Neue Türme für München - Himmelhoch jauchzend?

 AZ-Vize-Chefredakteur Thomas Müller über den neuen Höhenrausch.
von  Thomas Müller
AZ-Vize-Chefredakteur Thomas Müller über den neuen Höhenrausch.
AZ-Vize-Chefredakteur Thomas Müller über den neuen Höhenrausch. © Visualisierung: Herzog & de Meuron

AZ-Vize-Chefredakteur Thomas Müller über den neuen Höhenrausch.

Zwei Türme – ein Statement: beide 155 Meter hoch – die dann höchsten Häuser der Stadt. Kein Zweifel, der Entwurf der Architekten Herzog/de Meuron ist eine Ansage – auch eine Ansage darüber, welche Entwicklung die Stadt künftig nehmen könnte: München im himmelhoch jauchzenden Höhenrausch?

Nun muss man sicher nicht gleich völlig abheben und in lobhudelnde Jubel-Lyrik ausbrechen, wie zum Teil bereits geschehen. Denn auch wenn sich der Entwurf wohltuend abhebt vom vierkant-bolzigen Schachteleinerlei vieler anderer – 100+ Meter per se sind es ganz sicher nicht, was Münchens Probleme vordringlich lösen könnte. Eine höhere Wohnbebauung als die bislang üblichen "E plus 5/6", nur mal ganz nebenbei, würde da schon viel mehr helfen.

München fehlt ein Hochhaus-Masterplan

Wie also umgehen mit diesem Plan (und mit den weiteren hochfliegenden Begehrlichkeiten, die nun sicherlich aufkommen werden)? Es rächt sich, dass 15 Jahre nach dem Hochhaus-Entscheid immer noch kein Hochhaus-Masterplan vorliegt. Die stadtplanerische Entscheidung also, wo genau künftig Hochpunkte gesetzt werden sollen – und wo genau tunlichst nicht.

Denn klar ist schon auch, die Stadtsilhouette wird sich durch dieses Projekt und durch künftige Hochbauten gravierend verändern. Und da stellt sich weiterhin die Frage, ob und in welchem Ausmaß der Münchner das will. Der Mittlere Ring als Abstandshalter zur historischen Altstadt taugt da nicht immer – gerade im Westen, wo er aufdringlich nahe ans Zentrum rückt.