Interview

Wählers Wunsch: "A bissl Grea wär scho guad"

Günter Frey, stellvertretender Landesvorsitzender des bayerischen Trachtenverbandes, über Wohl und Wehe der Bundestagswahlen.
von  Ruth Schormann
"Meine Horrorvorstellung wäre Rot-Rot-Grün oder noch schlimmer eine starke AfD", sagt Günter Frey.
"Meine Horrorvorstellung wäre Rot-Rot-Grün oder noch schlimmer eine starke AfD", sagt Günter Frey. © ho

München - AZ-Interview mit Günter Frey: Der 61-Jährige aus Sulzschneid im Ostallgäu ist stellvertretender Landesvorsitzender des bayerischen Trachtenverbandes.

AZ: Herr Frey, Sie sind seit Jahrzehnten ehrenamtlich im Trachtenverband engagiert. Was wünschen Sie sich von der Politik?
GÜNTER FREY: Das Ehrenamt muss besser unterstützt werden, das wünsche ich mir auf jeden Fall. Von 16 Bundesländern haben 14 ein Freistellungsgesetz für ehrenamtliche Beschäftigte, Bayern und Sachsen leider nicht. Ich weiß nicht, wie der Bund das an sich ziehen kann, aber das wäre eine gute Möglichkeit, Ehrenamtliche zu unterstützen, damit sie sich aus- und fortbilden können.

Was ermöglicht dieses Freistellungsgesetz?
Mitarbeiter in Betrieben bekommen dadurch eine Freistellung für Seminare und Fortbildungen. Der Hintergrund ist, dass das, was hier fürs Ehrenamt gelernt wird, auch letztendlich dem Betrieb zugutekommt. Das wäre eben auch gut für den Betrieb selber, weil er ja dadurch profitiert, wenn er ehrenamtlich engagierte Beschäftigte hat, die auf manchen Gebieten sehr gut ausgebildet sind.

Welche Gebiete meinen Sie da?
Wenn ich zum Beispiel einen Jugendleiter oder eine Jugendleiterin habe, egal in welchem Verband, dann weiß ich, dass der- oder diejenige gut organisieren kann, strukturiert arbeiten und gut mit Menschen umgehen - also die besten Voraussetzungen mitbringt, um mal in eine Führungsposition zu kommen. Da meine ich jetzt nicht unbedingt Abteilungsleiter oder ähnliche, sondern auch einfache Vorarbeiter oder Arbeitsgruppenleiter.

"...aber wir dürfen als Verein keine Jahresversammlung mit 26 Leuten abhalten"

Ein weiteres Thema, das Sie im Verband sicherlich auch stark beschäftigt hat, sind die Auswirkungen der Corona-Krise.
Ja, das war dramatisch bei uns, wie bei allen anderen Verbänden - außer dem Sport, so böse bin ich jetzt. Wo das Geld zuhauf fließt, ist es ja scheinbar kein Problem, dass 25.000 Leute zusammenkommen können, aber wir dürfen als Verein keine Jahresversammlung mit 26 Leuten abhalten wegen Corona. Das geht nicht! Wir haben Riesenprobleme, wir sind im zweiten Jahr - viele Vereine und Verbände müssen ihre Vorstände neu wählen. Ich warte seit letztem Jahr September, wäre eigentlich seit einem Jahr schon gewählt und drehe eine Ehrenrunde. Wir merken alle, dass die, die abgelöst werden sollen, Neues nicht mehr anstoßen, was ich gut nachvollziehen kann. Und die anderen, die eigentlich schon ins Amt gewählt worden wären, können nicht anfangen, ihre Ziele und Schwerpunkte umzusetzen. Das ist ein massives Problem.

"Wir machen uns Gedanken über Probleme, die keine sind"

Was hoffen Sie für den Herbst?
Einfach, dass wir endlich wieder Vereins- und Verbandsversammlungen abhalten und unserer ehrenamtlichen Tätigkeit nachgehen können.

Wie blicken Sie auf die letzte Regierung zurück?
So schlecht war es nicht. Ich denke, wir machen uns Gedanken über Probleme, die keine sind, abgesehen von Afghanistan, Corona und den Überschwemmungen. Aber wie eine Regierung die im Griff haben kann, das möchte ich mal dahingestellt lassen.

Günter Frey: "Ich schwanke zwischen Schwarz und Grün"

Welche Befürchtungen haben Sie für die kommende Wahl?
Meine Horrorvorstellung wäre Rot-Rot-Grün oder noch schlimmer eine starke AfD. Rot-Rot-Grün würde der Wirtschaft und der Außenpolitik schaden, hätte aber wohl einen Vorteil für den Umweltschutz. A bissl Grea wär scho guad!

Sie wählen also CDU/CSU?
Ich schwanke zwischen Schwarz und Grün. Das Schwanken liegt, da geht es mir wohl wie Millionen anderen, am schwarzen Kandidaten.