Nicht lustig - aber aussagekräftig Motörhead im Münchner Zenith: Der Opa lebt

Da steht er, der Rock-Opa. Lemmy Kilmister gestern Abend im Zenith. Foto: dpa

Die britische Rockgruppe Motörhead spielte am Freitagabend in Münchner Zenith und hatte vor allem eine Botschaft im Schlepptau: Der Brachialrock lebt, Opa Lemmy lebt.

München - Ein wenig seltsam ist es schon. Da wird Lemmy Kilmister angeblich und/oder offenbar seine eigene Lebenslust zum Verhängnis. Aber so ein Konzert wie jenes, das er am Freitagabend im Zenith zelebriert hat, ist dann doch eine eher unlustige Angelegenheit und auch so inszeniert.

Wenn dem Publikum also um 21.20 Uhr zur Eröffnung ein stilisierter Kampfflieger von anno dunnemals als Gerippe von der Decke entgegen schwebt, ist Schluss mit lustig, mit Pazifismus und anderer Seichtigkeit: Motörhead hauen drauf und gut, das ist die Botschaft, die sich in diesen Tagen seltsam ausnehmen mag. Aber sie kommt an in der ausverkauften Halle. Darum sind ja alle hier. Die Botschaft ist: Brachialrock lebt, Lemmy lebt.

 

Motörhead-Konzert: Ein bisschen wie der Geburtstag vom Opa

 

Und irgendwie bedingt das eine offenbar das andere. Drum ist Andacht gefragt und musikalischer Expressionismus. Kilmister verkneift sich sogar den eigentlich obligatorischen Begrüßungsritus ("We are Motörhead, we play Rock'n'Roll") und verschiebt ihn auf später. Ein bisschen empathiearm kommt das rüber. Reduktion auf das Wesentliche. Aber genau darum geht es auch. Es gibt ja für ihn, seine Mitstreiter und seine Fans keine Zeit mehr zu verschwenden.

So ein Motörhead-Konzert ist ja schließlich ein bisschen auch wie der Geburtstag vom Opa. Die ganze Sippe sieht sich einmal im Jahr, man erkennt - selbst im Schummerlicht - neue Fältchen und weitere graue Haare bei den Menschen neben sich. Und der bange, manchmal auch zufriedene Blick aller richtet sich immer wieder auf den Senior am Kopfende. Wie es ihm wohl geht? Wie frisch ist er?

 

Kilmister nach Herz-OP wieder fit auf der Bühne

 

Fragen, die ja erlaubt sind, weil die jährliche Feier ja im vergangenen Jahr schon ausfallen musste, weil es dem Jubilar zu schlecht ging. Kilmister hat eine Herz-OP überstehen müssen. 69 ist er jetzt. Aber von der Stimmung her begrüßen ihn die Menschen im Zenith so, wie man das in München eben macht. "Mei, schaugst du guad aus!", sagt man dann, vielleicht etwas zu überschwänglich.

 

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Immerhin, der alte Herr hat gute Helfer. Gitarrist Philipp "Wizzö"Campbell, der zwischendurch so virtuos klampft wie Ted Nugent, und der muskulös-markante Mikkey Dee am Schlagzeug sind bewährte Party-Retter. Das Fest muss ja nicht immer bis zum bitteren Ende gehen. Die beiden schaffen Kilmister Pausen. Das ist lieb und sinnvoll.

"Ace Of Spades" brettert das Trio trotzdem schon nach exakt einer Bühnenstunde heraus. Und schafft in der Pause danach so viel Luft, dass Lemmy Mundharmonika blasen und singen (naja, nahezu) gleichzeitig kann.

Es endet (brav gegen viertel vor elf), wie so ein Fest eben endet. Erwartbar zum einen, mag sein, fröhlich zum anderen. Opa lebt. Und wie. Das ist doch eine gute Nachricht in diesen Tagen.

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