Perles Hirnbatzerl Petra Perle: Minga? Niemals!

München oder Minga? AZ-Kolumnistin Petra Perle hat dazu eine klare Meinung. Foto: dpa/az

Die Münchner (Lebens-)Künstlerin Petra Perle hat jetzt einen Wolle-Laden – und eine 14-tägliche Kolumne in der AZ.

Als ich das erste Mal das Wort Minga hörte, war ich schon weit über 30. Sofort bildete mein Körperbehaarung eine schützende Corona um meinen Leib, um weitere verunglimpfende Wortschöpfungen des schönen Namens meiner Heimatstadt abzuwehren. "Minga." Ich schwöre bei allen acht Uhren des Oiden Peter: Dieses Unwort bringt kein echter Münchner über seine Lippen. Das sagen nur die aus dem Umland, welche von draußen reinkommen oder schon da sind. Die Niederbayern "fahrn auf Minga auffe" und benennen den Münchner als "Mingara", was der gar nicht wertschätzt, denn er ist und bleibt ein Münchner, gerne auch ein Kindl (nicht zu verwechseln mit einem digitalen Lesegerät)!

"Des hoaßt München und ned Minga!" sagt meine betagte Kundin, Frau Semmelgruber, "I bin a waschechte Münchnerin und koa verwaschene Minganerin! Do moansa, dass bsonders hiesig san, wenns Minga song, in ihre Trachtenanzügerl vom Kik!" Da mischt sich eine weitere Kundin ein: "Also, ich finde, es ist egal, ob einer München oder Minga sagt. Hauptsache, mein Mann und ich können uns die flotte Wohnung leisten und finden für unsern neuen SUV immer einen großen Parkplatz in den engen Gassen der Altstadt! Also, Tschüssikowski!"

Frau Semmelgruber sieht mich fassungslos an. Ich sehe deutlich, wie sich die feuchte Stelle in ihrem Auge zu einer Träne formt: "Mei, bin i froh, dass i scho so oid bin. Des Elend muaß i nimmer lang mitmacha."

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