„Findet Dorie“: Den kannste echt vergessen

„Findet Dorie“ findet keinen Rhythmus in einer verwirrenden Geschichte und verpasst die großen Themen.
von  Adrian Prechtel
Ein Griesgram und doch letztlich mit guten Herzen: „Septopus“ Hank lässt sich von Dorie breitschlagen, ihr bei der Flucht aus dem Labor zu helfen.
Ein Griesgram und doch letztlich mit guten Herzen: „Septopus“ Hank lässt sich von Dorie breitschlagen, ihr bei der Flucht aus dem Labor zu helfen. © Disney / Pixar

Kein Kritiker kann wirksam gegen die PR-Macht eines Disney-Konzerns anschreiben. Und wenn „Findet Dorie“ ab heute auf 1000 deutsche Leinwände drückt und bereits in den USA zu einem der erfolgreichsten Animationsfilme überhaupt geworden ist, sieht man als Nörgler schnell alt aus.

Aber es muss gesagt werden: „Findet Dorie“ hinterlässt beim Zuschauer keine Spuren, weil der Film fahrig ist, unausgegoren – und letztlich enttäuschend.

13 Jahre nach der Suche nach dem kleinen Clownfisch Nemo, ist jetzt die blauen Palettendoktorfisch-Dame Dorie ins Zentrum gerückt. Ja, die mit dem schwachen Gedächtnis. Und so stellt sich für sie die klassische Abenteuer-Aufbruchsfrage: Wo komme ich her?

Zusammen mit dem netten Nemo und seinem sterilgesichtigen Vater Marlin macht sie sich auf die Suche, aber schon die Ozeandurchquerung ist eine lieblos-hektische Reise mit kleinen Reminiszenzen wie den bekifften Meeresschildkröten als Transporter. Das Ziel: Ein Großaquarium und Meeresforschungsinstitut in Kalifornien, wo ein skurril-dauerskeptischer Oktopus Dories Ausbruchshelfer wird.

Richtig nervig-dämlich sind künstlich eingeimpfte Figuren wie die Walhai-Dame Destiny, die durch Ultraschall 3D sehen kann, ein Effekt, den der Film selbst aber nur ansatzweise nutzt, so dass man ihn sich auch in 2D anschauen könnte.

Richtig unerträglich – gerade für uns Bayern – sind die peinlich penetrant Klischee-Bairisch redenden Gag-Seelöwen, deren Running Gag darin besteht, gemütlich zu sein, außer wenn man ihnen den Felsenplatz streitig macht.

Nach einer verwirrenden Handlung zwischen Forschungslabor, Sea-World-Aquarium und kalifornischer Küste, kann Dorie – durch Erinnerungs-Flashbacks auf die Spur gebracht – ihre Herkunft klären, was den Zuschauer aber in aller Oberflächlichkeit und ablenkend überladener Handlung nicht richtig rühren kann. Außerdem fragt man sich: Warum haben die erfahrenen Blockbuster-Macher nichts aus sich anbietenden Themenfeldern wie der Verschmutzung und Vermüllung der Meere oder der Demenz?

Denn nichts anderes plagt ja unsere sympathische Heldin Dorie, die – als Lichtblick – von der TV-Moderatorin Anke Engelke als Synchronstimme wirklich hervorragend mit einer einnehmenden Persönlichkeit ausgestattet wird.     


Kino: Cadillac, Cinemaxx, Solln, Rex, Mathäser (auch 3D), Leopold, Royal (auch 3D), Münchner Freiheit (3D) sowie Cinema und Museum (OV)

R: Andrew Stanton / Angus Maclane (USA, 97 Min.)