Münchens ältester Bauernhof: Platzen die Pläne für den Derzbachhof?

Dem Investor geht langsam die Geduld aus: "Soll sich ein anderer damit auseinandersetzen." Ob das dem alten Hof hilft, ist fraglich.
von  Myriam Siegert
So stellt sich Euroboden den sanierten Bauernhof vor, daneben sind Wohnungen.
So stellt sich Euroboden den sanierten Bauernhof vor, daneben sind Wohnungen. © Visualisierung: Peter Haimerl

München - "Ich bin überzeugt, dass der Hof bei uns in guten Händen ist", sagt Stefan F. Höglmaier, Chef des Immobilienunternehmens Euroboden. Der Hof, das ist der Derzbachhof an der Forstenrieder Allee, Münchens ältester Bauernhof.

Dort rollten vergangene Woche die Bagger an, unter anderem wurde ein Schuppen abgerissen. Euroboden will hier ein Mehrfamilienhaus mit insgesamt 19 Wohnungen und einer Tiefgarage errichten. Außerdem den jahrhundertealten Bauernhof sanieren.

Das alles, so heißt es aus dem Planungsreferat, natürlich in enger Abstimmung und unter Beachtung des Denkmalschutzes. Bisher dürfen "nur genehmigungsfreie Arbeiten gemacht werden", sagt Thorsten Vogel. Der Abriss des Schuppens, da hat Vogel sich bei der Lokalbaukommission rückversichert, sei eine solche und damit in Ordnung.

Der Hof steht seit 30 Jahren leer

Das Bauernhaus von 1751 mit einer großen, freien Wiese daneben und dahinter, sieht aus wie aus dem Bauernhofmuseum. Mit dem Unterschied, dass er dann wohl in besserem Zustand wäre.

Das Haus steht seit den 80er Jahren leer, verfiel immer mehr. Stadt und Lokalpolitiker waren besorgt, man versuchte, Einfluss auf die Eigentümer zu nehmen, damit sie ihr Denkmal erhalten. Darum war man zunächst auch erleichtert, als der Investor das Anwesen kaufte.

Derzbachhof: Streit über Nutzungskonzept

Aber dann ging der Streit los. Das Konzept mit den Neubauten neben dem Hof gefällt vielen nicht. Mancher hätte den Hof gerne anders genutzt gesehen. Ohne Neubau, dafür für die Allgemeinheit zugänglich, etwa als Museum. Auch Ludwig Weidinger (CSU), Chef des zuständigen Bezirksausschuss Thalkirchen-Fürstenried-Forstenried-Solln findet, man hätte hier gut zeigen können, wie eine Tenne funktioniert und wie ein Bauerngarten aussieht.

Aber dazu kam es nicht. "Die Erben haben das Haus verkauft und dann geht das seinen Gang", sagt Weidinger. Er könne sich nicht über die Bedingungen der Stadt hinwegsetzen, "was ich denke, ist da nicht ausschlaggebend", sagt er.
Und er räumt ein: Ein Museum wäre freilich auch sehr aufwendig und "die Stadt wollte kein Geld investieren. Es springt einem keine Nutzung ins Auge, die tragfähig ist."

So stellt sich Euroboden den sanierten Bauernhof vor, daneben sind Wohnungen.
So stellt sich Euroboden den sanierten Bauernhof vor, daneben sind Wohnungen. © Visualisierung: Peter Haimerl

Genau hier kommt Höglmaier ins Spiel: Das Projekt sei auch für ihn ein besonderes, weil mit diesem Konzept der über 250 Jahre alte Bauernhof vor dem Verfall gerettet werde. "Die Hofsanierung allein ist nicht wirtschaftlich" sagt Höglmaier. Die Neubebauung passe sich dem Hof an, ihre Optik erinnere an Wirtschaftsgebäude oder Stallgebäude. Außerdem würden nur 20 Prozent der Fläche bebaut.

Der Investor hat Erfahrung mit alten Bauernhöfen

Auch eine Tiefgaragenabfahrt sei nicht geplant, stattdessen ein aufwendiger, aber platzsparender Autolift, der ebenfalls in einem "stadelartigen Häuschen" untergebracht wird. Und "auch die historische Rampe in die Tenne des Hofs bleibt erhalten" sagt Höglmaier.

Im Hof, so der Plan, entstehen dann drei bis vier Wohnungen, im vorderen Teil außerdem Gemeinschaftsräume für alle Bewohner, auch die der Neubauten. Die könnten dort gemeinsam kochen, Feste feiern, es könnte auch Kinderbetreuung oder Co-Working geben, meint Höglmaier.

In den Neubauten sollen Familienwohnungen entstehen, die Wiese ganz hinten ebenfalls erhalten bleiben, erklärt er. Und auch die Freiflächen vor dem Hof könnte man ab und zu öffnen, etwa für eine Art Hofverkauf oder Markt.

"Es ist ein wirtschaftlicher Kraftakt, so einen Hof zu sanieren", sagt Höglmaier. "Ein Dritter würde sagen, ich stelle da einfach einen Neubau hin, ohne Sanierung. Oder das alte Haus einfach abreißen. Das haben wir nie in Betracht gezogen." Dass aber jemand, der hier bauen darf, auch die Sanierung des Hofes übernehmen muss, war auch dem BA wichtig.

 

Das Haus steht seit den 80er Jahren leer. Nachbarn wünschen sich ein Museum in dem Gebäude.
Das Haus steht seit den 80er Jahren leer. Nachbarn wünschen sich ein Museum in dem Gebäude. © Daniel von Loeper


Höglmaier und sein Architekt Peter Haimerl haben Erfahrung mit alten Bauernhöfen. Im Riemer Stockerweg haben sie bereits ein solches denkmalgeschütztes Haus aus dem 18. Jahrhundert saniert. Vielleicht bekommen sie auch deshalb von behördlicher Seite viel Zuspruch: Sie waren, erzählt Höglmaier, bei vielen Stellen mit dem Projekt, beim Denkmalschutz und mehreren Ministerien. "Der Landesdenkmalrat hat uns bestätigt, dass sie froh sind, dass wir den Hof haben", sagt der Bauunternehmer. Trotzdem geht nichts voran.

Im Viertel gibt es Widerstand gegen die Pläne

"Am 8. Januar liegt der Antrag auf Vorbescheid offiziell seit einem Jahr bei der Lokalbaukommission", sagt Höglmaier. Dazu komme noch ein weiteres halbes Jahr von Abstimmungen im Vorfeld. Das Verfahren ziehe sich also seit eineinhalb Jahren hin, sagt Höglmaier. Üblich seien drei Monate. Dabei geht es hier nur um einen Vorbescheid, nicht um eine Baugenehmigung.

Liegt das auch am Widerstand im Viertel? "Absolut", sagt Höglmaier. Er erklärt, eigentlich sei der Bescheid für vor Weihnachten versprochen worden, "jetzt haben wir erfahren, dass erst der Petitionsausschuss abgewartet werden soll." Denn: Es gibt eine Petition gegen das Projekt und eine Petition gegen die Petition. Letztere will verhindern, dass genau das passiert, was Höglmaier nun auch anklingen lässt. Dass der Investor sich zurückzieht.

 

Die moderne Architektur, die auf dem Gelände entstehen soll, hat im Viertel Unmut ausgelöst.
Die moderne Architektur, die auf dem Gelände entstehen soll, hat im Viertel Unmut ausgelöst. © Visualisierung: Peter Haimerl


"Wir werden der Lokalbaukommission jetzt einen Brief schreiben, dass wir bis zum 8. Januar eine Antwort haben wollen", sagt Höglmaier. "Wenn wir die nicht bekommen", könne er nicht sagen, ob das Projekt noch länger wirtschaftlich interessant für sein Unternehmen sei. Das heißt Weiterverkauf? "Wir würden das zumindest in Erwägung ziehen, dann kann sich ein anderer damit auseinandersetzen", sagt Höglmaier. Trotzdem bleibt er dabei: "Ich bin überzeugt, dass der Hof bei uns in guten Händen ist."

Bezirksausschuss sorgt sich um den Ensembleschutz

Trotz dieser Pläne bleiben manche bei den Entwürfen skeptisch. "Man wird sehen, wie das am Ende ausschaut, wie massiv das wird", sagt Ludwig Weidinger. Andere, erklärt er, wollen auch gar nicht, dass sich die Gebäude einfügen, lieber solle der Unterschied zwischen alt und neu klar erkennbar sein.

So oder so – für den BA bleibt das Thema auf der Tagesordnung, auch wenn er nur Anhörungsrecht hat. "Wir werden auch weiterhin auf Problempunkte hinweisen", sagt Weidinger. Es gehe ja auch um den Ensembleschutz des Dorfkerns Forstenried.

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