SC Prinz Eugen trocken gelegt

Der SC Prinz Eugen fürchtet um seine Existenz: Die Dreifachturnhalle wird abgerissen, Schwimmhalle saniert - wo sollen die Sportler trainieren?
von  Petra Martin / Lokales
Das Gelände der ehemaligen Prinz-Eugen-Kaserne
Das Gelände der ehemaligen Prinz-Eugen-Kaserne © Plaungsreferat/ho

Bogenhausen - Dem ehemaligen Vorstand des Sportclubs Prinz Eugen, Bertram Hacker, ist es zu verdanken, dass die Schwimmhalle erhalten blieb, als die Prinz-Eugen-Kaserne abgerissen wurde. Doch jetzt sitzen die Schwimmer des SCPE trotzdem auf dem Trockenen: Umfangreiche Bauarbeiten auf dem Gelände haben zur Folge, dass das Bad geschlossen wird. In zwei Wochen, bereits Ende März, muss der Verein raus. Aus „Sicherheitsgründen“ kann das Bad nicht geöffnet bleiben, erklärt Dagmar Rümenapf, Sprecherin des Baureferats. Der Zeitplan sei ohnehin recht eng. Die dreizügige Grundschule soll im September 2017 samt Dreifachturnhalle eröffnet werden.

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Das Schwimmbad ist erstmal wegen der angrenzenden Aushubarbeiten zwei Monate geschlossen. Danach wird das Bad selbst saniert. „Die Statik wird ertüchtigt, die Außenhülle saniert, die Entlüftung und Elektroinstallationen werden erneuert. Außerdem wird der Zugang barrierefrei“, listet Rümenapf auf.

Verein fordert Parallel-Betrieb

Peter Reischmann, der neue Präsident des SC Prinz Eugen (SCPE), kritisiert, dass der Badbetrieb nicht parallel zu den Bauarbeiten stattfinden kann. „Man könnte einen Bauzaun aufstellen und von der anderen Seite ins Schwimmbad gelangen.“ Pikant ist die Situation vor allem deshalb, weil das Cosimabad in der Nähe ebenfalls geschlossen ist - wegen Renovierung voraussichtlich bis Herbst 2016. Davon betroffen ist zum Beipsiel die Rudolf-Steiner-Schule in Daglfing. Und zwar im doppelten Sinn. Sportlehrerin Ursula Immig suchte in den Sommerferien nach einer Ausweichmöglichkeit und wurde vom Schulsportreferat auf das Bad des SCPE verwiesen. Doch kaum beginnt der Schwimmunterricht für die 4. und 5. Klasse, ist er schon wieder vorbei. Bis zu den Osterferien bleibt den Schülern noch. „Schwimmen lernen ist wichtig“, erklärt Immig. Es sei eine Kulturtechnik, die nicht nur vorm Ertrinken bewahrt.

Auch andere Vereine und Schulen betroffen

So sieht es auch die DLRG. Die Rettungsschwimmer trainieren ebenfalls an der Sentastraße. „Es ist gerade für die Neuausbildung wichtig, dass man Zeit zum Üben hat“, erläutert Andreas Brunner, stellvertretender technischer Leiter der DLRG. Die DLRG trainiert regelmäßig in dem Schwimmbad an der Sentastraße. Dienstag und Freitag trainieren Kinder und Jugendliche sowohl in der Schwimmausbildung als auch für Wettkämpfe. „Wir sind von der zweijährigen Sperre enorm betroffen“, erklärt Brunner und führt aus: „Ein Wegfall dieser Trainingsstätte stellt uns vor erhebliche Probleme, da die weiteren Trainigsstätten nur bedingt geeignet sind.“ Betroffen sind bei der DLRG über 100 Kinder und Jugendliche. Die DLRG München-Oberföhring betreut die Wachstation am Garchinger See und bildet hierfür Personal aus und weiter.

Trotz allem: „Ein Parallelbetrieb zu den Bauarbeiten ist nicht möglich, das wurde bereits geprüft“, erklärt Christina Warta vom Sportreferat. „Die Stadt versucht, Räume für den Sport zu schaffen, es soll aber auch schnell gehen.“

Überhaupt nicht begeistert ist Peter Reischmann. Er ist seit 10. Dezember Präsident des SC Prinz Eugen. „Wir bangen um unsere Existenz“, fasst er die Lage zusammen. 577 Mitglieder zählt der Verein, der neben Schwimmen auch Badminton, modernen Fünfkampf und andere Sportarten anbietet. Und damit ist der SC nicht nur im Wasser, sondern auch an Land in vielen Sparten von den Baumaßnahmen betroffen. Reischmann hat schon angefragt, ob es wirklich nötig ist, die Turnhalle sofort abzureißen. Seiner Meinung nach könne sie stehen bleiben, bis die neue Dreifachturnhalle fertig ist. Denn auf der Stelle der jetzigen Halle soll ein Hartplatz entstehen. „Keine Chance“, sagt das Baureferat. „Wir haben uns nochmal Gedanken gemacht, aber unsere Fachleute sagen, dass es nicht anders geht“, fasst Baureferatssprecherin Dagmar Rümenapf die Lage zusammen.

Auf der anderen Seite der Schwimmhalle befindet sich der tiefe Tauchtopf, in dem Rettungsschwimmer und Feuerwehr trainieren. Diese Sanierung wird zwar demnächst abgeschlossen sein, doch wegen der Baustelle bleibt auch hier der Zugang verwehrt. Ein alternativer Eingang zur Schwimmhalle kann hier laut Baureferat nicht eingerichtet werden. Auch das kritisert Reischmann. „Wenn man wollen würde, ginge das durchaus. Das ist ein ehemaliges Kasernengelände, Platz ist genug“, lautet sein Fazit.

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Enger Zeitplan für die Bauarbeiten

Doch der Zeitplan zur Fertigstellung der der Schule ist eng - da darf nichts Unvorhergesehenes passieren. „Die Schule muss rechtzeitig, zum Schuljahr 2017/18, fertig werden“, sagt Rümenapf. „Das ist ein Riesenaufwand mit viel Logistik. Wir handeln da nicht unbedarft.“

Christina Warta vom Sportreferat teilt auf Anfrage mit, dass die Planungen seit 2010 dem Verein und dem Bezirksausschuss bekannt sind. „Das ist nichts Überraschendes.“ Um Übergangslösungen zu finden, hat der Verein seinen Bedarf angemeldet. „Allerdings kann der Bedarf nicht gedeckt werden. Es gibt zu wenig Ausweichmöglichkeiten in München. Gerade für Badminton und schwimmen sieht’s duster aus.“ Die angebotenen Alternativen kämen oft nicht in Frage. „Wir wollen vermeiden, dass die Kinder durch die ganze Stadt fahren müssen.“ Doch nicht nur die Lage, auch die Ausstattung der Alternativen lässt zu wünschen übrig. Viele Becken sind zu flach und zu kurz, um für Wettkämpfe trainieren zu können. Der Verein hat deshalb eine Online-Petition gestartet.