Neuperlach: Münchner greift unter Drogen Polizisten an und spuckt Beamte an

In Neuperlach hat am Montag ein Drogensüchtiger für einen größeren Polizeieinsatz gesorgt. Der Mann flüchtete erst gewaltsam aus einem Rettungswagen, dann brach er in eine Wohnung ein - und versuchte, einem Polizisten die Waffe zu entreißen.
von  Ralph Hub
Der 29-Jährige spuckte insgesamt vier Polizisten mit blutigem Speichel an. (Symbolbild)
Der 29-Jährige spuckte insgesamt vier Polizisten mit blutigem Speichel an. (Symbolbild) © imago

In Neuperlach hat am Montag ein Drogensüchtiger für einen größeren Polizeieinsatz gesorgt. Der Mann flüchtete erst gewaltsam aus einem Rettungswagen, dann brach er in eine Wohnung ein - und versuchte, einem Polizisten die Waffe zu entreißen.

Neuperlach - Alles begann damit, dass ein 29-Jähriger am Montagabend gegen 19.30 Uhr im Karl-Marx-Ring zusammenbrach. Er wohnt ganz in der Nähe, ist seit Jahren als Drogenkonsument bekannt.

Als ihn ein Rettungswagen in die Klinik bringen will, flüchtet der 29-Jährige während der Fahrt aus dem Sanka. Der Mann rennt zu einem der Hochhäuser und kletterte auf einen Balkon im ersten Stock. Dort steht die Tür offen. Der 29-Jährige dringt in die Wohnung eines Ehepaares (78 und 80) ein. Die Rentner rufen die Polizei.

Ein Nachbar beobachtet den Eindringling und kommt zu Hilfe. Mit einer Softairwaffe stellt er den Fassadenkletterer. Der muss sich auf den Boden legen. Damit er nicht fliehen kann, platziert der 44-Jährige einen Stuhl über ihm.

Held mit Waffe

Andere Nachbarn sehen durchs Fenster einen Mann mit einer Waffe und glauben, das Seniorenpaar werde von ihm bedroht. Ihre Beobachtung teilten die Zeugen der Polizei mit. Eine Streife überprüft die Lage und sieht tatsächlich einen bewaffneten Mann in der Wohnung. Schnell wird jedoch klar, dass er keine Bedrohung darstellt, sondern eher der Held ist, derjenige der seine betagten Nachbarn vor einem offensichtlich völlig wirren Eindringling beschützt hat.

Als die Beamten den 29-Jährigen abführen, rastet der aus. Er greift vier Polizisten an. Dabei versucht er einem die Dienstwaffe zu entreißen. Eine ähnliche Situation wie im S-Bahnhof Unterföhring Mitte Juni. Dabei hatte ein Randalierer einem Polizisten die Pistole abgenommen und wild um sich geschossen. Eine Beamtin erlitt einen Kopfschuss. Ihr Zustand ist unverändert kritisch. Zwei Passanten wurden durch Kugeln leicht verletzt.

Der 29-Jährige in Neuperlach hat den Griff der Waffe zwar in der Hand. Aber er kann sie dank der Sicherung nicht aus dem Holster ziehen. Angesichts des wild tobenden Verdächtigen fordern die Polizisten Verstärkung an. Sofort werden sämtliche verfügbaren Streifenwagen zu der Adresse geschickt. Ein Team des SEK, das zufällig in der Nähe war, kommt auch hinzu – insgesamt rund 30 Mann.

Vier Polizisten werden verletzt

Der 29-Jährige gebürtige Niederbayer schlägt und tritt um sich. Aufgrund von Drogen oder ähnlicher Substanzen, ist er offensichtlich nicht mehr Herr seiner Sinne. Was ihm ungeahnte Kräfte verleiht und gleichzeitig sein Schmerzempfinden stark reduziert.

Er kratzt und spuckt um sich. Dabei trifft er einen Polizisten ins Auge, einen anderen in den Mund. Eine nicht ungefährliche Attacke. Denn wie sich inzwischen herausgestellt hat, leidet der drogensüchtige Angreifer seit Jahren an Hepatitis C.

Beim Kampf mit den Polizisten erleidet der 29-Jährige eine Platzwunde am Kopf. Er ist inzwischen im Bezirkskrankenhaus in Haar auf der geschlossenen Abteilung untergebracht. Vier Polizisten wurden bei dem Einsatz verletzt. Ob sie sich mit Hepatitis C infiziert haben, müssen weitere Untersuchungen klären.

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