MVV-Absage: Münchner bekommen keine kostenlose Kurzstrecke

Die CSU hatte einen entsprechenden Antrag formuliert. Die Münchner würden von einem Nulltarif für Kurzstreckenfahrten "sehr unterschiedlich profitieren", heißt es in der Begründung des MVV. Auch für die Idee eines kostenlosen Probe-Abos gibt's ein MVV-Veto.
von  AZ
Für Kurzstrecken muss auch künftig eine Fahrkarte gekauft werden. (Archivbild)
Für Kurzstrecken muss auch künftig eine Fahrkarte gekauft werden. (Archivbild) © imago images/Joko

München - Anfang März hatte die Stadtratsfraktion der CSU ein umfassendes Antragspaket in Sachen Mobilität eingereicht, darin forderten die Stadträte unter anderem kostenlose Kurzstrecken in Bus und Tram. Die Antwort der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund GmbH (MVV) wird der CSU und vielen ÖPNV-Nutzern nicht gefallen.

Kostenlose Kurzstrecke: MVV befürchtet "starke Präzedenzwirkung"

"Die Einführung eines Nulltarifes wäre nach Einschätzung der Verbundgesellschaft eine genehmigungspflichtige Tarifänderung, die in den Verbundgremien beraten und entschieden werden müsste. Ein Nulltarif für Kurzstreckenfahrten, wenn auch nur innerhalb des Stadtgebiets der Landeshauptstadt München, könnte große Auswirkungen auf die Verbundpartner haben und unter anderem eine starke Präzedenzwirkung entfalten."

Ansinnen von verschiedenen Gemeinden für einen Nulltarif in ihrem Ortsbereich seien von den Gesellschaftern aus grundsätzlichen Erwägungen letztmals in der 156. Gesellschafterversammlung am 5. Juli 2019 abgelehnt worden. Damals ging es ebenfalls um eine CSU-Forderung: Städtische Beschäftigte sollten ein kostenloses MVV-Ticket bekommen.

MVV fragt nach gerechter Verteilung der Entlastung

Die Münchner "würden von einem Nulltarif für Kurzstreckenfahrten sehr unterschiedlich profitieren", heißt es in der MVV-Begründung. Nutzer, die nur im Geltungsbereich des Kurzstreckentarifs fahren, würden sich die Fahrgelder zwar komplett sparen, doch "die große Masse der Fahrgäste" seien Umsteiger von Bus und Tram auf Schienen-Verkehrsmittel zu weiter entfernteren Fahrzielen.

Der Einwand des MVV: Bei diesem Adressatenkreis würden so weitgehend die gleichen Kosten wie bisher oder nur geringe Einsparungen entstehen, auch würden Zeitkarten und Bartarifkunden unterschiedlich profitieren. "Generell stellt sich hier die Frage der gerechten Verteilung der Entlastungen; so würde der Gelegenheitskunde finanziell entlastet, der Stammkunde mit Zeitkarte würde davon aber nicht profitieren."

Finanzierung von kostenloser Kurzstrecke: Stadt winkt ab

Weiterhin wäre zu berücksichtigen, dass bei einem Nulltarif für den Kurzstreckenbereich insbesondere zu den Hauptverkehrszeiten spürbare Verkehrszuwächse entstehen könnten, auch der erhöhte Kommunikationsbedarf sei nicht zu unterschätzen: "Die Bestrebungen der Tarifreform, den Tarif spürbar zu vereinfachen, würde mit dieser Maßnahme konterkariert werden."

Aus Sicht des Referats für Arbeit und Wirtschaft kommt eine Finanzierung durch die Stadt "angesichts der aktuellen Haushaltssituation nicht in Betracht". Ob durch eine kostenlose Kurzstreckenfahrt ein erheblicher Anreiz geschaffen werde, nicht mit dem Auto zu fahren, dürfe zumindest bezweifelt werden: "Wahrscheinlicher ist, dass die Fahrgäste ansonsten zu Fuß gegangen oder mit dem Fahrrad gefahren wären, wodurch für den Umweltverbund nichts gewonnen ist."

Klares MVV-Veto gegen kostenloses Probe-Abo

Schließlich verweist der MVV auf die aktuellen "Einnahmeeinbrüche im ÖPNV aufgrund der Corona-Pandemie". Alle mit einem Verzicht auf Einnahmen oder einem gesonderten Finanzierungsbedarf verbundenen Angebote seien demnach problematisch. Als Beispiel nennt der MVV die Umsetzung der im letzten Jahr beschlossenen Tarifreform und die Einführung des 365 Euro-Tickets für Schüler.

Die von der CSU beantragte Einführung eines kostenlosen Probe-Abos hält man beim MVV "grundsätzlich für einen guten Vorschlag", sofern er finanziert werden könne: "Der MVV hat für eine solche Maßnahme kein Budget, um zum Beispiel Neubürgern für einen Monat Freifahrt gewähren zu können.