"Rugby in München – warum nicht?"

Die neue Chefin des Olympiaparks, Marion Schön, im großen AZ-Interview über Zukunft und Chancen des Geländes. Natürlich weiß Marion
von  Interview: Florian Zick
Die 54-Jährige Marion Schöne übernimmt am 1. Januar den Chefposten im Olympiapark.
Die 54-Jährige Marion Schöne übernimmt am 1. Januar den Chefposten im Olympiapark. © dpa

Die neue Chefin des Olympiaparks, Marion Schön, im großen AZ-Interview über Zukunft und Chancen des Geländes.

Natürlich weiß Marion Schöne schon ganz genau, was sie am 1. Januar macht: "Hockey HALLEluja" in der Olympiahalle, der EHC gegen die Kölner Haie. An ihrem ersten Arbeitstag als neue Chefin der Olympiapark München GmbH darf sie da natürlich nicht fehlen. Mit der AZ sprach die 54-Jährige vorab über die Annehmlichkeiten ihres Jobs und ihre Pläne für das Gelände.

Frau Schöne, mögen Sie überhaupt Eishockey? Oder ist das am 1. Januar ein Pflichttermin?
Marion Schöne: Ich bin kein Fan mit Schal und Trikot, aber die Stimmung ist immer super. Eishockey ist ein rasant schnelles Spiel und mein Auge kann dem Puck nicht immer folgen. Aber wegen der Atmosphäre gehe ich da sehr gerne hin.

Müssen Sie denn zu jeder Veranstaltung im Olympiapark.
Nicht zu jeder. Es ist zwar bei jeder Veranstaltung ein Verantwortlicher aus unserem Haus dabei. Aber das muss nicht immer ich sein.

Die Buchungslage bei Olympiahalle und Olympiastadion ist hervorragend

Was wird denn kommendes Jahr im Olympiapark geboten sein?
Oh, eine Menge! Das wird eine fantastische Open-Air-Saison: Robbie Williams trainiert schon ganz fleißig für seinen Auftritt im Olympiastadion. Dazu haben wir dort Depeche Mode, Coldplay, Guns N’ Roses und unter anderem auch die Oper Aida mit Placido Domingo als Dirigenten. Klassik im Stadion ist immer eine akustische Herausforderung, wir haben’s aber mehrfach hingekriegt.

Und sonst?
Night of the Proms, Munich Mash, Kiss, Cirque du Soleil, Night of the Jumps, David Garrett, Bruno Mars, Udo Lindenberg, Deep Purple, Tim Bendzko. Ich könnte ewig so weitermachen. Das wird auf jeden Fall eine Mega-Saison.

Klingt, als wären Sie ziemlich voll.
Wir sind auch proppenvoll. Die Buchungslage bei Olympiahalle und Olympiastadion ist hervorragend.

Warum wird dann immer gesagt, der Olympiapark sei so schwer zu bespielen?
Um das Bespielen geht es nicht, das ist die leichtere Übung. Aber ihn wirtschaftlich zu halten, das ist schwierig. Wir reden da schließlich von einem über 40 Jahre alten Gelände mit entsprechend alter Bausubstanz. Zudem ist der Park auch noch denkmalgeschützt. Da entstehen Kosten, die können sie schlicht nicht erwirtschaften. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir auch in den nächsten Jahren im operativen Betrieb mindestens eine schwarze Null, wenn nicht ein positives Ergebnis erzielen werden.

Alles muss auf den aktuellen Stand gebracht werden

Was muss kommendes Jahr denn alles gemacht werden?
In der Olympiahalle laufen ja bereits seit einigen Jahren Sanierungsarbeiten. Da geht es vor allem um Betriebstechnik und Brandschutz. Das steht im Olympiastadion auch an. Das Stadion ist ja ebenfalls über 40 Jahre alt, da ist es kein Wunder, wenn die Haustechnik bald nicht mehr funktioniert. Und damit wir das Stadion auch weiter als Veranstaltungsstätte nutzen können, muss deshalb alles auf den jetzigen Stand gebracht werden.

Wenn man aktuell ins Stadion schaut, sieht man da vor allem eine große Schuttwüste.
Ja, wir legen gerade Rasen und Laufbahn wieder frei. Für die Asphaltdecke hatten wir ja nur eine Ausnahmegenehmigung. Der Denkmalschutz ist da sehr restriktiv. Klar, Rasen und Laufbahn haben ja nun mal auch das ursprüngliche Erscheinungsbild des Stadions geprägt. Deswegen kommt der Asphalt jetzt erstmal weg – und dann schauen wir, ob wir mit unserem eigentlichen Anliegen weiterkommen. Wir hätten nämlich gerne eine befahrbare Laufbahn, das wäre für die Veranstalter und für uns in der Handhabung deutlich einfacher.

Als Sportarena ist das Stadion also nicht mehr zu gebrauchen?
Das kann man so nicht sagen. Gerade erst konnten wir ein internationale Profi-Rugby-Turnier während des Oktoberfestes bekanntgeben. Das wird am 29. und 30. September auf dem neuen Rasen im Olympiastadion stattfinden. Außerdem haben wir Lauf- und Radevents dort. Und auch die Olympischen Jugendsommerspiele 2023 sind noch im Gespräch.

Die Löwen haben seit 2010 schon dreimal angeklopft

Rugby in München?
Ja, warum nicht. Rugby ist jetzt olympisch, zudem leben ja auch viele Leute aus dem englischsprachigen Raum hier, da ist Rugby sehr groß. Und zur Wiesn sind ja auch ganz viele von Down Under da, die Neuseeländer, die Australier. Das ist sicher eine Sache, die auch in München funktioniert.

Arno Hartung, ihr Vorgänger, war überzeugt, dass auch 1860 irgendwann wieder im Olympiastadion spielen wird.
Ich bin seit 2010 hier. Allein seitdem haben die Löwen dreimal angefragt, ob etwas möglich wäre. Da ging es meistens um einen Stadion-Neubau. Aber die Gespräche haben sich nie konkretisiert.

Sie halten das also für eher unwahrscheinlich?
Natürlich wären wir offen, wenn die Löwen wieder im Olympiastadion spielen wollen. Früher, als Bayern und Sechzig noch hier gespielt haben, da war der Fußball ja eine richtige Cashcow. Jeden Samstag ein Fußballspiel und mittwochs meistens auch noch eines – da waren die Einnahmen natürlich gesichert. Allerdings ist das Olympiastadion derzeit nicht bundesligatauglich, wir haben jetzt nämlich keine Rasenheizung drin.

Wie steht es denn um die Pläne für die Red-Bull-Arena?
Da sind sehr viele Parteien beteiligt. Entsprechend lange dauert es eben halt, bis da ein Konsens gefunden ist. Aber jetzt ist ja wieder Bewegung, in die Diskussion gekommen, die Chancen stehen gut, dass der FC Bayern wieder in das Projekt einsteigt. Ohne die Bayern wird es mit dem Projekt schwierig werden.

Nochmal Olympia in München? "Tendenz eher negativ"

Und wie schätzen Sie die Chancen ein, dass das Gelände noch einmal Olympische Spiele erleben wird?
Die Hoffnung soll man nicht aufgeben, aber zur Zeit ist die Tendenz eher negativ. Durch die ganzen Skandale in den großen Sportverbänden haben solche Großveranstaltungen einen wahnsinnigen Schaden erlitten. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum die Münchner Winterspiele abgelehnt haben – die ganze Korruption, dieser ganze Gigantismus.

Kein Olympia mehr im Olympiapark?
Für großen Sport wären die Münchner sicher wieder zu begeistern. Es gibt ja einen Trend zu länderübergreifenden Veranstaltungen. Wir haben uns zum Beispiel ja auch für Vorrundenspiele bei der Handball-WM 2019 beworben – und die findet in Dänemark und Deutschland statt.. Wer weiß, vielleicht gibt es noch einmal eine Möglichkeit...

...wenn die Österreicher Winterspiele an Land ziehen.
Ja, zum Beispiel. Die Innsbrucker sind da ja dran. Und München ist nicht weit, mal sehen.