die Alten Römer erkannt, ist das, was es braucht. Existenzsicherung und Ablenkung. Brot – und Spiele. Da ist was dran.

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