Tarifstreit der Azubis: Am Dienstag streikt die Jugend

Zum ersten Mal treten am Dienstag die Auszubildenden allein in den Ausstand - es geht um 100 Euro mehr.
von  Irene Kleber
Auch sie streiken am Dienstag mit den Azubis im öffentlichen Dienst: Katharina Heymann (28) und Viktoria Janizki (23).
Auch sie streiken am Dienstag mit den Azubis im öffentlichen Dienst: Katharina Heymann (28) und Viktoria Janizki (23). © Auch sie streiken heute mit den Azubis im öffentlichen Dienst: Katharina Heymann (28) und Viktoria Janizki (23).

München - Die Münchner Azubis im öffentlichen Dienst stehen am Anfang ihrer Joblaufbahn, wollen Pfleger und Krankenschwestern werden, Gärtnerinnen, Kindergärtner oder Verwaltungsfachleute - nur, von dem Ausbildungsgehalt in München leben, gerade auch dann, wenn man nicht mehr bei den Eltern wohnt?

Einfach ist das nicht. 1.018,20 Euro verdienen die rund 5.000 Münchner Azubis im öffentlichen Dienst im Monat bei einer 39-Stunden-Woche im ersten Ausbildungsjahr. Brutto, natürlich. Im zweiten Jahr gibt's 50 Euro mehr, im dritten landet man dann bei 1.114,02 Euro.

Schon länger fordert die Gewerkschaft Verdi 100 Euro mehr für die Azubis. Um dem Nachdruck zu verleihen, hat die Verdi-Jugend für Dienstag ihre jungen Mitglieder aufgerufen, erstmals allein, also ohne den Schutz der Älteren, in einen Warnstreik zu treten - bundesweit. "Das hat es in der Geschichte des öffentlichen Dienstes noch nicht gegeben", sagt Münchens Verdi-Chef Heinrich Birner.

"Jetzt darf nicht an der Zukunft gespart werden"

Warum die jungen Leute mit der Gewerkschaft kämpfen wollen? "Ich bin wütend, aber gleichzeitig kämpferisch", sagt Viktoria Janizki (23), die als Stationshilfe im Pflegedienst des Isar-Amper-Klinikums arbeitet. "Ich war bis März noch Azubi. Viele Auszubildende haben dasselbe Arbeitspensum wie Ausgelernte und werden voll eingeplant. Entsprechend sollten sie auch entlohnt werden. Ohne Azubis geht es nicht in den Kliniken." Selina Scholl (21), die kürzlich als Chemielaborantin beim Institut der Bundeswehr ausgelernt hat, sagt, sie sei am eigenen Arbeitsplatz zwar ins Homeoffice geschickt und so gut vor einer Coronainfektion geschützt worden. "Aber viele Azubis in Kliniken oder Kindergärten haben diesen Schutz nicht, ich streike solidarisch mit, damit ihr Einsatz besser entlohnt wird."

In den kommenden 20 Jahren werden mehr als 60 Prozent der Leute im Öffentlichen Dienst altersbedingt ausscheiden, schätzt man bei Verdi. "Jetzt darf nicht an der Zukunft gespart werden", erklärt Verdi-Jugendsekretärin Katharina Heymann, "diese Zukunft sind die Nachwuchskräfte."

Warnstreik und Demo in München

Der Jugend-Warnstreik beginnt Dienstag zum jeweiligen Dienstbeginn. Um 10 Uhr sammeln sich die jungen Streikenden vor dem Gewerkschaftshaus an der Schwanthalerstraße. Für 11 Uhr ist eine Kundgebung geplant, dann startet ein Demozug, bei dem Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden sollen. "Sollte das Kreisverwaltungsreferat aus Infektionsschutzgründen die Demo nicht genehmigen", so Birner, "dann bleibt es bei der Arbeitsniederlegung." In München erwartet die Verdi-Jugend rund 150 junge Azubis, Praktikanten und Dual-Studierende.

Anders als beim Kita-Warnstreik und beim Streik bei U-Bahn und Bussenkürzlich werden die Münchner durch den Jugend-Warnstreik nicht betroffen sein. "Die Kitas bleiben offen, die Pflege läuft normal weiter", sagt Birner