Lisa Wagner: "Ich mag klare Ansagen"

Für ihre Rolle in der "Tatort"-Folge "Nie wieder frei sein" hat Lisa Wagner den Grimme-Preis bekommen. In ihrem neuen Film "Gestern waren wir Fremde" wird sie mit dunklen Familiengeheimnissen konfrontiert.
von  (ala/spot)
Lisa Wagner als Sophie in "Gestern waren wir Fremde"
Lisa Wagner als Sophie in "Gestern waren wir Fremde" © ARD Degeto/Bernd Schuller

Für ihre Rolle in der "Tatort"-Folge "Nie wieder frei sein" hat Lisa Wagner den Grimme-Preis bekommen. In ihrem neuen Film "Gestern waren wir Fremde" wird sie mit dunklen Familiengeheimnissen konfrontiert. Wie sie selbst zu Lügen steht und warum sie ihr Privatleben gerne aus allem raus hält, hat sie spot on news verraten.

Hamburg - Für ihre Rolle einer Anwältin in der Münchner "Tatort"-Folge "Nie wieder frei sein" hat Schauspielerin Lisa Wagner (34) 2011 den Grimme-Preis bekommen. Zuvor war sie zehn Jahre am Theater. Mit "Shoppen" ist ihr bereits ein Kino-Erfolg geglückt. In ihrem neuen Fernsehfilm "Gestern waren wir Fremde", der am 21. August um 20.15 Uhr im Ersten läuft, muss sie mit einer erschreckenden Nachricht klar kommen, die ihr Leben verändert. Wie sie zu Geheimniskrämerei, Kuckuckskindern und ihre Privatsphäre steht, hat sie im Interview mit spot on news erzählt.

Sehen Sie Lisa Wagner in dem Kinofilm "Shoppen" aus dem Jahr 2006

In "Gestern waren wir Fremde" geht es um eine schwierige Vater Tochter-Beziehung. Ist das ein Thema, das Ihnen auch persönlich am Herzen liegt?

Ja, alle Familienthemen sind interessant. Besonders spannend sind Familiengeheimnisse, Unausgesprochenes und Tabus, um die es ja hier auch geht. Und zu ergründen, was in der Familie passiert, wenn diese Dinge dann explodieren, ist spannend

Wie würden Sie reagieren, wenn Sie erfahren würden ein Kuckuckskind zu sein?

Sehr ähnlich wie die Figur im Film das auch tut. Mit Unverständnis für die Motivation der Eltern. Die Figur fragt auch ,Warum habt ihr mir das nicht erzählt?'. Es gibt so viele Patchworkfamilien. So etwas ist doch nicht tabuisiert in unserer Gesellschaft und ich würde das daher schon von Beginn an wissen wollen.

Lügen sind im familiären Kontext oft desaströs, aber im Alltag sind Notlügen manchmal unumgänglich. Wann hat Ihnen eine Lüge mal wirklich weiter geholfen?

Lügen mag ich gar nicht. Ich bemühe mich um Ehrlichkeit. Ich glaube nicht, dass man ohne Transparenz weiter kommt. Ich mag klare Ansagen.

Sophie ist ehrgeizig, stark und stur. Welchen Typ Frau spielen Sie am liebsten?

Ehrlich gesagt empfinde ich es als Glück immer sehr unterschiedliche Rollen spielen zu dürfen. In "Shoppen" zum Beispiel habe ich eine sehr schüchterne und weiche Frau gespielt. Je unterschiedlicher die Rollen sind, die ich spielen darf, desto besser ist es. Ich spiele auch gerne komische Rollen, wie letztes Jahr mit Anke Engelke für "Laydkracher".

Hat sich seit dem Grimme-Preis und dem Bayerischen Fernsehpreis etwas für Sie geändert?

Natürlich hatte ich mehr Anfragen und wurde auch häufiger zu Castings eingeladen. Man bekommt dadurch noch mal eine ganz andere Aufmerksamkeit. Es ist jedem zu empfehlen einen Grimme-Preis zu kriegen (lacht).

Seit 2011 sind Sie nicht mehr am Theater. Vermissen Sie es?

Ich vermisse meine Kollegen total, weil wir ein sehr enges Ensemble waren, wobei ich zu vielen auch noch Kontakt habe. Ich glaube, dass das auch wieder kommt und ich auch wieder Theater spiele und nicht nur drehe. Ich möchte alles, was dieser Beruf bietet, ausschöpfen, vom Hörspiel bis zum Kinofilm. Es ist schade, dass man oft so festgelegt wird, aber das gehört wohl dazu.

Sie bekommen im Winter 2013/14 als "Kommissarin Heller" eine eigene ZDF-Krimireihe. Da werden sie aber wohl noch eine Zeit dem TV treu bleiben, oder?

Ja das ist im Moment jetzt erst mal so geplant, aber es ist ja ein schnelllebiges Geschäft. Ich bin da erst einmal vorsichtig, wenn es den Leuten gefällt, dann soll es weiter laufen. Wir werden sehen. Vielleicht gibt es auch irgendwann eine Krimi-Übersättigung.

Schauen Sie selbst gerne Krimis?

Ja sehr gerne, ich lese sie vor allem gerne. Wegen mir wird diese Krimi-Phase nicht abbrechen.

Was geht Ihnen beim Spielen leichter von der Hand: die schweren problembehafteten Rollen oder witzige Rollen?

Bei Comedy-Rollen ist die Herausforderung, dass man sich auf das richtige Timing konzentriert und das Lustige an der Szene herausarbeitet. Das ist etwas anderes, als sich in eine schwierige Rolle hineinfallen zu lassen, da muss man erst einmal schauen, wo man sich die Emotion herholt. Beides erfordert große Konzentration. Ich würde nicht nur eines von beiden machen wollen.

Man weiß nur sehr wenig Privates über Sie. Warum halten Sie sich da so bedeckt?

Ich finde, es ist doch gar nicht von Interesse wie ich als Privatperson bin. Die Leute gucken mich doch, weil ich meine Figuren so spiele wie ich es eben tue und nicht, weil sie wissen, wie ich als Privatperson bin

Haben Sie für diese Haltung ein Vorbild?

Wenn ich mir Kollegen ansehe, die ich gerne mag, wie Sophie Rois oder Susanne Lothar, dann halten die sich alle sehr bedeckt. Ob ich jetzt rote oder blaue Schuhe trage, ist doch egal.