Münchner OEZ-Amoklauf: Trittbrettfahrer kommt auf Bewährung frei

Ein schizophrener Trittbrettfahrer will australische Behörden erpressen – und landet vor dem Landgericht.
von  John Schneider
Trittbrettfahrer: Ljupco S. muss sich wegen räuberischer Erpressung verantworten.
Trittbrettfahrer: Ljupco S. muss sich wegen räuberischer Erpressung verantworten. © Petra Schramek

Vier Tage nachdem ein 18-Jähriger in München neun Menschen und sich selber tötete, schickte Ljupco S. (53) eine Mail ans andere Ende der Welt. Die australischen Behörden sollen ihm eine Invalidenrente auszahlen, schrieb der Trittbrettfahrer.

Ansonsten würden mehr Menschen sterben als am 22. Juli 2016 im OEZ, drohte der 53-Jährige. „Falls ich mein Leben beenden muss, glauben Sie mir, werde ich nicht acht oder neun oder zehn Menschen mitnehmen, ich werde 80 oder 90 oder 100 mitnehmen.“

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An seine Mail hatte er Fotos vom Amoklauf am Olympia-Einkaufszentrum und ein ärztliches Attest angehängt, das ihm Depressionen, Panikattacken und Arbeitsunfähigkeit bescheinigt. Er brauche das Geld „für Lebensmittel und Medikamente“.

Warum Australien? Dort hat der DJ und Musiker, der auch mit Stars wie Kylie Minogue gearbeitet haben will, lange gelebt. In Melbourne wohnen immer noch seine Frau und seine drei Kinder.

Die australischen Behörden schickten kein Geld, aber eine Warnung ans Wiesbadener Bundeskriminalamt. Der 53-Jährige, der an paranoider Schizophrenie leidet, wurde nur zwei Tage nach der Mail von einem Sondereinsatzkommando in München festgenommen.

Er saß zunächst in Stadelheim, bevor er vor zwei Monaten in der Psychiatrie in Haar untergebracht wurde. Die Staatsanwaltschaft hätte daraus gerne einen Dauerzustand gemacht. Doch daraus wird nichts. Zumindest nicht sofort.

Zwar sieht auch Richter Gilbert Wolf die Notwendigkeit einer Behandlung, aber er setzt die Unterbringung dennoch zur Bewährung aus. Wenn sich Ljupco S. nichts mehr zu Schulden kommen lässt und seine Medikamente gewissenhaft einnimmt, bleibt ihm die Psychiatrie erspart.

So erklärt sich der 53-Jährige selber die Erpresser-Mail: Er habe drei Tage lang seine Tabletten nicht eingenommen. Dann sei einiges zusammengekommen. Eine negative Nachricht der australischen Behörde, die ihn mitten in der Nacht erreichte und wütend gemacht habe und ein Bericht im Fernsehen über den Münchner Amoklauf. Da habe er die Mail geschrieben. Er entschuldigt sich dafür vor Gericht: „Es war ein Fehler von mir. Bitte vergeben Sie mir.“

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