"Mein Konzept steht"

Der Club-Trainer exklusiv in der AZ über Pläne, Baustellen und Öffentlichkeitsarbeit. Aber auch darüber, wie er in Nürnberg aufgenommen wurde, die Stürmerproblematik und seine Botschaft an die Club-Fans.
von  Abendzeitung
"Bitter enttäuscht", aber auch ziemlich sauer auf seine Profis: Club-Trainer Thomas von Heesen nach der 1:4 Klatsche bei Bayer.
"Bitter enttäuscht", aber auch ziemlich sauer auf seine Profis: Club-Trainer Thomas von Heesen nach der 1:4 Klatsche bei Bayer. © Wolfgang Zink

Der Club-Trainer exklusiv in der AZ über Pläne, Baustellen und Öffentlichkeitsarbeit. Aber auch darüber, wie er in Nürnberg aufgenommen wurde, die Stürmerproblematik und seine Botschaft an die Club-Fans.

NÜRNBERG Tagelang war er – zumindest für die Öffentlichkeit – abgetaucht (AZ berichtete). Jetzt meldet sich Club- Trainer Thomas von Heesen wieder zu Wort – und erklärt die Gründe,warum er sich derzeit so rar macht und wie er den FCN wieder in die Bundesliga führen will.

AZ:Wo sind Sie denn gerade?

THOMAS VON HEESEN: Ich habe ein paar Tage mit meiner kleinen Tochter in Hamburg verbracht. Die Familie hat in den letzten sechs Monaten praktisch völlig auf mich verzichten müssen. Sie hat das Recht, dass ich jetzt auch mal wieder für sie da bin. Ansonsten war und bin ich kreuz und quer in Europa für den Club unterwegs und führe Gespräche mit Spielern, die wir halten wollen oder möglichen Neuzugängen.

Es entstand zuletzt der Eindruck, dass Sie keinen großen Wert darauf legen, bei den Fans anzukommen?

Es ist nicht meine Aufgabe, durch Nürnberg zu ziehen und Hände zu schütteln. Mein Job ist es, den FCN wieder in die Bundesliga zu führen. Nichts anderes zählt!

Aber Ihr Vorgänger Hans Meyer . . .

. . . es ist mir egal, was mein Vorgänger gemacht hat. Ich bin der Typ, der ich nun mal bin, und ich habe keine Lust darüber zu diskutieren, wie andere Menschen mich gerne sehen würden. Für mich zählt nur der Erfolg dieses Vereins. Sonst nichts.

Heimisch sind Sie in Nürnberg bis jetzt aber trotzdem nicht geworden?

Wie auch: In diesem Geschäft weiß man nie, ob man ein paar Jahre an einem Ort arbeitet oder nur ein paar Wochen.

Sie sollen auf jeden Fall längerfristig bleiben und den Neuaufbau verantworten. Wie ist denn Ihr Zeitplan für die nächsten Wochen?

Mein personelles Konzept liegt den Verantwortlichen vor. Ich denke, ich habe die Spieler, die ich haben möchte, grundsätzlich überzeugt, nach Nürnberg zu kommen oder hierzubleiben. Eine hundertprozentige Garantie gibt es da natürlich nicht. Jetzt liegt es an Manager Martin Bader, das auszuhandeln, was möglich ist. Ich hoffe jedenfalls, dass bis zum Trainingsauftakt am 29. Juni der Kader weitestgehend steht. Ich möchte an diesem Tag all jene Spieler da haben, von denen ich sicher bin, dass sie mit uns diesen Weg gehen – und die nicht nach ein paar Wochen sagen: „Ich möchte doch noch weg.“

Wie groß sehen Sie denn die Chance, dass die „Achse“ Pinola, Wolf, Mintal, Engelhardt gehalten werden kann?

Marek Mintal und Marco Engelhardt haben ja bereits erklärt, dass sie gerne hierbleiben wollen. Bei Pinola bin ich vorsichtig optimistisch, dass es klappt. Wolf ist hin- und hergerissen. Wir sind aber auch bei ihm auf einem guten Weg.

Die größte Baustelle?

Wir brauchen Stürmer, die auch treffen.

Gehört Ihr Ex-Schützling Sibusiso Zuma dazu?

Nein.

Nach dem letzten Spieltag gab es deutliche Unmutsbekundungen gegen Ihre Person. Ihre Botschaft an die Club-Fans?

Die Fans haben immer das Recht, Kritik zu üben, wenn die Ergebnisse nicht stimmen. Und das war bei uns der Fall. Ich selbst bin nicht nachtragend. Das müssen wir jetzt alle gemeinsam abhaken und nach vorne blicken. Die Zweite Liga wird sicher nicht einfach, und ich will hier keine Dinge versprechen, die man hinterher vielleicht nicht einhalten kann. Aber völlig klar ist: Der 1. FC Nürnberg gehört in die Bundesliga. Und wir wollen alle dort wieder hin. Daran gilt es jetzt intensiv zu arbeiten.

Interview: Andreas Hock