Natascha Kohnen setzt auf Ernsthaftigkeit

Wie die designierte Spitzenkandidatin die Bayern-SPD aus der Krise führen will.
von  R. Müller

München - Während in der CSU um die Macht gerungen wird, ist bei der bayerischen SPD schon alles klar. Überraschend und einstimmig schlug jetzt der Landesvorstand der Sozialdemokraten die Landesvorsitzende Natascha Kohnen als Spitzenkandidatin für die Landtagswahl 2018 vor (AZ berichtete). Überraschend war allerdings nur der Zeitpunkt.

Gleichzeitig kam aus Berlin ein weiteres Postenangebot für die gerade 50 Jahre alt gewordene Münchnerin: SPD-Bundesvizin Aydan Özoguz will für dieses Amt nicht mehr kandidieren und schlug dafür Kohnen vor – eine bittere Pille für die Ex-Juso-Vorsitzende Johanna Ueckermann.

Am Montag luden die Genossen kurzfristig zur Pressekonferenz ins Münchener Café "Lostweekend", wo die designierte Spitzenkandidatin und ihre engsten Mitstreiter versicherten, wie sehr sie sich auf den Landtagswahlkampf freuen. Die endgültige Entscheidung des Landesparteitags über die Spitzenkandidatur im März 2018 gilt als Formsache.

Kohnen will bei den Wählern eine Sehnsucht nach Ernsthaftigkeit und Wahrhaftigkeit in der Politik erkannt haben. Die SPD müsse sich auch um die „gefühlten Probleme“ kümmern. So hätten viele Menschen das Gefühl, keine Zeit mehr zu haben. Andere rackerten sich ab, um ihre Miete zahlen zu können. Kürzlich hatte Kohnen klargestellt, die bayerische SPD solle nicht nach links rücken, sondern ihre linken Positionen stärker betonen.

Die gelernte Biologin übernimmt die Aufgabe vor dem Hintergrund einer Serie von Wahl-Schlappen für die bayerischen Genossen. Bei der Landtagswahl 2013 fuhren sie 20,6 Prozent ein, obwohl der ehemalige Münchner OB Christian Ude Spitzenkandidat war. 2008 war das Ergebnis mit 18,6 Prozent noch schlechter. Bei der jüngsten Bundestagswahl sackte die Bayern-SPD auf 15,3 Prozent ab.

Erfreulicher sind die Perspektiven, wenn sich Kohnen an ihrer Vorgängerin Renate Schmidt orientiert, die bei den Landtagswahlen 1994 und 1998 30,0 beziehungsweise 28,7 Prozent holte.