Klinikum Schwabing: Kommt ein Kindercampus aufs Gelände?

Ein Kindercampus auf dem Gelände des Klinikum Schwabing? Das möchte eine Stiftung. Die Gründerin und Klinik-Ärztin Irene Teichert von Lüttichau erklärt im Interview, warum.
von  Anja Perkuhn

München - Das neue, kleinere Klinikum Schwabing soll 2022 fertig werden. Wie der Rest des großen Geländes am Bonner Platz genutzt wird, ist gerade in der politischen Diskussion. Die Stiftung Kinderklinik Schwabing wünscht sich einen Kindercampus. Stiftungsgründerin und Klinik-Ärztin Irene Teichert von Lüttichau erklärt, warum.

Interview mit Irene Teichert v. Lüttichau, Fachärztin für Kindermedizin

AZ: Frau Teichert von Lüttichau, nimmt München Kindergesundheit ernst genug?
IRENE TEICHERT VON LÜTTICHAU: Ich denke, das beste Zeichen dafür, dass die Stadt Kindergesundheit ernst nimmt, ist, dass die neue Schwabinger Klinik zum großen Teil Kinderklinik ist. Das ist ein wichtiges politisches Signal und wir sind der Stadt und dem Klinikum extrem dankbar, wollen aber noch ein bisschen mehr. Forschung und Lehre sind auf dem Campus zum Beispiel noch ausbaufähig, auch wenn das medizinisch schon lange Alltag ist durch unsere Kooperation mit der TU.

Sie wollen auch den Münchner Norden entlasten, wo es zu wenige Kinderärzte gibt. Wie kommt das?
Das liegt sicher daran, dass der Norden extrem expandiert. Da entsteht viel neuer Wohnraum, es gibt viel Zuzug, weil in günstigere Gegenden natürlich viele Familien ziehen, sodass ein Missverhältnis entstanden ist.

Wie massiv ist das?
Es ist noch nicht alarmierend, aber wird es werden, wenn man nicht vorbaut. Die vielen Menschen, die in den nächsten Jahren kommen sollen, werden nicht alle nach Bogenhausen ziehen. Und da kommen ja auch nicht Rentner, sondern vor allem junge Menschen.

Über wie viel Raum reden wir denn bei Ihrer Vision?
Wir planen nicht für das ganze Gelände, das wird ja sehr wahrscheinlich ein großer Gesundheitscampus. Uns geht es um ein zusätzliches Elternhaus, in dem die Familien der Patienten unterkommen, eine Palliativeinrichtung und Räume für Forschung und Lehre. Außerdem wollen wir die Schule für Kranke expandieren.

Mit dem Kindercampus könnte man den Übergang chronisch kranker Kinder in die Erwachsenenmedizin erleichtern, argumentieren Sie. Wie viele Kinder betrifft das denn?
Das ist eine wachsende Anzahl, ich denke im zwei- bis dreistelligen Bereich pro Jahr. Es gehen heute viele Kinder ins Erwachsenenalter über, die das früher gar nicht erlebt hätten, von onkologischen Patienten über Diabetespatienten bis zur Palliativmedizin. Durch den Klinik-Neubau wird der Übergang schon erleichtert, aber mit dem Kindercampus wären die Wege noch kürzer und die Synergien noch größer.

Wie viel kostet Ihr Projekt?
Die Konzepte werden ja erst eingereicht, sobald es eine Ausschreibung gibt. Es werden Millionenbeträge, ich schätze, im zweistelligen Bereich.

Zynisch gesagt: Die anderen Vorschläge für das Gelände wie Wohnungen für Pflegepersonal oder Gemeinschaftspraxen haben ja keine Chance gegen die Idee, dass man krebskranke Kinder besser versorgen könnte, oder?
Wohnungen für Pflegepersonal sind auch einer der Hauptgründe für unsere Stiftung gewesen und auch hoffentlich eines der Hauptprojekte, die realisiert werden! Und ich glaube, dass es genug Raum gibt, um hier auch Arztpraxen unterzubringen, das vereinfacht ja unsere Arbeit auch extrem. Ich glaube nicht, dass es da eine Konkurrenz gibt. Wir gehen davon aus, dass es von der Stadt ein gutes, vernünftiges Konzept geben wird. Wir möchten nur die Belange der Kinder immer wieder mal in Erinnerung rufen.

Krankenhaus-Essen in München: Und davon soll man gesund werden?