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"Porsche-Mörder" steht in München vor Gericht: Prozess startet dramatisch

Ein junger Mann erschossen in einem Porsche: Das Verbrechen in München machte im vergangenen Jahr Schlagzeilen. Nun startete der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter – und das äußerst dramatisch.
von  AZ/dpa
Der Angeklagte am Montag vor Gericht.
Der Angeklagte am Montag vor Gericht.

München - Gut ein Jahr, nachdem ein junger Mann in München in seinem teuren Sportwagen mit Schüssen in den Kopf getötet worden ist, begann am Montag der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter – und das äußerst dramatisch.

"Mörder, du Mörder, du hast unseren Jungen umgebracht", rief eine Familienangehörige des Opfers, als der Angeklagte den Saal betrat, kurz bevor das Verfahren des Landgerichts München I losging.

Schulden wegen Kokaingeschäften als Motiv?

Der 24 Jahre alte Barkeeper ist angeklagt, den Mann am Abend des 17. März 2020 ermordet zu haben, damit er 8.000 Euro Schulden nicht zurückzahlen musste. Hintergrund sollen Kokaingeschäfte sein. Eine Passantin hatte die Leiche des 25-Jährigen auf dem Fahrersitz des abgestellten Porsche im Stadtteil Am Hart bemerkt.

Laut Staatsanwaltschaft wurde er mit zwei Schüssen in den Kopf und einem Schuss in den Nacken getötet. "Er stellte damit sein eigenes rücksichtsloses Streben nach finanzieller Entlastung in krasser Eigensucht über das Lebensrecht des Geschädigten", sagte der Staatsanwalt am Montag.

Der angeklagte gebürtige Münchner habe mit dem Opfer kommuniziert und sei offenkundig am Tatort mit ihm verabredet gewesen. Außerdem wurden nach Angaben der Ermittler im Auto Spuren gefunden, die den Barkeeper weiter belasten. Spezialeinsatzkräfte nahmen ihn damals in der Wohnung seiner Freundin fest.

Angeklagter: "Ich bereue zutiefst, was ich getan habe"

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der vorher wegen Fahrens ohne Führerschein oder Schwarzfahrens aufgefallene Angeklagte den 25-Jährigen heimtückisch und aus Habgier umbrachte. Bei einem Nachweis seiner Schuld droht ihm eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Der Angeklagte räumte in einer Erklärung, die seine Verteidigerin verlas, die Schüsse auf den 25-Jährigen ein. Der Mann habe mehr Geld von ihm verlangt, als er ihm geschuldet habe, und ihn unter Druck gesetzt und bedroht. Am Tatabend habe er den 25-Jährigen beeindrucken wollen und sei mit einer Waffe in dessen Sportauto gestiegen. Als der Mann eine Bewegung machte, habe er Angst bekommen und geschossen. "Ich bereue zutiefst, was ich getan habe", erklärte der 24-Jährige.

Angeklagter mit filmreifer Flucht aus der JVA Stadelheim

Doch nicht nur das angeklagte Verbrechen ist bemerkenswert. Der Angeklagte machte auch Schlagzeilen, weil er im Februar dieses Jahres eine filmreife Flucht aus der Justizvollzugsanstalt Stadelheim hinlegte, wo er sich in Untersuchungshaft befindet. In einem Lastwagen gelang es ihm, aus dem Gefängnis zu entkommen. Allerdings wurde er noch am selben Tag in einer Großfahndung schon wieder gefasst.

Die Sicherheitsvorkehrungen in dem berühmten Münchner Gefängnis standen nach dem Vorfall auf dem Prüfstand. Das Justizministerium ging davon aus, dass der Angeklagte bei seiner Flucht Hilfe von einem Gefangenen hatte.

Für den Prozess gegen den 24-Jährigen sind zwölf Verhandlungstage angesetzt. Der Verhandlungsauftakt findet im Hochsicherheitssaal der Münchner Justiz im Keller der JVA statt.

Der Hochsicherheitssaal in Stadelheim. (Archivbild)
Der Hochsicherheitssaal in Stadelheim. (Archivbild) © dpa