Tot, aber bunt: Grell bemalte Särge aus dem Allgäu

Der „Sargladen“ von Wandelmaler Alfred Opiolka (50) in Kempten: Blumen, Sterne oder Schmetterlinge: Ein Allgäuer bemalt Särge auf Kundenwunsch. Alle Motive sind aber nicht erlaubt.
von  Abendzeitung
Der „Renner“ von Wandelmaler Alfred Opialka aus dem Allgäu: Sein Sarg mit Wiesenblumen (ab 2650).
Der „Renner“ von Wandelmaler Alfred Opialka aus dem Allgäu: Sein Sarg mit Wiesenblumen (ab 2650). © privat

Der „Sargladen“ von Wandelmaler Alfred Opiolka (50) in Kempten: Blumen, Sterne oder Schmetterlinge: Ein Allgäuer bemalt Särge auf Kundenwunsch. Alle Motive sind aber nicht erlaubt.

Noch steht er im Schaufenster: Ein handbemalter, grün-blauer Holzsarg, auf dem zwischen Wiesenblumen und Schmetterlingen Sterne aus Blattgold prangen. Ein Allgäuer Rentner hat die Holzkiste für sich selbst im „Sargladen“ von Wandelmaler Alfred Opiolka (50) in Kempten in Auftrag gegeben – ein deutschlandweit einzigartiges Geschäft. Als der Illusionsmaler seinen Laden vor fünf Jahren unter einer Arztpraxis eröffnete, blieben die Einheimischen in Trauben davor stehen. „Das war wie’s Oktoberfest.“ Aber nicht alle waren begeistert, manche kippten ihm auch Müll vors Fenster. Inzwischen haben sich alle daran gewöhnt. „LSV“ steht auf den Schaufenstern, „Lebensschlussverkauf“. Die Bestellungen kommen aus ganz Deutschland.

Der Tod bedeutet für die Angehörigen fast immer Trauer und Verzweiflung, daran hat sich nichts geändert. Doch die Art, wie Abschied genommen wird, ist im Wandel. „Der Trend geht zu individuellen Trauerfeiern und Särgen“, sagt Bestatter Karl Albert Denk, dessen Familie seit 165 Jahren im Geschäft ist.

Es gibt Bestattungen in der Ostsee oder auf Almen. Etwa ein Prozent von Karl Albert Denks Kunden lässt sich einäschern und in der Schweiz zum Diamanten pressen.

Fast schon üblich ist weltliche Musik am Grab. „Von Seiten der Friedhofsverwaltung spricht nichts gegen Rockmusik“, sagt Katrin Zettler vom Umweltreferat. Bei einem Münchner, der bei einem Motorradunfall ums Leben kam, stellten die Angehörigen dessen Harley in den Trauerraum. Denk: „Das individuelle Gestalten gibt Kraft. Es hilft den Angehörigen, eher wieder aus der Trauer heraus zu kommen.“

Ganz neu im Angebot sind „Foto-Särge“. Der Münchner Andreas Emde (40) wohnte früher am Ostfriedhof. Nun bringt er Farbe auf die Holzkiste: Er druckt Fotomotive auf biologisch abbaubares Leinentuch und bezieht die Särge damit. Blumen, Engel – alles drin. Allerdings sind nicht alle Friedhofsverwaltungen gleich tolerant. Nach Frankfurt lieferte Emde für einen toten Homosexuellen einen Sarg, auf dem nackte Männer prangten. Wäre in München eine Nackerte erlaubt? Klare Antwort von Katrin Zettler: „Nein! Das ist pietätlos.“ N.Job