Baerbock in Liverpool - Russland und China im Fokus

Beim Treffen der G7 lernt Annalena Baerbock gleich mehrere ihrer neuen Kollegen kennen. Die massiven geopolitischen Spannungen werden die Agenda in Liverpool bestimmen.
von  dpa
Bundesaußenministerin Annalena Baerbock beim G7-Gipfel in Liverpool.
Bundesaußenministerin Annalena Baerbock beim G7-Gipfel in Liverpool. © Olivier Douliery/AFP Pool/AP/dpa

Beim Treffen mit ihren Kollegen der führenden westlichen Wirtschaftsnationen in Liverpool will die neue grüne Außenministerin Annalena Baerbock die Schwerpunkte der deutschen G7-Präsidentschaft vorstellen.

Deutschland übernimmt zum Jahreswechsel von Großbritannien den Vorsitz des Staatenbunds, zu dem neben Frankreich und den USA auch Italien, Japan und Kanada gehören.

Baerbock sagte laut einer Mitteilung, man müsse in Liverpool auch über die Auswirkungen der Klimakrise sprechen. "Wir können uns der Illusion hingeben, dass der Westen eine Insel ist, aber auch auf dieser steigt das Wasser weiter unaufhaltsam an, wenn wir jetzt nicht handeln", sagte sie. "Deswegen werden wir auch den gemeinsamen Umgang mit der Klimakrise zu einem der Schwerpunkte unseres G7-Vorsitzes im nächsten Jahr machen."

Umgang mit China und Russland

Die Außenminister wollen bei ihrem Treffen am Samstag und Sonntag über aktuelle geopolitische Herausforderungen wie den Umgang mit Russland und China, aber auch die weltweite Verteilung von Corona-Impfstoffen diskutieren. Auch die Entwicklungsminister sind eingeladen, für Deutschland wird daher auch die neue Ressortchefin Svenja Schulze (SPD) dabei sein.

Das bis Sonntag angesetzte G7-Außenministertreffen ist das zweite unter britischem Vorsitz in diesem Jahr - allerdings das erste für Baerbock und auch für die britische Gastgeberin Liz Truss, die erst seit einer Kabinettsumbildung vor einigen Monaten im Amt ist.

Truss: Stellung gegen Aggressoren beziehen

"An diesem Wochenende werden die einflussreichsten Demokratien der Welt Stellung gegen Aggressoren beziehen, die versuchen, die Freiheit zu untergraben, und eine klare Botschaft senden, dass wir eine einheitliche Front sind", teilte Tory-Ministerin Truss vor dem Auftakt des Treffens mit. Die G7-Staaten müssten ihre Beziehungen sowohl im Handel, als auch in Sicherheits- und Investmentfragen vertiefen und sich unabhängiger von Ländern wie China machen.

Vor ihrer Abreise nach Liverpool erklärte Baerbock, die G7-Gruppe teile Werte wie Demokratie, Menschenrechte und den Einsatz für eine internationale Ordnung, die auf Regeln und nicht auf dem Recht des Stärkeren beruhe. Man teile aber auch das Wissen, "dass uns diese Werte nicht geschenkt worden sind, sondern dass wir uns für diese einsetzen und auch bereit sein müssen, sie zu verteidigen". Deswegen werde man über die russischen Militärbewegungen im Grenzgebiet zur Ukraine und über "China und den Systemwettbewerb zwischen Demokratien und Autokratien sprechen".

Treffen trotz Omikron in Person

Trotz der Ausbreitung der besorgniserregenden Omikron-Variante des Coronavirus findet das Treffen persönlich in England statt. Lediglich die Vertreter einiger asiatischer Staaten, die für Sonntag als Gäste eingeladen sind, wollten sich digital dazu schalten.

Für Baerbock ist das G7-Treffen, bei dem sie auch mehrere bilaterale Gespräche führen wollte, ein weiterer von vielen Antrittsbesuchen in diesen Tagen. Die Grünen-Politikerin kam am Freitagabend zunächst mit US-Außenminister Antony Blinken und anschließend mit der Gastgeberin, Liz Truss zusammen. Über Inhalte wurde zunächst nichts bekannt.

Nach ihren Stopps in Paris, Brüssel und Warschau reist die Ministerin am Sonntag erneut nach Brüssel und trifft sich dort mit EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen.

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