Neuer Besen, neue Methoden

Club-Trainer Michael Oenning will ganz bewusst Reizpunkte setzen und hält Monotonie a la Ex-Coach Hans Meyer auf Dauer für demotivierend. "Ich plane im Voraus, aber kann auch spontan Dinge weglassen oder verändern."
von  Abendzeitung
„Wir müssen unberechenbar sein.“ Club-Trainer Michael Oenning setzt auf Flexibilität im Training und im Spiel.
„Wir müssen unberechenbar sein.“ Club-Trainer Michael Oenning setzt auf Flexibilität im Training und im Spiel. © dpa

NÜRNBERG - Club-Trainer Michael Oenning will ganz bewusst Reizpunkte setzen und hält Monotonie à la Ex-Coach Hans Meyer auf Dauer für demotivierend. "Ich plane im Voraus, aber kann auch spontan Dinge weglassen oder verändern."

Es ist die alte Sache mit dem neuen Besen. Was macht Michael Oenning, frisch beförderter Nachfolger von Thomas von Heesen, als Club-Trainer anders? Oennings Rezept besteht aus vielen Mosaiksteinen und trägt die Überschrift: „Wir müssen unberechenbar sein.“ Zu „wir“ gehören auch der Trainer und sein Assistent Peter Hermann. „Es gibt doch nichts schlimmeres für einen Profi, wenn er genau weiß: An einem Mittwoch im Jahr 2012 machen wir in der Vormittagseinheit ein Elf-gegen-Elf-Spiel. Wir setzen ganz bewusst immer neue Reizpunkte.“

Käpt’n Raphael Schäfer & Co. haben sichtlich Spaß an dieser Philosophie, finden es sogar spannend, „was uns jeden Tag erwartet“. Ex-Trainer Hans Meyer setzte dagegen auf einen festen Stundenplan. Woche für Woche das selbe Programm – ohne Ausnahme. Krafteinheiten, Spielformen, interner Kick, Fußball-Tennis, Abschlusstraining. „Das mache ich seit über 20 Jahren so, das werde ich auch nie ändern. Egal, in welcher Situation meine Mannschaft sportlich steht“, betonte der 65-Jährige monoton. Eine Zeit lang klappte es, auf Dauer nicht. Monotonie als Bremsklotz.

Flexibilität - aber in gewissen Grenzen

„Das mag am Anfang möglich sein“, erklärt Oenning, „aber nach einem Jahr ist das völlig demotivierend. Das verträgt niemand auf Dauer.“ Also Flexibilität – in gewissen Grenzen natürlich. „Am Freitag vor einer Partie macht es keinen Sinn, eine Sprinteinheit anzusetzen“, weiß auch Oenning, einer aus der neuen Trainergilde, ohne den Fußball neu erfinden zu wollen. „Ich plane immer im Voraus, habe jedoch kein Problem, Dinge spontan wegzulassen oder auf einen anderen Tag zu verschieben, wenn es in den Übungsblock passt.“

Zumal sich ein Teil seiner Arbeit „zwangsweise aus dem jeweils letzten Spiel ergibt. So ein Gegentor wie nach einer Standardsituation gegen Aachen wird uns nicht mehr passieren“, verspricht Oenning, und setzt im Training die entsprechenden Schwerpunkte, um künftig auf der sicheren Seite zu sein. Wer sich davon ein Bild machen will, die Clubprofis üben heute um 10 Uhr.

Gemessen wird aber auch Michael Oenning, der neue Besen mit den neuen Methoden, ausschließlich nur am Erfolg. Gewinnt der Club mit ihm, kehrt endlich wieder Ruhe ein. Denn was der 1. FCN nach dem durchwachsenen Start in die Zweite Liga am allerwenigsten gebrauchen kann, ist eine Reizfigur auf der Trainerbank. M. Löser