Bayern gegen Florenz: In Lila-Laune

Bayern hat zwölf Pflichtspiele in Serie gewonnen. Nun wartet ein Gegner von anderem Kaliber: Der AC Florenz. Die Gefühlslage ist gemischt. „Wenn wir glauben, dass wir diese Runde im Nebenwaschgang lösen, gibt es ein böses Erwachen“
von  Abendzeitung
Ein Duell vom 3:0 im Gruppenspiel der letzten Champions-League-Saison zwischen Bayern und dem AC Florenz: Franck Ribéry (l.) gegen Felipe Melo (jetzt bei Juventus Turin).
Ein Duell vom 3:0 im Gruppenspiel der letzten Champions-League-Saison zwischen Bayern und dem AC Florenz: Franck Ribéry (l.) gegen Felipe Melo (jetzt bei Juventus Turin). © dpa

Bayern hat zwölf Pflichtspiele in Serie gewonnen. Nun wartet ein Gegner von anderem Kaliber: Der AC Florenz. Die Gefühlslage ist gemischt. „Wenn wir glauben, dass wir diese Runde im Nebenwaschgang lösen, gibt es ein böses Erwachen“

MÜNCHEN Es ist so eine Sache mit dieser Siegesserie. Man möchte sie nicht missen, um Gottes Willen, sagen die Bayern-Profis. Sie solle bloß nicht reißen, am besten nie, dann hätte man am Ende der Saison alle Titel im Sack.

Aber andererseits wird eben nun vor jeder Partie Sieg für Sieg addiert und addiert. Zwölf Erfolge sind es nun schon hintereinander, inklusive Pokal und Champions League. Und alle fragen sich: Wann ist es so weit? Wann kommt der Super-Gau, etwa ein Remis? Vor allem: Sind die Seriensiege nicht eine Belastung? Eine merkwürdige Gefühlslage, die Bayern in Lila-Laune.

Der 13. Sieg soll am Mittwoch gegen den AC Florenz im Achtelfinalhinspiel der Champions League (20.45 Uhr, Sat.1 und Sky live) eingefahren werden. Vorher wird pflichtgemäß gewarnt. „Jeder Fehler kann jetzt entscheidend sein. Es ist wichtig, zu Hause kein Gegentor zu bekommen“, sagte Trainer Louis van Gaal und stellte klar: „Wir wollen nicht auf Verteidigen spielen.“ Ein 1:0 reiche ihm. Warum nauch icht? Hauptsache, man kommt weiter.

„Wenn wir glauben, dass wir diese Runde im Nebenwaschgang lösen, wird es ein böses Erwachen geben“, sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge. Van Gaal stellte mehrmals klar: „Es wird nicht der Fall sein, dass wir Florenz unterschätzen.“ Für die Bayern ist es nach dem 4:1 in Turin am Ende der Hinrunde, als es bei Juventus um den Einzug ins Achtelfinale ging, die schwierigste Prüfung der Saison. Violett ist die Farbe des AC Florenz, genannt die Lilien, wie im Wappen zu sehen. Die AZ zeigt, für welche Mannschaftsteile und für welche Spieler es gilt, sich zu beweisen.

Die Abwehr: Gerade in den letzten Partien gelang es nicht, zu Null zu spielen. Selbst der Zweitligist Greuther Fürth traf im Pokal in München doppelt. Daniel van Buyten, zuletzt geschwächt durch einen Magen-Darm-Virus, verschuldete durch einen hanebüchenen Doppelfehler das 0:1 gegen Dortmund. Martin Demichelis sucht seit Wochen seine Form. Gegen Topstürmer Alberto Gilardino muss das Innenverteidiger-Duo beweisen, dass es internationales Format hat. Geht es schief, wird sich van Gaal um neues Personal für die kommende Saison bemühen.

Ribéry/Robben: Die Champions League ist die Bühne für Spieler ihrer Klasse. Robben möchte zeigen, dass der Karriereweg Chelsea-Madrid-Bayern kein Rückschritt war. Für Ribéry geht es darum, sich im Bewusstsein der großen Klubs zurückzumelden – seit seinen diversen Verletzungen ab Oktober war er von der Bildfläche verschwunden. „Er ist sehr motiviert“, sagte van Gaal, „vielleicht wird er seine ersten 90 Minuten spielen“. Und sich damit für Real Madrid, Barcelona oder andere Top-Klubs empfehlen.

Mario Gomez: Die Hinrunde der Champions League war nicht seine Welt. Im Herbst setzte ihn van Gaal wochenlang auf die Bank, Gomez war nur Joker, wurde vier Mal eingewechselt. Erst in den letzten beiden Partien gegen Haifa (1:0) und in Turin durfte er von Beginn an ran. Seine dürftige Bilanz bisher: ein Treffer. „Ich hoffe, das ich nun zeigen kann, was ich draufhabe“, sagte der Stürmer. In der Liga steht er bei zehn Saisontoren.

Ob es eine Garantie auf ein Weiterkommen gäbe, wurde Kapitän Mark van Bommel gefragt. Sein Konter: „So einfach ist das nicht. Garantien kriegt man nur auf Waschmaschinen.“

Patrick Strasser