"Der Stein muss weg!", fordern die Grünen. Aus ihrer Sicht werden durch ihn "zwangsverpflichtete Altnazis" geehrt. Der Streit, die Aktion.

Altstadt - Den Landtagsabgeordneten Sepp Dürr und Katharina Schulze ist der im Mai am Marstallplatz aufgestellte Gedenkstein für Trümmerfrauen und die Aufbaugeneration ein Dorn im Auge.

Er  vermittele „ein falsches Bild von den Aufräumarbeiten in der Stadt. Mehr als 90 Prozent der Männer und Frauen, die später zu Trümmerfrauen stilisiert wurden, waren zwangsverpflichtete Alt-Nazis, die um ihre Essensmarken bangten“, hat Sepp Dürr im Stadtarchiv recherchiert.

„Auch wenn es einzelne Trümmerfrauen gab, muss deren Mitarbeit an den Aufräumarbeiten in den historischen Kontext gestellt werden“, so Katharina Schulze.

In einer Antwort auf eine Anfrage der Landtags-Grünen hatte das Kultusministerium dies prinzipiell auch eingeräumt: „Das von der lokalen Forschung für München festgestellte Überwiegen von Akteuren bei der Trümmerbeseitigung, die dem NS-Regime zu Diensten war, stellt unstreitig einen für die Gesamtwürdigung des Denkmals sehr wichtigen Gesichtspunkt dar.“

Der Stein und seine Inschrift vermitteln den Grünen "einen völlig anderen Eindruck". Deshalb fordern sie die Beseitigung des Denkmals "auf Kosten des von CSU-Funktionären dominierten Vereins Trümmerfrauen e.V." .

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Für den Moment begnügten sie sich am Donnerstag bei einer spontanen Aktion vor Ort jedoch mit der Verhüllung des von Kultusminister Spaenle mit eingeweihten Gedenksteins, dem sie gleich noch eine neue Inschrift verpassten: „Den richtigen ein Denkmal. Nicht den Alt-Nazis. Gegen Spaenles Geschichtsklitterung.“

CSU-Stadtrat Reinhold Babor hatte bei der Aufstellung gesagt: "Der Verein hat es geschafft, der Münchner Bürgerschaft nach 1945 für ihre Leistung zu danken, wobei die Verantwortung für die unsägliche Vergangenheit nicht vergessen wurde. Daran soll der Stein erinnern.“

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