Trennungskrieg: Vater kämpft um seine Tochter

Der 40-jährige Münchner Aleksandar Stajic darf sein Kind nicht mehr regelmäßig sehen. Er streitet mit seiner ehemaligen Lebenspartnerin erbittert vor Gericht.
von  Torsten Huber
Jürgen Arnold ist Fachanwalt für Familienrecht. Er ist Mediator und berät zerstrittene Ehepaar.
Jürgen Arnold ist Fachanwalt für Familienrecht. Er ist Mediator und berät zerstrittene Ehepaar. © th

München - Software-Entwickler Aleksandar Stajic (40) ist verzweifelt: „Ich möchte meine Tochter öfter sehen. Aber meine ehemalige Lebenspartnerin sieht das nicht ein. Dabei kann sie sich wegen ihrer Arbeit gar nicht 100 Prozent ums Kind kümmern.“

Stajic ist kein Einzelfall. 155.000 so genannte Trennungskinder gibt es in Deutschland. Und immer noch bleiben 90 Prozent der Kleinen bei der Mutter. In einer jüngsten Entscheidung weist sogar das Bundesverfassungsgericht darauf hin, dass beide Elternteile auch nach der Trennung in die Erziehung des Kindes gleichermaßen eingebunden sein sollen.

Dies diene dem Wohl des Kindes. Das hat seinen Grund: Nach einer Langzeitstudie sind Scheidungskinder, die abwechselnd bei Mutter und Vater leben, glücklicher, lebensfroher und stabiler. Kinder ohne Kontakt zu einem Elternteil fühlen sich minderwertig und eher abgewiesen.

Aleksandar Stajic hätte viel Zeit: „Ich kann von zu Hause aus arbeiten, könnte auf unsere Tochter aufpassen.“ Anders sei es bei seiner Ex-Partnerin Lena G. (29, Name geändert). Die sei Chefin eines Pflegedienstes und viel unterwegs.

„Wird jemand von ihren Kollegen krank, muss sie einspringen. Unser Kind schleift sie dann immer mit zu den Patienten. Ob das gut ist?“, fragt sich Aleksandar Stajic besorgt. 2009 lernen sich Aleksandar Stajic und Lena G. in einer Münchner Discothek kennen.

„Wir waren kaum zwei Monate zusammen, da ist sie schwanger gewesen“, sagt Aleksandar Stajic, der so erzogen worden ist, dass er für seine Familie da ist. Das Paar zieht zusammen. Im Laufe der Jahre soll sich Lena G. verändert haben.

Sie habe „psychische Probleme“. Das seien Folgen aus ihrer Kindheit mit einer sehr strengen Erziehung gewesen und der Stress in der Arbeit, vermutet Aleksandar Stajic. „Ich hatte mich fast allein um das Kind gekümmert. Das passte ihr nicht. Als sie auch noch ihre Medikamente absetzte, wurde sie immer unzufriedener. Ich war an allem schuld. Sie schrie nur noch rum. Im Freundeskreis erzählt sie, dass ich die Kleine entführen will“, sagt der Vater.

Am 15. September 2012 der endgültige Bruch. „Sie warf mich aus der Wohnung. Ich stand auf Straße. Heute lebe ich bei einem Freund zur Untermiete“, so der Software-Entwickler. Um die Tochter zu sehen, streiten die beiden bis vor das Münchner Amtsgericht.

Jetzt hat der Gesetzgeber das Umgangsrecht geregelt: Zwei Mal im Monat bekommt der Vater das Kind fürs Wochenende und zwei Mal im Monat darf Stajic es Donnerstagabend abholen und am Freitag in den Kindergarten bringen. Den monatelangen Streit hätte sich Aleksandar Stajic vielleicht ersparen können, wenn er den Weg der Mediation gewählt hätte.


Stichwort: Mediation

AZ-Interview mit Jürgen Arnold. Er war lange Jahre Strafverteidger und ist seit 20 Jahren Fachanwalt für Familienrecht.

AZ: Was ist eine Mediation?

JÜRGEN ARNOLD: „Mediation ist ein Verfahren zur Beendigung eines Konfliktes. Außerhalb des Familiengerichtes versuchen die beiden Beteiligten nach einer Trennung und noch vor der Scheidung, zu einer gemeinsamen umfassenden Regelung zu kommen, ohne vor Gericht zu streiten.

Wie läuft eine Sitzung ab? In der Regel setzt man sich mehrmals eineinhalb bis zwei Stunden zusammen, betrachtet die Konfliktsituation, die zur Trennung geführt hat. Alle wesentlichen Unterlagen, Vermögen und Einkommen müssen auf den Tisch. Die für die Zukunft zu regelnden Fragen wie Unterhalt, Sorgerecht und Vermögensaufteilung werden je nach Dringlichkeit dann Punkt für Punkt abgearbeitet.

Wer darf so etwas tun?

Die Mediation setzt eine längere Ausbildung voraus. Über Fortbildungen und Supervisionen wird dann ständig die Ausbildung vertieft.

Was kostet das?

Die Preise variieren je nach Einkommen und liegen in München zwischen 180 bis 300 Euro pro Stunde. Wie diese Kosten verteilt werden, ist vorab zu klären. Meistens kommt es nach vier bis fünf Sitzungen zu einem Einigungsvertrag. Falls die Mediation nicht scheitert, ist sie weit kostengünstiger als ein gerichtlicher Streit mit zwei Anwälten.

Wird so etwas oft genutzt?

Leider wird von der Möglichkeit einer Mediation oder Schlichtung noch viel zu selten Gebrauch gemacht. Mediation setzt immer Konsensbereitschaft von beiden voraus. Sind die Emotionen nach einer Trennung so groß, dass man sich bekämpft, bringt eine Mediation nichts.

Wird die Einigung fixiert?

Es ist richtig, dass eine Einigung schriftlich zu fixieren und notariell zu beurkunden ist, da sie sonst nicht die notwendige Verbindlichkeit hat.

Was passiert nach der Mediation?

Nach erfolgreicher Mediation können sich die Beteiligten frei entscheiden, ob sie getrennt leben oder sich scheiden lassen – beide Situationen sind in der Vereinbarung abschließend geregelt.

Wie viel Geld spart man bei der Mediation?

Das hängt vom Einkommen ab. Die Gerichte bestimmen den „Verfahrenswert" nach dem Vermögen und dem Unterhaltsbetrag, um den gestritten wird. Bei mittleren bis größeren Einkommen können daher pro Person 10000 bis 15000 Euro für einen Streit investiert werden. Dem gegenüber kostet eine Mediation selten über 3000 Euro pro Person. Hinzu kommen die Notarkosten.

Wo kann man sich über so ein Verfahren informieren?

Entweder bei kostenlosen Informationsveranstaltungen, wie sie derzeit bei unserem Institut Mediation München (www.institut-mediation-muenchen.de) veranstaltet werden, oder man sucht sich über das Internet, die Anwaltskammer oder die Bundesvereinigung der Mediatoren (BAFM) einen geeigneten Mediator. In der Regel wird zuvor in einem kurzen kostenlosen Vorgespräch geprüft, inwieweit der Fall für eine Mediation überhaupt geeignet ist.

Ist eine Versöhnung nach Mediation möglich?

Dies wäre ein wunderbares Ergebnis. Was wir erzielen können ist, die gemeinsame Zeit nachträglich zu schätzen und, gerade wenn Kinder da sind, sich in Freundschaft zu begegnen. Für einen Anwalt ist es immer schrecklich sehen zu müssen, wenn sich die Beteiligten bei einer Scheidung schon gar nicht mehr grüßen können.