1.000er Inzidenz: Münchner Geschäftsleute haben Angst vor "Quasi-Lockdown"

Ab der Inzidenzmarke 1.000 müssten viele schließen. Schuld ist eine "Hotspot-Regel".
von  Hüseyin Ince
Kaufingerstraße, Fußgängerzone nahe Marienplatz: die belebteste Einkaufsmeile Münchens.
Kaufingerstraße, Fußgängerzone nahe Marienplatz: die belebteste Einkaufsmeile Münchens. © Peter Kneffel/dpa

München - Seit die Omikron-Variante sich deutschlandweit ausbreitet, ist nicht nur in München ein interessantes Phänomen zu beobachten: Die Belegung der Intensivbetten nimmt merklich ab - derzeit zumindest. Das war bei der Delta-Variante des Virus noch anders. Hier stieg meist der Anteil der belegten Intensivbetten, was ja ein wichtiger Indikator für die Aus- und Überlastung des Gesundheitswesens ist.

Kritische Zahlen-Grenze mit neuen Corona-Maßnahmen

Nun blicken die Innenstadthändler Münchens bange auf die Inzidenz von 1.000. Denn ab dieser Marke wird ein Quasi-Lockdown befürchtet.

Am Dienstag lag die Inzidenz für München bei fast 600 und steigt rapide an, nicht nur hier, sondern in den meisten deutschen Großstädten. Noch am 1. Januar lag der Münchner Wert bei etwa 212.

Corona-Regeln: Was passiert bei einer Inzidenz von 1.000?

Die aktuell gültige, 15. bayerische Infektionsschutzverordnung trat am 23. November in Kraft. Sie legt momentan fest: Ab der Sieben-Tage-Inzidenz von 1.000 müssten alle Ski-, Kultur-, Freizeit- sowie Sportanlagen schließen. Auch touristische Übernachtungen wären verboten. Fitnessstudios müssten ebenfalls zusperren. Im Handel würde eine Beschränkung von 20 Quadratmetern pro Kunde gelten.

Lockdown mit Ausnahmen würde dann kommen

Eine Art Lockdown mit Ausnahmen wäre also die Folge. Das alles tritt in Kraft, sobald auch nur an einem Tag die 1.000er Marke überschritten ist. Die Händler argumentieren allerdings, dass die Regeln noch an die Delta-Variante angepasst seien. Wer sich mit Omikron infiziere, müsse hingegen seltener ins Krankenhaus. Die Regeln seien also veraltet.

Wird regionale Hotspot-Regel überprüft und Grenzwert angehoben?

Die Geschäftsleute der Münchner Innenstadt fordern nun, dass der Freistaat Wort hält. Es sei dringend angesagt, dass "umgehend die aktuell gültige regionale Hotspot-Regel überprüft und der Grenzwert angehoben wird, da angesichts der bislang sinkenden Belegung der Intensivbetten keine Überlastung des Gesundheitssystems droht", sagt der Geschäftsführer von Citypartner und Sprecher Geschäftsleute der Innenstadt, Wolfgang Fischer.


So haben es auch der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann und Gesundheitsminister Klaus Holetschek in einer Pressekonferenz am Montag angekündigt. Die zentrale Frage lautet daher: Wird der Freistaat die Regelungen nachschärfen, bevor die Sieben-Tage-Inzidenz von 1.000 überschritten ist?

Die Verbandsmitglieder von Citypartner sind da offenbar skeptisch. Der 1.000er Grenzwert müsse schnell angehoben werden, so Fischer.