Deutschland gegen Spanien: Endergebnis 6:5 - der etwas andere Vergleich

Die Wahrheit liegt zwar auf dem Platz, aber die AZ hat mal geschaut, auf welchen Gebieten Spanier oder Deutsche die Nase vorn haben: Ein Spiel in 11 Disziplinen
von  Abendzeitung
Da weiß jede auf ihre Art zu überzeugen
Da weiß jede auf ihre Art zu überzeugen © abendzeitung

Die Wahrheit liegt zwar auf dem Platz, aber die AZ hat mal geschaut, auf welchen Gebieten Spanier oder Deutsche die Nase vorn haben: Ein Spiel in 11 Disziplinen

FOLKLORE

Das Dirndl – mindestens knielang – ist ja eigentlich Tracht, hat sich allerdings weit über die Folkloregrenzen hinaus im Alltag durchgesetzt. Nicht zuletzt der breitenwirksame Puffärmel- Landhausstil und das üppige Dekolleté schafften es von lokal zu global.

Das eigentlich andalusische Flamenco-Kleid blieb dagegen in der Folklorefalle stecken und ist – verhüllend knöchellang – auf schwarz-rot und gerüscht beschränkt. Nicht einmal auf dem nach Tradition rufenden Oktoberfest tragen angereiste Spanierinnen es, statt dessen tragen sie im Dirndl ihr Holz vor die Hüttn.

Deutschland geht in Führung 1: 0

INSELN

Gerüchten zufolge segelt König Juan Carlos nur deswegen jeden August vor Mallorca, um zu sehen, ob die Insel überhaupt noch zu seinem Reich gehört. Doch der Traumvom 17. Bundesland im Mittelmeer geht auch durch die jährliche Sommerinvasion deutscher Touristen nicht in Erfüllung.

Wir haben zwar Sylt, wo die wirklich reichen Teutonen ungestört das Fischfilet im Perlwein ertränken können. Das internationale Partyvolk aber feiert lieber in den Discos auf Ibiza als im Landschulheim auf Borkum oder Norderney. Und wärmer ist es auch.

Ausgleich 1: 1

KUNST

1908, im Alter von 27 Jahren, verlernte Picasso, wie man richtig malt. Er nannte diese Schwäche kurzzeitig Kubismus, aber auch ein halbes Dutzend Lebensgefährtinnen konnten ihn bis zu seinem Tod 1973 nicht mehr von diesem Leiden kurieren.

Dalís zerfließende Uhren und brennende Giraffen sind vielleicht auch ein Grund dafür, dass Joan Miró schon vor drei Jahrzehnten die „Malerei ermorden“ wollte. Deutschen Künstlern wie Neo Rauch und Gerhard Richter war das hingegen völlig egal. Um ihre Werke reißt sich die Kunstwelt

Deutschland zum 2: 1

LITERATUR

Spaniens Johann Wolfgang von Goethe heißt Cervantes. Beide Literaten werden in ihrer Heimat hoch verehrt und nicht gelesen. Beide hatten einen desaströsen Effekt. Johann Wolfgang von Goethe „Werther“ führte zum Massenselbstmord empfindsamer Männer im 18. Jahrhundert, Cervantes „Don Quijote“ zur Verschandelung der spanischen Städte durch unzählige Standbilder.

Das verlässliche Urteil haben die Stockholmer Juroren gefällt. Fünf Deutsche erhielten den Nobelpreis – und fünf Spanier. Aber die sind im Gegensatz zu Herta Müller und Günter Grass längst unproduktiv verschieden.

Führung ausgebaut 3:1

TIERSCHUTZ

Die öffentliche Hinrichtung vonmännlichen Weidetieren verstehen die Spanier als Hochkultur und besondere Mutprobe. Dafür haben sie extra eine Modelinie erfunden, in der sich nicht einmal ein Papst ablichten lassen würde. Wahrscheinlich, um die Stiere zu demütigen.

Zwar ist die deutsche Schweinezucht auch meilenweit vom Streichelzoo entfernt, aber wenn die Transformation zum Schinken einmal überstanden ist, lagern wir den wenigstens im Kühlschrank. Die Spanier hingegen hängen ihn unter die Decke im Gastraum.

Klares 4:1

F I LMD I V E N

Penélope Cruz und Katja Riemann haben entgegengesetzte Paraderollen. Die Cruz überzeugt mit leicht naiver, aufgedrehter Sinnlichkeit. Riemann wird gern zickig verheiratet besetzt, obwohl sie selbst gar nicht heiraten will.

Auch Penélope hat bisher Eheprobleme vermieden und sich vorsichtshalber nur verlobt, davor aber mit einer Tom-Cruise-Liaison für extremen Klatsch-Glamour gesorgt. Und sie hat mit Woody Allens Hilfe schon einen Oscar!

Spanien verkürzt auf 4:2

MÄNNER

Die deutschen Männer sind so emanzipiert, dass sie sogar eine Kanzlerin die politische Drecksarbeit der Krise machen lassen. Spanische Männer hingegen können bis zum Auszug (im Alter von über 30 Jahren) keinen Socken waschen und ohne Mamas Hilfe nicht einmal ein Toast zubereiten.

Dafür aber geben sie am Strand und in der Disco die deutlich bessere Figur ab. Wer will schon philosophieren, wenn man glutäugig angestarrt werden kann. Und da Vernunft oft das Gegenteil von Glück ist:

Spanien kommt näher, 4:3

ESSEN

Die spanische Küche ist ölig, die deutsche fettig. Auch wenn jeder Arzt die mediterrane Zubereitung empfiehlt – der statistischen Lebenserwartung ist dies völlig egal. 2008 geborene Buben werden in Spanien 76,6 Jahre alt, in Deutschland 77,17.

Eine kalte Suppe (Gazpacho), in Reis versteckte Essensreste (Paella) und gänzlich Undefinierbares (Tapas) gelten als spanische Nationalgerichte. Kein Wunder, dass sich spanische Touristen in Bayern ausgehungert mit Schweinsbraten, Knödel und Hendl wieder aufpäppeln.

Das bedeutet 5:3

WI RT S CHA F T

Rückblickend war es doch keine gute Idee, die Volkswirtschaft nach den Regeln des Schneeballsystem zu organisieren. Der spanische Bauboom versprach fast jedem Spanier eine Eigentumswohnung ohne Eigenkapital, der Wert der Wohnung nehme ja zu.

Nach dem Platzen der Blase stieg die Zahl der Arbeitslosen und Privatinsolvenzen, die Immobilienpreise fielen ins Bodenlose. Jetzt haben nur noch Fußballstars Geld für deutsche Luxuswagen. Es bleibt nur der Seat, aber der gehört VW.

Ein solides 6:3

F I R S T L A DY

Unsere Primera Dama ist 36 Jahre jung, tätowiert und arbeitet in der PR-Abteilung einer Drogeriekette. Das hat die fast doppelt so alte spanische Königin nicht nötig. Sie ist schließlich Großnichte und Urenkelin von Kaiser Wilhelm II. Beide Damen wohnen übrigens nicht in den ihnen zugeteilten Schlössern.

Aber Spaniens Königin wurde 1992 schon durch ein nach ihr benanntes Kunst-Museum im Herzen Madrids unsterblich. Darauf wird Bettina Wulff wohl vergeblich warten.

Spanien holt auf zum 6:4

WE I N

Den Sangria mit meterlangen Strohhalmen aus dem Putzeimer zu trinken, ist eine kulturelle Pionierleistung der Deutschen. Die Spanier hingegen beherrschen die hohe Kunst sich aus der Bota, dem ledernen Trinkbeutel, zu versorgen, ohne zu verdursten oder sofort zum Ersatzhemd greifen zu müssen.

Auch auf den Inhalt kommt es an. Die „gute Flasche Rioja“ ist neuerdings bayerischer Siegerbrauch. Ob andererseits Mourinho zukünftige Titel bei Real Madrid mit fränkischen Bocksbeuteln begießt, darf bezweifelt werden.

Endstand 6:5