Umfrage: Was Münchner essen wollen

Hohe Qualität statt billige Massenware – eine neue Umfrage im Auftrag von Tollwood zeigt: Die Münchner wollen Fleisch aus artgerechter Haltung. Aber: Vorreiter soll die Stadt sein.
von  Sophie Anfang
Beim Fleisch schaut der Münchner genau hin, woher es kommt.
Beim Fleisch schaut der Münchner genau hin, woher es kommt. © az

München - Ein saftiger Schweinsbraten, eine würzige Bratwurstsemmel oder ein krosses Hendl: Fleisch gehört für viele Münchner beim Essen dazu – aber bitte nicht irgendein Fleisch. Laut einer von Tollwood in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage wollen die meisten Münchner Fleisch von artgerecht gehaltenen Tieren auf dem Teller. Dafür würden sie sogar mehr zahlen.

1001 Münchner hat das Emnid-Institut befragt. Das Ergebnis: Der Münchner gibt sich ernährungsbewusst. Gut zwei Drittel der Befragten gaben an, beim Einkauf darauf zu achten, dass die Tiere artgerecht gehalten wurden. Lediglich elf Prozent tun das nie. Bei Einkommenstarken lag die Zustimmung zum nachhaltigen Einkauf sogar mit 75 Prozent etwas höher. Das ist naheliegend: Wer mehr verdient, dem fällt der bewusste Einkauf leichter. Stephanie Weigel von Tollwood betont aber, dass Geld allein nicht ausschlaggebend dafür ist, ob gutes Fleisch eingekauft wird: „Selbst wenn Sie sich die niedrigsten Einkommenklassen anschauen, sind es immer noch 60 Prozent.“

Sagen und Tun, sind jedoch meist verschiedene Dinge. Die Deutschen sind weiterhin große Fleischesser. Der Konsum stagniert zwar. Trotzdem isst der Bundesbürger im Schnitt 60 Kilogramm Fleisch pro Jahr. Unterm Strich sind das gut 1900 Tiere im ganzen Leben, davon 945 Hühner und 46 Schweine. Laut der Agrarmarkt Informationsgesellschaft AMI sind davon gerade mal ein gutes Prozent bio.

Wenn man sich anschaut, wie viel Bio insgesamt im Einkaufskorb der Deutschen landet, sieht es besser aus – ein wenig: 3,7 Prozent des Lebensmittelumsatzes wird mit Bio-Produkten gemacht. Dazu kommt, dass die Deutschen beim Essen gerne sparen. Nur elf Prozent des Haushaltseinkommens gibt der Bundesbürger für Nahrungsmittel aus. „Die Deutschen sind bekannt dafür, dass Lebensmittel billig sein sollen“, räumt Weigel ein.

Ist das glückliche Tier also letztendlich doch nicht so wichtig? Weigel widerspricht: Der Verbraucher sei durchaus bereit, im Supermarkt nach guten Produkten zu greifen: „Wenn er sie nicht mit der Lupe suchen muss.“ Die vielen, teilweise fragwürdigen Etiketten verwirrten viele Einkäufer. Der Begriff „Bio“ ist rechtlich geschützt, andere Begriffe wie „fair“, „nachhaltig“ stehen zwar auf vielen Lebensmitteln, müssen aber nichts heißen, weil sie nicht kontrolliert werden. Logos und Zertifikate von Verbänden sind wiederum nicht bekannt genug, um im Supermarktregal Orientierung zu bieten.

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Dass der Wille zum artgerechten Konsum da ist, lege auch ein weiteres Ergebnis der Umfrage nahe, sagt Weigel: So würden 85 Prozent der Befragten auf einer Veranstaltung der Stadt München mehr Geld für ein Essen auszugeben, wenn es dafür nachweislich artgerecht hergestellt wurde. Das gilt selbst für diejenigen, die wenig Geld haben: Immerhin 77 Prozent der Befragten mit einem Einkommen bis zu 1500 Euro sprachen sich für das artgerechte Essen aus. Konkret heißt das: Statt 9,80 Euro würden sie auch 11 Euro für ein Schnitzel hinlegen. Eine realistische Rechnung, sagt Rainer Roehl von Averdis, der Gastronomen dabei berät, nachhaltiger zu kochen. Bio müsse nicht viel mehr kosten: „Es kommt auf die Umsetzung an.“ Viele Gastronomen machten Bio teuer, weil sie falsch kalkulierten, so der Berater. In Münchens Schulen und Kindergärten hat die Umstellung bereits funktioniert: Dort sind seit Ende 2011 die Hälfte der Waren in Bioqualität.

Die Münchner sagen: Mehr davon – zumindest die von Emnid befragten. 75 Prozent wünschen sich, dass in städtischen Kantinen und Krankenhäusern nur noch Fleisch aus artgerechter Haltung verwendet wird.

Schnell wird die Stadt das nicht umsetzen, das weiß auch Weigel. Funktionieren könne der Plan trotzdem: Schließlich seien auf dem Tollwood seit 2003 alle Gastronomen Bio-zertifiziert, sagt sie: „Und uns gibt es immer noch.“