Seehofer zelebriert seinen Triumph

War da was? Der angeschlagene CSU-Parteichef lässt sich auf dem Parteitag für seinen Verhandlungserfolg feiern. "Was ich versprochen habe, ist auf Punkt und Komma gekommen". Auch Edmund Stoiber und Erwin Huber preisen nun Seehofer
von  Abendzeitung
40 Minuten zu früh: Seehofer konnte das CSU-Treffen gestern kaum erwarten.
40 Minuten zu früh: Seehofer konnte das CSU-Treffen gestern kaum erwarten. © dpa

MÜNCHEN - War da was? Der angeschlagene CSU-Parteichef lässt sich auf dem Parteitag für seinen Verhandlungserfolg feiern. "Was ich versprochen habe, ist auf Punkt und Komma gekommen". Auch Edmund Stoiber und Erwin Huber preisen nun Seehofer

Horst Seehofer kann es gar nicht erwarten, seinen Triumph auszukosten: Schon um 9.20 Uhr steht er vor der BMW-Welt am Münchner Olympiapark. 40 Minuten zu früh. Erst um 10 Uhr trifft sich hier im Business Center der Vorstand der CSU. Um 13 Uhr kommen die Delegierten, um seinen Koalitionsvertrag abzusegnen. Der ist sein Meisterwerk. Davon ist der angeschlagene Parteichef überzeugt. „Was ich versprochen habe, ist auf Punkt und Komma gekommen“, stolzt er durch die Halle. Für ihn ist nun glasklar: „Es kann keinen ernsthaften Zweifel an der Glaubwürdigkeit der CSU geben.“

Seinen Erfolg will er sich an diesem Tag auch nicht von dem neuen Finanzminister Wolfgang Schäuble madig machen lassen. Der hatte am Sonntagabend in der ZDF-Sendung Berlin direkt daran gezweifelt, ob die versprochenen Steuersenkungen auch tatsächlich finanziert werden können. „Die sind vereinbart. Und die kommen 2011“, wischt Seehofer die Bedenken des künftigen Kassenwarts mit einer Handbewegung weg.

Seehofer preist die drei Ministerien, die er rausgeholt hat

Für die schwer gebeutelten Christsozialen geht es an diesem Morgen wieder aufwärts. Zumindest die lange graue Betontreppe in die erste Etage der BMW-Welt. Seehofer preist die drei Ministerien, die er herausgeholt hat. Auch wenn kein Schlüsselministerium dabei ist. Das Verkehrsministerium habe das größte Investitionsvolumen, das Landwirtschaftsministerium sei enorm wichtig, weil jeder dritte Bauer in Bayern lebe.

Und mit dem Verteidigungsministerium werde Karl-Theodor zu Guttenberg „weltweit eine sehr moderne Sicherheitspolitik“ machen. Die CSU-Granden drängen geradezu vor die Kameras, um der Welt zu verkünden, wie toll nun alles für die Partei, die nach ihrem Bundestagswahl-Desaster völlig am Boden lag, ist. Salbungsvoll feiert Edmund Stoiber seinen Zögling: „Der Koalitionsvertrag zeigt, dass Horst Seehofer das Berliner Podium perfekt beherrscht.“

"Wir werden ein tolles Votum bekommen"

Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder säuselt: „Das ist eine Stärkung für Horst Seehofer. Wir können sehr zufrieden sein.Die CSU hat mehr erreicht, als viele erwartet haben.“ Söders persönlicher Triumph: „Der Gesundheitsfonds ist Geschichte“, verkündet er. Es werde ein neues System kommen.“ Auch Seehofers Vorgänger Erwin Huber schwärmt: „Seehofer ist gestärkt. Der Koalitionsvertrag ist ein Erfolg der CSU. Er übertrifft alle Erwartungen.“

Ob er aber auch tatsächlich finanziert werden kann, darüber will an diesem Tag in der CSU niemand zweifeln. „Wir werden ein tolles Votum bekommen“, prophezeit Generalsekretär Alexander Dobrindt für den kleinen Parteitag am Nachmittag. Der ist eh nur reine Formsache. Ablehnen würden ihn die CSU-Delegierten eh nicht.

So ist alles viel Schall und Rauch. So wie der Motor-Cross-Fahrer, der während der CSU-Vorstandssitzung mit seiner BMW-Maschine die Betontreppe hinauf schießt. Für diese Vorführung gibt’s unten von den BMW-Besuchern viel Applaus. Angela Böhm