450 Flüchtlinge aus München in Leipzig angekommen

Rund 450 Flüchtlinge sind in der Nacht mit einem Sonderzug von München nach Leipzig gebracht worden. Damit reagierte man auf den Vorwurf, Bayern bei der Unterbringung der Asylbewerber im Stich.
von  az
Auch am Sonntagvormittag kamen erneut tausende Flüchtlinge, darunter viele Familien mit kleinen Kindern, in München an. Ein Teil ist jetzt nach Leipzig gebracht worden.
Auch am Sonntagvormittag kamen erneut tausende Flüchtlinge, darunter viele Familien mit kleinen Kindern, in München an. Ein Teil ist jetzt nach Leipzig gebracht worden. © dpa

Rund 450 Flüchtlinge sind in der Nacht mit einem Sonderzug von München nach Leipzig gebracht worden. Damit reagierte man auf den Vorwurf, die anderen Bundesländer ließen Bayern bei der Unterbringung der Asylbewerber im Stich.

München / Leipzig - Am Montagmorgen sind 450 Flüchtlinge mit dem Zug aus München angekommen. "Wir haben davon erst spät erfahren, da war der Zug schon unterwegs“, berichtete Andreas Kunze-Gubsch, Sprecher im Sächsischen Innenministerium, auf Anfrage der "Leipziger Volkszeitung".

Der Sonderzug aus Bayern war die ganze Nacht über unterwegs, musste auf der Strecke für den planmäßigen Verkehr immer wieder halten. „Er ist dann zwischen 5 Uhr und 5.30 Uhr in Leipzig eingetroffen“, so Kunze-Gubsch.

Sachsen hatte München im Vorfeld seine Unterstützung bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise zugesichert. Bereits am Sonntagabend waren zwei Busse aus der bayerischen Landeshauptstadt mit rund 100 Flüchtlingen in Leipzig angekommen, erklärte ein Sprecher des Innenministeriums am Sonntag.

Hier finden Sie den Liveblog zur Flüchtlingskrise vom Wochenende zum Nachlesen

 

Vorwurf aus Bayern als Anstoß zur Aufnahme

 

Zuvor hatte Innenminister Markus Ulbig (CDU) erklärt, am Wochenende maximal 400 Flüchtlinge über das reguläre Kontingent hinaus aufnehmen zu können. Damit reagierte der Minister auf den Vorwurf aus München, die anderen Bundesländer ließen Bayern bei der Unterbringung der Asylbewerber über die Balkanroute und Ungarn im Stich.

Die Menschen seien laut LVZ.de anschließend in einer Halle auf der Neuen Messe in Leipzig untergebracht worden. Die Notunterkunft bietet auf knapp 20.000 Quadratmetern Platz für bis zu 2000 Menschen. Bisher wohnten dort laut dem sächsischen Innenministerium etwa 900 Flüchtlinge in dem Quartier.

 

Neues Drehkreuz weiterhin offen

 

Um München noch schneller zu entlasten, laufen bereits seit mehreren Tagen Planungen zur Einrichtung eines zweiten Drehkreuzes für Flüchtlinge. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sieht dabei den Flughafen Leipzig-Halle als mögliche Lösung. Eine Entscheidung dazu ist aber noch nicht gefallen. Sie liegt beim Bundesinnenministerium. Sollte der Flughafen als neues Drehkreuz festgelegt werden, könnte München schneller entlastet werden.

 

Grenzkontrollen wieder eingeführt

 

Derweil hatte Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) am Sonntag Medienberichte bestätigt, das Deutschland vorübergehend wieder Grenzkontrollen durchführen werde. Diese Sofortmaßnahme sei wichtig, um den ungebremsten Zustrom an Flüchtlingen nach Deutschland zu begrenzen, ein geordnetes Verteilungsverfahren zu ermöglichen und die Sicherheit im Schengenraum zu erhalten.

Bereits am Abend hatten die Grenzkontrollen begonnen. Schwerpunkt war zunächst Österreich. Nun sollen die Regionen in Ostdeutschland folgen.

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