Juwelier überfallen: Zwei Minuten Todesangst

Es passierte vor knapp zwei Jahren am Stachus: Ein Juwelier wird mit vorgehaltener Waffe ausgeraubt. Im Prozess erinnert er sich jetzt an das dramatische Geschehen.
von  John Schneider
Das Opfer: Juwelier Rudolf Bleiholder wurde von einem Pistolen-Räuber überfallen.
Das Opfer: Juwelier Rudolf Bleiholder wurde von einem Pistolen-Räuber überfallen. © jot

München „In den nächsten zwei Minuten entscheidet er wer lebt und wer stirbt.“ Diese Gedanken schossen Rudolf Bleiholder (43) durch den Kopf als er sich am 17. April 2013 einem maskierten Räuber gegenüber sah, der eine schwarze Pistole auf ihn richtete.

Was der Juwelier vom Stachus nicht wusste: Die Waffe in der Hand von Ervin V. (29) war nur eine Schreckschusspistole und nicht geladen. Todesangst verbreitete der Räuber dennoch. Der arbeitslose Ungar entschuldigte sich gestern am Montag dafür bei seinen Opfern.

„Ein starkes Zeichen“, findet Bleiholder. Zumal sich Ervin V. selber und ohne große Not anderthalb Jahre nach der Tat gestellt hatte. „Er wollte reinen Tisch machen“, sagt sein Anwalt Uwe Paschertz.

Das mögliche Motiv für den Überfall: Hohe Schulden. Der 29-Jährige gab vor Gericht an, dass er alleine privat 30.000 Euro Schulden habe.

Dass er in Ungarn bereits einmal für eine andere Tat verurteilt worden sein soll, wird bei dem hiesigen Prozess aufgrund der schweren Überprüfbarkeit keine Rolle spielen. In Deutschland war der 29-Jährige vor dem 17. April 2013 nicht straffällig geworden.

Das Geständnis des Räubers war dann zwar umfassend, aber kurz. Dafür hatten seine Opfer, Rudolf Bleiholder und eine junge Auszubildende, die Gelegenheit, das dramatische Geschehen aus ihrer Sicht ausgiebig zu schildern.

Bleiholder erinnerte sich, dass er etwa eine halbe Minute vor dem Überfall jemanden gesehen habe, der durchs Fenster geschaut habe. „Eine Momentaufnahme“, sagt der Juwelier. Als ob sich dieser jemand vergewissern wollte, dass kein Kunde im Laden sei. In diesem Moment seien tatsächlich nur er und die Auszubildende in dem Juwelierladen gewesen.

Dann kam der mit einem Schal maskierte Mann mit der vorgehaltenen Waffe ins Geschäft. „Er richtete seine Pistole in Hüfthöhe auf mich“, erklärte Bleiholder vor Gericht. Der Räuber wollte den Inhalt des Tresens, erinnert sich Bleiholder. Dabei sei das nicht einmal die lukrativste Beute gewesen.

„Einpacken! Einpacken!“ schrie der Räuber. Der Juwelier musste die Perlenketten in die mitgebrachte Sporttasche des Räubers stecken. Laut Anklage war das Schmuck im Wert von etwa 15.600 Euro.

Bleiholder tat wie ihm geheißen. Die Waffe hielt Ervin V. weiter in Richtung des Juweliers. Nun war die Kasse dran. „Geld! Geld!“, rief der Räuber. Bleiholder nahm das Münzgeld und schüttete es in die schwarze Tasche. Ervin V. griff dann selber nochmal in die Kasse und nahm sich etwa 500 Euro an Scheinen. Dann steckte er die Pistole in die Tasche und floh.

Das Blatt wendete sich. Rudolf Bleiholder nahm die Verfolgung auf. Trotz der Waffe in der Tasche des Räubers. „Jetzt war es 1:1“, erklärte der Juwelier vor Gericht sein mutiges Verhalten.
Tatsächlich hielten dann zwei Zeugen den flüchtigen Räuber auf. Es gab ein kurzes Gerangel um die Tasche, dann floh Ervin V. ohne Beute. Und ohne Waffe.

„Es ist das erste Mal, dass ich mit einer Waffe überfallen worden bin“, sagt der Juwelier. Es sei eine grausame Situation gewesen. Auch weil er damals an seine beiden Töchter denken musste, die sieben Jahre zuvor ihre Mutter verloren hatten. Sie hätten alleine da gestanden, so seine Angst als er sich mit der Waffe konfrontiert sah.